Auf der Kippe an der Klippe

Wenn Beziehungen auseinander gehen, hat vermutlich jeder schon einmal Revue passieren lassen.

Ab wann der Wurm drin war, wo sich ein Riss auftat oder welche Sager und Situationen einem den Hinweis gegeben haben sollten, dass es eigentlich vorbei ist.

Genau so beginnt auch das Buch von Jan Christophersen: „Ein anständiger Mensch“ aus dem mare Verlag. Der Autor gliedert sein Buch in die zwei Teile „Davor“ und „Danach“.

Zunächst lässt sich die Geschichte wie die minutiöse Schilderung einer Beziehungskrise an.

 

Lang verheiratetes Paar, hatte mal eine offene Beziehung vereinbart und an einem Wochenende mit einem befreundeten Pärchen auf einer dänischen Insel wittert die Gattin des Anstands-Experten Steen Friis Morgenluft und eine Gelegenheit. Der Gatte ist studierter Philosoph und macht MadameWien während der Lektüre schmunzeln. In einer Zeit, in der die immer gleichen Philosophen, Psychologen und Wirtschaftsbosse ihre Kommentare abgeben und im TV auftreten, um uns aufzuklären, wie es läuft und was jetzt angezeigt wäre, glaubt man diesen Typ wieder zu erkennen.

Auch Steen Friis ist so einer, ein Intellektueller, ein Autor und gefragter Experte zum Thema Anstand und Moral. Doch im Laufe des Buches entdecken wir seine abgründige Seite. Der Kipp-Punkt mehrerer Leben umfasst aber viel mehr als nur einen Seitensprung. Dass Christophersen ein scharfer Beobachter von Medienmechanismen und Verlagswesen ist, macht das Buch für Leute aus der Branche doppelt unterhaltsam (Stichwort Der Spiegel, Home-Story und Hahnenkampf via Essay und Replik).


Ein anständiger Mensch
Jan Christophersen
mare Verlag 2019, 352 Seiten
24,70 Euro

Beitragsbild: © Mathias Bothor

Astrid Kuffner
Astrid ist Wienerin, Working Mum, Wählerin, wählerisch, mag Menschen, Worte und Wale.

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