Homohalal

Foto: Yasmina Haddad

Ibrahim Amirs Stück „Homohalal“ wurde 2016 am Volkstheater bereits vor der Erstaufführung aus dem Programm genommen. Die Bedenken, es zur aktuellen Migrationsdebatte zu bringen, waren zu groß. Doch am Stadtrand traut man sich mehr, seit 2018 wird es mit großem Erfolg im Meidlinger Werk x aufgeführt.

Ali M. Abdullah inszeniert mit seinem grandiosen Ensemble eine Komödie, deren Handlung im Jahr 2037 angesetzt ist. Interkulturelle Paare kommen anläßlich einer Trauerfeier zusammen und blicken zurück auf das Schlüsseljahr 2015. Das Zusammentreffen lässt zuerst euphorische Stimmung aufkommen. Man schwelgt in Erinnerungen an aufregende Zeiten. In der rosaroten Rückblende werden die kleinen Erfolge der vergangenen Jahrzehnte zum großen Sieg einer ganzen Bewegung.

Sie alle hatten sich damals im Flüchtlingscamp in der später von der Exekutive geräumten Votivkirche kennengelernt. Die Trauergesellschaft blickt zurück auf die Regierungsbildung im Jahr 2018 und auf die darauf folgende Eskalation zwischen Rechtsradikalen und der eigenen gewaltbereiten Widerstandsbewegung.

© Yasmina Haddad

Ibrahim Amir zeigt die Menschen auf der Bühne nicht als Opfer, vielmehr als das was wir alle sind: Menschen mit Schwächen, opportunistisch, gemein, aggressiv, auf den eigenen Vorteil bedacht, homophob und ja, auch rückwärts gerichtet.

Dass die ehemaligen Asylwerber es geschafft haben, symbolisiert das in seiner Schlichtheit geniale Bühnenbild von Renato Utz: Die angebliche Trauerfeier, die sich später in eine ganz andere Richtung als gedacht entwickelt, findet an einem Swimmingpool statt.

Jetzt ist es an ihnen, die sie es geschafft haben, ihr Leben im verdienten Wohlstand zu verteidigen. Es ist, als sähe der Zuschauer tief in den Spiegel unserer Gesellschaft.

© MadameWien

Die außergewöhnlich performative Schauspieltruppe ist sowohl räumlich als auch energetisch aufs Heftigste präsent, keine Sekunde reisst der zum Publikum gespannte Faden.

Dass der Raum wegen der vielen freiwilligen und unfreiwilligen Badegänge der handelnden Personen warm bis überheizt ist, trägt ebenfalls zum tiefen Eintauchen ins Geschehen bei. So treiben die hitzigen Wortgefechte auch den Zusehern die Schweißperlen auf die Stirn.


Inszenierung:  Ali M. Abdullah
Bühne und Kostüm:  Renato Uz
Dramaturgie: Arthur Werner, Hannah Lioba Egenolf
Licht: Alexander Suchy

Mit: Constanze Passin,  Stephanie K. Schreiter,  Bettina Schwarz,  Christoph Griesser,  Johnny Mhanna,  Daniel Wagner


Die nächsten Aufführungen:
Do 11.04.2019, 19.30 Uhr
Fr 12.04.2019, 19.30 Uhr

Karten: WERK X

Nini Tschavoll
Nini fotografiert, schreibt und bloggt digital.
Mag aber auch analog noch immer.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.