Ein kleines Juwel in einer kleinen Straße

Romana Ledl fotografiert von Nini Tschavoll

Name Romana Ledl, geboren 1975 in Wien Floridsdorf, Beruf Buchhändlerin, wohnt in Wien Leopoldstadt.


Einen jahrelang gehegten Traum hat sich Romana Ledl in der aufblühenden Reindorfgasse im 15. Bezirk erfüllt. Seit Herbst 2016 steht sie täglich in ihrem neuen Reich, einem hübschen Geschäftslokal mit großen Schaufenstern und gemütlichen Fauteuils. Neben fachkundiger Beratung serviert sie ihren Kunden Kaffee und Kuchen zur Lektüre.

Das Buchsortiment ist klein und fein, was nicht lagernd ist, wird bestellt und alsbald geliefert. Das ist schön, denn die Abholung ist Grund für einen weiteren Besuch in der heimeligen Buchhandlung mit dem gemütlichen Kaminzimmer im hinteren Teil.

Hier fühlt sich Romana Ledl wohl, mehr zuhause noch als im 2. Bezirk, wo sie vor ein paar Jahren hingezogen ist. Aus den Jahren, in denen sie im 15. Bezirk lebte, hat sie hier noch viele Freunde. Für ihre Buchhandlung, die neben deutschsprachigen Klassikern, Neuerscheinungen „und ein bisschen von Allem“ auch BKS- (Bosnisch/Kroatisch/Serbisch) und türkischsprachige Bücher führt, fand sie hier die optimale Umgebung.

Sie selbst spricht BKS und ein klein wenig Türkisch. Ihre Mutter, die aus der Vojvodina in der heutigen Republik Serbien stammt, sprach mit ihr vorwiegend Deutsch, weswegen sie später als Erwachsene ihre Sprachkenntnisse vertiefte. Literatur war für Romana Ledl immer schon sehr wichtig. Sie studierte Germanistik, Theater- Film- und Medienwissenschaften und arbeitete im Literaturhaus in Wien. Für einige Jahre wechselte sie in die PR-Branche, bevor sie sich ganz ihrer Leidenschaft für gute Bücher widmete.

Besonders schön ist für sie, wenn ein türkisches Kind vor ihrem Schaufenster seiner Mutter einen türkischen Buchtitel vorliest und sich freut, dass es "Elmar der kleine Elefant" auch in seiner Muttersprache gibt. Oder über eine Frau aus Bosnien, zu Besuch in Wien, die hereinschneit und überschwänglich vor Begeisterung über das Angebot in BKS (Bosnisch/Kroatisch/Serbisch) gleich mehrere Bücher kauft.

Romana Ledl scheint ihre Berufung gefunden zu haben. Sie steht gut gelaunt in ihrem Geschäft und strahlt Ruhe aus. Es ist ihr gelungen, in der kleinen Reindorfgasse einen Wohlfühlort zu schaffen. Der Weg dorthin war kein Honiglecken, denn das Geschäft war in desolatem Zustand und musste komplett saniert werden, was sie in nur zwei Monaten bewerkstelligte. Nun ist alles so, wie es sein soll und die frischgebackene Buchhändlerin freut sich sehr über ihre interessierten Kunden.

Seit dem Sommer 2018 hat sie vor dem Geschäft einen kleinen Schanigarten, eine "Outdoor-Leseecke" eingerichtet. Dort wird nicht nur gelesen, sondern auch geplauscht. Für ihre KundInnen hat sie immer einen passenden Buchtipp parat. "Ich glaube, der persönliche Kontakt zu den Menschen macht es aus. Ich kann mit meinen Kunden reden, sie beraten. Das ist bei Onlinebestellungen nicht möglich. Ich finde es schön, eine Alternative zur Bestellung im Onlinehandel zu bieten. "

Wohin gehst du gerne essen? Bei mir um die Ecke am Schwendermarkt, zu Landkind. Oder ins Café Z. Ich hatte ein Phase, da habe ich meist am Freitag Nachmittag nach der Arbeit alle Konditoreien und Kaffeehäuser der Stadt durch probiert. Ich mag das Landtmann genauso wie das Café Jelinek oder das Ullmanns, wo es übrigens ein super Frühstück gibt. Auch im Augustin im 15. Bezirk war ich früher oft, ein sehr nettes Lokal.

Du hast ja eine Leidenschaft für Eis? Ja! Ich darf mit Fug und Recht behaupten, dass ich eine richtige Eis-Auskennerin bin. Ich kenne so gut wie alle Eisgeschäfte in Wien. Ich habe zu dem Thema auch einen Blog, der momentan aus Zeitknappheit aber nicht aktualisiert wird. Am allerbesten finde ich das Eis bei Ferrari Gelato in der Krugerstraße. Dann natürlich das Eis am Schwedenplatz, der Eissalon Tuchlauben ist auch grandios.
Das Eis der zwei Schelatos im 8. Bezirk ist spitze, die sind sehr kreativ. Unbedingt ans Herz legen möchte ich das Eiscafé Steiner im 21. Bezirk. Beim Eis ist nicht nur der Geschmack wichtig, es geht auch um die richtige Konsistenz, die Temperatur, die richtige Menge an Zucker... ich könnte stundenlang über Eis sprechen. Im Winter kompensiere ich übrigens mit Kuchen!

Wien schmeckt nach...? Apfelstrudel und Leberkässemmel

Welche Ausstellung hast du zuletzt gesehen? Hubert Scheibl im Belvedere, eine sehr gute Ausstellung. Und danach habe ich ebenfalls dort noch eine Biedermeier-Ausstellung angesehen, die war ebenfalls wahnsinnig interessant und hat mir eine neue Perspektive über diese Epoche eröffnet.

Wo kaufst du in der Stadt gerne ein? Ich mag Second Hand. Coole Mode gibt es auch bei meinen Nachbarn hier in der Reindorfgasse: Block 44 

Wo kannst du in Wien besonders gut entspannen? Bei einem weißen Spritzer in einem der vielen schönen Gastgärten Wiens, mit viel Grün rundherum.

Was läuft momentan auf deiner Playlist? Vampire Weekend, im Geschäft auch Jazz, das macht eine entspannte Atmosphäre.

Hast du ein Lieblingsbuch? “Das Walnusshaus“ von Miljenko Jergovic, ich empfehle es sehr!

Nini Tschavoll
Nini fotografiert, schreibt und bloggt digital.
Mag aber auch analog noch immer.