Analog in Wien

Michael Krebs und Hanna Pribitzer fotografiert von Nini Tschavoll

Namen Hanna Pribitzer, geboren 1983 in Rohrbach (OÖ), wohnt in Wien Mariahilf und Michael Krebs, geboren 1985 in Klosterneuburg, wohnt in Wien Landstraße, von Beruf sind beide Fotografen und Geschäftsführer von Revolog


Hanna Pribitzer und Michael Krebs lernten einander an der Graphischen in Wien Penzing kennen. Im Zuge ihres Diplomprojekts am Kolleg für Fotografie im Jahr 2009 wollten sie herausfinden, ob und wie man Filme „künstlich altern“ lassen kann, um damit interessante Effekte zu erzielen. Der Grundstein für ihre Geschäftsidee war gelegt.

Von der Idee zur Umsetzung dauerte es nur ein Jahr, 2010 gründeten die beiden gemeinsam ihre Firma. Der Firmenname Revolog erklärt sich aus den Wörtern Revolution und analog.

Die ersten Jahre beschränkten sich die Jungunternehmer auf den reinen Online-Handel, seit 2014 verkaufen sie ihre Filme auch im Geschäft auf der Gumpendorferstraße. Der Kundenstock von Revolog ist sehr international, etwa 95% der Filme werden exportiert, viele davon nach Deutschland, Großbritannien und in die USA. Einer der größten Märkte ist für sie Südkorea.

In den letzten Jahren ist die Anzahl der Händler, die Revolog Kreativfilme Filme weltweit in ihren Läden verkaufen, stark angestiegen. Unter anderem sind sie auch im Sortiment der Lomography vertreten.

Die Produktpalette umfasst mittlerweile 11 verschiedene Effektfilme in Farbe und einen unregelmäßig erscheinenden Schwarz/Weiß Film in limitierter Edition.

Alle Filme werden in der Dunkelkammer bearbeitet, damit nach der Belichtung durch den Kunden und die anschließende Entwicklung im Labor die gewünschten Effekte entstehen. Die elf Farbnegativfilme von Revolog können von jedem herkömmlichen Fotolabor standardmäßig entwickelt werden.

Verkauft werden Filme mit klingenden Namen wie Tesla, Texture, Streak oder Lazer, jeder davon ist ein Unikat. Den Herstellungsprozess haben die beiden standardisiert, trotz (gewünschter) Zufallseffekte können sie so gleichbleibende Qualität garantieren.

Die Namensfindung für ihre Filme ist oft ein kreativer Prozess, der Zeit braucht. Etwa der Film Volvox: ein befreundeter Biologe fand, die grünen Punkte auf dem Film sähen der Grünalge Volvox ähnlich. Naheliegend also diese Bezeichnung. So gibt es zu jedem Produkt eine kleine stimmige Story, die die beiden Geschäftspartner gerne erzählen.

Für den Geschäftserfolg setzen die beiden auf Social Media und Plattformen wie Istillshotfilm von Rachel Rebibo. Durch das Aufscheinen auf ihrem Blog bekamen Revolog einen regelrechten Boost, die Fancommunity vergrößerte sich und der Absatz stieg. „Eine der ersten Bestellungen kam aus Tahiti, bis heute ist uns nicht ganz klar, wie der Kunde auf uns gestoßen ist“, erinnert sich Hanna Pribitzer.

 Die unausweichliche Frage „warum analog?“ beantworten die beiden mit ihrer Liebe zum Film. „Der Reiz am Zufälligen, am Überraschungseffekt ist groß für uns. Man fotografiert anders, denn ein Film hat max. 36 Aufnahmen, danach sollte man seine Bilder im Kasten haben. Diese Beschränkung ist auch eine Befreiung.

Zu viele Möglichkeiten überfordern einen ja auch oft. Wir scannen nach der Entwicklung natürlich die Aufnahmen und so werden sie dann doch digital. Mit der Manipulation halten wir uns aber sehr zurück, wir bearbeiten nicht allzu viel am Bild."

Warum habt ihr euch für das Geschäft in der Gumpendorferstraße entschieden? Wir versenden viel mit pack & weg, das ist einigermaßen nah. Außerdem mögen wir das Grätzel hier, wir haben nette Nachbarn. Unsere erste Nachbarin hier war die Maklerin, über die wir unseren Laden gefunden haben. Sie war ein bissl wie eine Mama hier, leider ist sie letztes Jahr überraschend gestorben.

Menschen wie Roman, ein Mistkübler , wie die Mitarbeiter der MA48 in Wien liebevoll genannt werden, kommen gerne mal auf einen Kaffee herein. Während dem Interview klopft ein Fensterputzer und bietet seinen Dienst an. Hanna winkt für diesmal ab.

Ja, so ist das bei uns, lachen die beiden, Laufkundschaft haben wir nicht so viel, aber es ist schon immer was los hier. Es dürfte einige Airbnb – Wohnmöglichkeiten in der Nähe geben, denn manchmal stehen interessierte Touristen vor unserer Auslage.

Wohin geht ihr gerne essen? Zum Vietnamesen nebenan, XinChao, er liefert auch. Oder in die Pizzeria Volante.  Auf die wahnsinnig guten Gyoza von Edo Sushi auf der Gumpendorferstraße 92. Und ins Otto Bauer und gerne auch ins Café Jelinek.

Wien schmeckt nach...? Nach Knödel mit Ei (Hanna) und Schnitzel und Kartoffelsalat (Michael).

Wohin geht ihr gerne auf einen Absacker, wenn es mal später wird? Ins Elektro Gönner, in den Future Garden oder in die Hafenkneipe am Donaukanal.

Wo entspannt ihr euch? Im grünen Prater, auf der Donauinsel und auch gerne mal im Auer-Welsbach-Park vor dem Technischen Museum im 15. Bezirk.

Was macht Wien aus? Die Stadt hat genau die richtige Größe. Es ist irgendwie auch ein wenig proviniziell, die Trends kommen immer verspätet an bei uns. Und Wien hat eine starke kreative Szene, man hat das Gefühl, dass sich die Leute endlich aktiv vernetzen.

Nützt ihr das kulturelle Angebot in Wien? Ich gehe gerne auf Konzerte, z.B. in die Arena oder ins Chelsea, meint Hanna. Michael sieht sich gerne Fotoausstellungen an, besonders gerne im Kunsthaus Wien.

Was möchtet ihr Wien ausrichten? Wien, entspann dich. Und Taxler, bitte gewöhnt euch endlich daran, dass die Mariahilferstraße eine Begegnungszone ist!

www.revolog.net

Revolog

Image-Video von Florian Thamer

Nini Tschavoll
Nini fotografiert, schreibt und bloggt digital.
Mag aber auch analog noch immer.

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