Geht nicht, gibt’s nicht

Marijana Stoisits fotografiert von Nini Tschavoll

Name Marijana Stoisits, geboren 1960 in Stinatz, 
Beruf Geschäftsführerin der Vienna Film Commission, wohnt in Wien Landstraße.

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Wenn man im Laufe einer Karriere so viele interessante Jobs wie Marijana Stoisits ausgeübt hat, ist das schwer zu toppen. Sie war freie Mitarbeiterin des NDR, drehte einen Kinodokumentarfilm, arbeitete fünfzehn Jahre als Moderatorin und Redaktionsleiterin bei Spiegel-TV in Hamburg, später für ebendieses in Wien als Büroleiterin. Doch es sollte noch besser kommen: 2009 bewarb sich Marijana Stoisits für die Geschäftsführung der Vienna Film Commission und bekam die Möglichkeit, deren Aufbau von Anfang an zu gestalten. Inzwischen ist die VFC eine Institution geworden, die der Stadt Wien jährlich Millionenumsätze beschert.

Nationale und internationale Filmproduktionsfirmen rufen bei Marijana Stoisits an, wenn sie auf der Suche nach geeigneten Drehorten für ihre Filme sind. Eine online-Fotomotiv-Datenbank zeigt die schönsten und interessantesten Seiten der Stadt: vom Gemeindebau bis zum Hotel Imperial, vom Krapfenwaldbad über die Pferderennbahn bis hinaus zur Kläranlage Simmering kann vieles über die Vienna Film Commission gebucht werden.

Direkt zuständig ist die Vienna Film Commission für alle Drehgenehmigungen im Zuständigkeitsbereich des Wiener Magistrats. „Service und direkter Kontakt wird großgeschrieben bei uns“, meint Marijana Stoisits, „es geht viel ums Kommunizieren und um das Wissen, mit wem man bei welchem Anliegen reden muss. Jemand mit Berührungsängsten wäre in meinem Job fehl am Platz“, lacht die lösungsorientierte Vollblut-Netzwerkerin. Das bezeugen die vielen Schnappschüsse in ihrem Büro, auf denen sie gemeinsam mit Hollywoodgrößen wie Billy Wilder, Eric Pleskow oder Christopher McQuarrie zu sehen ist.

Die bislang größte Produktion, die sie mit ihrem Team nach Wien bringen konnte, waren „Mission: Impossible – Rogue Nation“ mit Tom Cruise von Christopher McQuarrie und „Woman in Gold“ von Simon Curtis, mit Helen Mirren und Ryan Reynolds. „Die großen Produktionsfirmen wollen für ein paar Drehtage keinen lokalen Produktionspartner ins Boot holen und sind froh, wenn wir ihnen Serviceproduktionen vor Ort nennen können und sie beim Dreh unterstützen.“

Wenn Marijana Stoisits es erst einmal geschafft hat, die Location-Scouts nach Wien zu bringen, sind diese so gut wie immer begeistert und finden, dass „Vienna one of their favourite cities in the world“ sei.

Die persönliche Betreuung und die Fähigkeit genau hinzuhören, um die Bedürfnisse der Filmschaffenden zu erkennen, sind ursächlich für den Erfolg von Marijana Stoisits. Wenn „etwas nicht geht“, ist ihr Ehrgeiz geweckt, dann bleibt sie dran, bis sich etwas bewegt.

Der Filmförderetat (FISA) des Wirtschaftsministeriums bedeutet Investitionen, die sich rechnen. Sie waren ausschlaggebend dafür, dass der Filmgigant Paramount mit Mission: Impossible zehn Tage lang in der Stadt produzierte und am Ende vier Millionen Euro da ließ. Aus drei geplanten Drehtagen für den Film Woman in Gold wurden drei Wochen, auch hier konnten schlussendlich Einnahmen von 2,5 Millionen Euro lukriert werden. Wünschenswert wäre laut Marijana Stoisits eine Erhöhung der jährlichen FISA Fördersumme für ausländische Produktionen, um international als Wirtschaftsstandort im Filmgeschäft mithalten zu können.

Beim besser gefüllten Filmfördertopf der Stadt Wien sind ausschließlich österreichische oder österreichisch-internationale Koproduktionen förderberechtigt. Marijana Stoisits, die 2016 in den Vorstand der Association of Film Comissioners International wiedergewählt wurde, ist es deshalb ein großes Anliegen, dass die Stadt Wien einen zusätzlichen Topf für internationale Produktionen zur Verfügung stellt, um die großen Studios und Indies nach Wien zu locken. „Das ist eines meiner mittelfristigen Ziele, denn es würde sich total rechnen. In sämtlichen Nachbarländern wird es so gehandhabt. Fördergelder werden nur ausbezahlt, wenn vier mal so viel Geld in der Stadt investiert wird. Noch gar nicht eingerechnet ist der Werbewert, wenn Wien in den internationalen Filmen vorkommt. Der ist unbezahlbar!“

Wann immer Marijana Stoisits von einer ihrer zahlreichen Auslandsreisen zurückkommt, freut sie sich auf zu Hause. „Wien ist wunderbar und bietet eine außerordentlich hohe Lebensqualität. Ich komme vom Land, bin aber zur echten Stadtpflanze geworden“, schmunzelt die geborene Burgenland-Kroatin. „Wien ist auch eine sehr gut verwaltete Stadt. Meine Besucher, insbesondere aus den USA, sind immer wieder erstaunt darüber, für wie wenig Geld man in Wien öffentliche Verkehrsmittel benutzen kann, dass Kinder kostenfrei gute Schulen besuchen können oder wie hervorragend die Versorgung mit öffentlichen Krankenhäusern ist.“

Was liebst du noch an Wien? Die Jahreszeiten. Hier ist der Sommer wunderbar, das Draußensitzen! Ich mag aber auch den Winter und den Schnee.

Wien schmeckt nach? Für mich ist Wien süß, herb und salzig. Die volle Frucht!

Wo isst du gerne, wenn’s mittags schnell gehen soll? Im Cafe Engländer.

Wo feierst du gerne mit Familie und Freunden? Wir feiern am liebsten zu Hause. Im Sommer auch mal im grünen Prater.

Wohin gehst du aus, wenn du einmal keine offiziellen Abendtermine hast? Ins Anzengruber, in die Filmbar im Filmmuseum oder in die Bonbonniere, eine originelle Bar mit Klaviermusik.

Christopher McQuarrie und Marijana Stoisits

Eric Pleskow und Marijana Stoisits

Wo entspannst du dich? Im Wienerwald und in den Weingärten rund um Wien. Und beim Flanieren in der Inneren Stadt. Ich spaziere gerne mit Kindern und Nachbarn von mir zu Hause quer durch den Stadtpark zum Luegerplatz auf ein Eis!

Wo shoppst du gerne? Beim Müller. Ich nähe gerne, wenn ich die Ruhe dazu habe. Flicke das Gewand meiner zwei Kinder, nähe auch gerne mal ein Kopfkissen, Vorhänge usw. Und ich gehe gerne in alte Drogerien, wie etwa die in der Theobaldgasse. Oder zum Eisenwarenhändler in der Neulinggasse. Da finde ich die Dinge, die es sonst nirgendwo mehr gibt. Und ich gehe gerne in Baumärkte!

Für welche Mode kannst du dich begeistern? Ich mag den Stil von Susanne Bisovsky, da gefällt mir einfach alles. Und ich mag witzige, lässige Schuhe.

Welches Konzert hast du zuletzt besucht? Patty Smith bei der Viennale 2016. Toll war auch Burt Bacharach beim Jazzfest Wien in der Wiener Staatsoper. 

Im Kino bist du ja wohl öfter? Ja, ich sehe mir berufsbedingt sehr viele österreichische Premieren an. Langfilme, Kurzfilme, alles was mir interessant erscheint. Ich mag aber auch Actionfilme und Blockbuster.

Gehst du gerne in Museen? Ja, sehr gerne, immer wieder ins KHM, ins Wien Museum oder auch in Galerien.

Für welchen Verein schlägt dein Herz? Für Ärzte ohne Grenzen. Beim FC Gloria bin ich auch Mitglied.

Welchen Ort magst du besonders gerne in der Stadt? Den Schwarzenbergplatz mit dem Hochstrahlbrunnen, den Zentralfriedhof – ich mag alle Orte, die ich mit dem Fahrrad erreichen kann. Ich bin passionierte Radfahrerin an 365 Tagen im Jahr und genieße es, kreuz und quer durch die Stadt zu radeln und sie immer wieder neu zu erkunden.

Nini Tschavoll
Nini fotografiert, schreibt und bloggt digital.
Mag aber auch analog noch immer.