Ich liebe die Wiener Wörter

Laura Wolfsteiner fotografiert von Nini Tschavoll

Name: Laura Wolfsteiner, geboren 1990 in Linz, Beruf: Künstlerin, wohnt in Wien Hernals.


Der Start im Herbst 2008 in Wien war für Laura Wolfsteiner recht abrupt. Die Entscheidung, in Wien zu studieren, kam erst ein paar Wochen vor Semesterbeginn, ebenfalls überraschend die Aufnahme an der Angewandten. Sie studierte Transmediale Kunst bei Brigitte Kowanz und absolvierte ein Auslandssemster bei der Bildhauerin Christiane Möbus in Berlin. Nach Aufenthalten in London und New York wurde sie vor ein paar Jahren im siebzehnten Bezirk sesshaft. Wobei, so ganz sesshaft ist die quirlige Künstlerin mit den oberösterreichischen Wurzeln in Wien dann doch nicht. Vor einigen Jahren bekam sie von der Familie ein altes Bauernhaus in Aschach an der Donau, wo sie sich ab und an handwerklich austobt.

Ihre Kreativität lebt sie da wie dort aus, je nachdem, an was gerade gearbeitet wird. Digitale Arbeiten werden im lichtdurchfluteten, hellen Wohnatelier, ihrem „kreativen Adlerhorst“ über den Dächern von Hernals gemacht, für größere Werke fährt sie immer wieder ein paar Tage aufs Land. Dass Laura Wolfsteiner einen Sinn für das Schöne hat, erschließt sich bereits beim ersten Rundumblick in ihrer Atelierwohnung. Und weil sie gerne schön wohnt, bot sich als Thema für ihre Diplomprüfung „A Translation Of A Room“ gerade zu an. Sie übersetzte ihre Möbel und bildetet neue Werkstücke als eine Essenz der wesentlichsten Eigenschaften ihrer Einrichtungsgegenstände.

Nach dem Diplom begann sie ein weiteres Studium zum Industrial Designer bei Paolo Piva und beteiligte sie sich mit anderen Designstudenten an einer Aktion der WKO.
Ihr Beitrag zum Thema „Wiener Souvenirs“ bestand aus Postkarten mit typischen Wiener Dialekt-Redensarten. Von „die Krot´schlucken“ über „si in Hoizpyjama hauen“ bis „da Huat brennt“ decken die handwerklich gut ausgeführten Karten viele der bekanntesten Wiener „Sprüche“ ab. Eine Ausstellung im Wienmuseum war der krönende Abschluss des Wettbewerbs.

Eine Initative, die Laura Wolfsteiner besonders am Herzen liegt, ist das IFEK (Institut für erweiterte Kunst) in Linz. Dessen nur 94 cm hoher und ca. 15 m langer Kunstraum „Bilgensau Artspace“ befindet sich auf dem stillgelegten Schiff „Salonschiff Fräulein Florentine“ im Frachtraum. Hier kriecht der Besucher regelrecht durch die Ausstellungen. „Das Motto der ersten Ausstellung war „It´s a dark Place, but we should go there“ und stieß auf enormes Publikumsinteresse. „Und das, obwohl das Krabbeln für die Vernissagen-Besucher eine echte Zumutung war“, lacht die Künstlerin. Das Schiffsbesatzung besteht übrigens vorwiegend aus Künstlern.

Wo fühlst du dich in Wien am wohlsten?
Ich bin irgendwie dauernd im 17. und im 16. Bezirk unterwegs. Das Grätzel um meine Wohnung kenne ich relativ genau, ich bekomme hier fast alles, was ich brauche. Und ich kann in der Jogginghose zum Bäcker gehen. Ich mag das Vorstädtische hier, wohne in unmittelbarer Nähe zu Manner, Ottakringer und Meinl. Unten im Haus ist ein Callshop, da ging ich früher immer zum Ausdrucken hin, das war irgendwie schräg, aber ich mag den Kontakt zu den Leuten. Zuviel „hip“ mag ich gar nicht. Auch Ausgehen ist mir am liebsten hier in der Gegend.

 Wohin gehst du besonders gerne? Zum unprätentiösen Brandstetter. Das Publikum ist dort sehr gemischt, durch alle Gesellschaftsklassen. Daneben ist die Straßenbahnremise, darum sitzen die Straßenbahner nach ihrem Dienst genau so dort wie Studenten und sogenannte Ur-Wiener aus der Gegend.
Dann mag ich das  Jetzt, das Cafe Z , und ganz lässig finde ich das Weinhaus Arlt . Und im Weinhaus Sittl kehre ich auch ab und zu ein. Ich mag es einfach urig. Meine erste Wohnung war über dem legendären Gasthaus Schilling im siebten Bezirk, ich glaube, seit damals brauche das irgendwie.

Wohin führst du deinen Besuch zum Essen aus? Ins Gasthaus Schilling

Wo sackst du ab, wenn es mal spät wird?  Im Alt Wien, im Celeste  oder bei mir um die Ecke, die Bar heißt auch „Bei mir“ 

Wo entpannst du dich in der Stadt? Im Café Jelinek oder im Schwarzenbergpark. Meine Spazier-Runde geht die Alszeile hinauf in die Weinberge, bis zum Schafberg. Dort hat man an einen Superblick über die Stadt.

Gehst du gerne ins Theater? Ja sehr gerne! Das letzte Stück, das mir besonders gefallen hat, war „Hose Fahrrad Frau“, das ein Freund von mir, Stefan Wipplinger, für das Volkstheater inszeniert hat.

Gehst du auch gerne ins Kino? Ja, aber wenn man aus Linz kommt, ist man sehr verwöhnt, was Kino betrifft. Linz hat eine tolle Programm-Kino-Szene, Festivals usw. In Wien gehe ich am allerliebsten in das wunderschöne Admiral- Kino in der Burggasse.

Wohin gehst du gerne einkaufen? Mein absolutes Lieblingsgeschäft ist die Sellerie in der Burggasse. Und dann mag ich sehr gerne das Volta im neunten Bezirk, ein wirklich schöner Concept Store. Brillen kaufe ich bei der Brillenmanufaktur, Schuhe bei Shu in der Neubaugasse. Und mein absoluter Lieblingsblumenladen ist Blumenkraft in der Schleifmühlgasse.

Nini Tschavoll
Nini fotografiert, schreibt und bloggt digital.
Mag aber auch analog noch immer.