Ich sehe mir keine Krimis an

Ina Schwarz fotografiert von Nini Tschavoll

Name Ina Schwarz, geboren 1974 in Lienz, aufgewachsen in Reisach im Gailtal, Beruf Kriminalbeamtin, wohnt in Wien Leopoldstadt.


Gelassen, überlegt und nicht aus der Ruhe zu bringen. Diesen Eindruck gewinnt man von der Wiener Kriminalbeamtin Ina Schwarz, sobald man ihr gegenüber sitzt. Hätte man, aus welchem Grund auch immer, einen strafrechtlichen Konflikt, möchte man auf sie als Hüterin des Gesetzes treffen.

Nach der Matura wollte Ina Schwarz auf jeden Fall in einer großen Stadt leben. Sie fuhr nach Wien und inskribierte an der Uni. Etwa zur selben Zeit stieß sie auf ein Inserat der Polizei, die Personal suchte. Aus Neugierde trat sie zur Aufnahmeprüfung an, bestand und tauschte kurzerhand Studienplatz gegen Polizeischulbank.

Die erste Zeit während der Ausbildung verbrachte sie auf einer Polizeiinspektion im 10. Bezirk, bevor sie nach der Dienstprüfung in die Billrothstraße im 19. Bezirk wechselte. Von dort aus ging es auf die Polizeiinspektion Hohe Warte, wo Ina Schwarz bis heute ihren Dienst verrichtet. 17 Jahre davon in Uniform, bevor sie sich vor fünf Jahren beruflich veränderte. Seither arbeitet sie als Kriminalsachbearbeiterin und ist mit einem zweiten Kollegen in ihrem Rayon für Strafrecht zuständig. Von Diebstahl über Körperverletzung, Betrugsdelikte und Einbrüche bis zu Gewaltdelikten und Internetkriminalität reicht ihr Einsatzbereich. Auf ihrem Tisch landen Anzeigen, genauso ist sie zuständig für Erhebungen oder Täterausforschungen.

Oft geht Ina Schwarz auch selbst an die Tatorte, um die Fäden, die für eine Erhebung notwendig sind, zusammenzuführen und zu protokollieren. Sie ist eine der Verbindungsstellen zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft. „So wie bei der Fernsehserie ,Tatort‘ läuft es aber nicht“ meint sie, „deswegen schaue ich mir auch selten Krimis an, da muss ich zu oft den Kopf schütteln.
Die Fälle mögen schon in der einen oder anderen Weise so vorkommen, die reale Polizeiarbeit aber funktioniert anders. Im echten Ablauf dauert alles viel länger. Eine Telefonüberwachung zu beantragen funktioniert im Film immer zackig, in Wahrheit ist das aber nicht so einfach. Die Film-Fälle sind viel zu groß angelegt für nur einen oder zwei ermittelnde Kommissare. Der Personalaufwand und die Kleinarbeit sind in der Realität viel größer.“

In schwierigen Situationen bewahrt Ina Schwarz stets die Ruhe. Was für sie immer wieder herausfordernd ist, sind Einsätze bei Gewalt in der Familie. Wird die Polizei gerufen, muss diese vor Ort klären, ob eine Wegweisung des Gewalttäters erforderlich ist. „Das verlangt einem viel Einfühlungsvermögen ab, denn man kommt in Familiengefüge, die oft schon seit vielen Jahren so bestehen und muss Entscheidung mit schwerwiegenden Konsequenzen treffen“, meint die Polizistin ernst.
„Es ist manchmal nicht einfach, die eigenen Emotionen in solchen Situationen hintan zu halten. Wir versuchen, möglichst objektiv zu sein und hören uns alle Seiten an, um die richtige Entscheidung zu treffen. Immerhin darf die Polizei in gewissen Fällen Betretungsverbote aussprechen oder einen Verdächtigen verhaften. Das kann ein enormer Einschnitt in die Leben der involvierten Personen bedeuten.“

Trotzdem übt Ina Schwarz ihren Beruf gerne aus, denn sie kommt tagtäglich mit vielen verschiedenen Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten zusammen. Die meiste Zeit arbeitet sie in zivil, manche Situationen erfordern jedoch das Tragen der Uniform.

Subjektiv empfindet sie ihren Beruf nicht als ungefährlich. „Wird man in eine Wohnung gerufen, ist immer höchste Vorsicht geboten, da man nicht weiß, ob die Situation eskalieren wird. Das Gefühl der Angst sehe ich grundsätzlich nicht negativ, denn sie kann das eigene Leben schützen. Ich lasse Angst bei mir zu, wenn ich ein mulmiges Gefühl habe, das macht mich vorsichtiger. Manchmal empfinde ich meinen Beruf auch als schwierig. Es gibt Tage, da ist man Psychologin, Therapeutin und Kindergärtnerin zugleich. Die Polizei ist ja eigentlich nur für die ersten Maßnahmen, für das Strafrechtliche zuständig“, erzählt sie aus ihrem Arbeitsalltag.

„Bei Gewalt in der Familie verständigen wir die sehr gut arbeitende Wiener Interventionsstelle, die in der Folge die Opfer betreut. Es gibt auch bei der Polizei eine Stelle, die sowohl mit den Opfern als auch mit den mutmaßlichen Gefährdern spricht, um ihnen ihre Möglichkeiten in der Konfliktsituation zu erklären.“

Privat, meint Ina Schwarz, habe sie kaum Freunde aus dem beruflichen Umfeld. Das mache es leichter, in der Freizeit abzuschalten.

Arbeitest du gerne im 19. Bezirk? Ja, ich verrichte meinen Dienst schon viele Jahre dort, und kenne den Bezirk sehr gut. Die Arbeitsbelastung ist unterschiedlich. Manchmal ist es eher ruhig, dann gibt es Tage, an denen sehr viel passiert und es stressig wird.

Wird mehr eingebrochen in Wien als früher? Nein, ich habe auch subjektiv nicht den Eindruck. Eine Häufung ist jedoch im Bereich Cyberkriminalität erkennbar.

Du wohnst im 2. Bezirk. Was gefällt dir dort? Ich wohne in der Nähe des Praters. Da ich sportlich bin, nutze ich den grünen Prater mehrmals die Woche zum Laufen. Zum Gänsehäufel ist es auch nicht weit, dort bin ich im Sommer sehr gerne zum Schwimmen. Und ich mag die Szene am sommerlichen Donaukanal, das kann man alles mit dem Fahrrad machen.

Hast du einen Nahversorger? Ich kaufe sehr viel beim Burgenländer am Rudolf-Bednar-Park ein. Da gibt’s auch guten Wein. Auch zum Vorgartenmarkt schau ich öfter.

Wo gehst du gerne shoppen? Zu den webandits. Oder jetzt am Wochenende hat der Wunderl am Karmelitermarkt einen Pop-up-Store, da schau ich hin.

Wohin gehst du gerne essen? Ich geh prinzipell sehr gerne auswärts essen. Ich mag das Ramien im 6. Bezirk. Oder die Garage am Radetzkyplatz. Im Sommer besuche ich oft die Hafenkneipe am Donaukanal.

Was liest du? Vorwiegend Sachbücher und natürlich wöchentlich den Falter.

Wo feierst du mit deinen Freunden? Am liebsten beim Heurigen Zawodsky im 19. Bezirk.

Wien schmeckt nach … Grünem Veltliner.

Welchen guten Film möchtest du uns empfehlen? Vor der Morgenröte“ mit Josef Hader, ein wunderbarer Film.

Was läuft momentan auf deiner Playlist? Nada Surf, Wanda, Slow Club und die Wiener Indie-Band Well.

Eine denkwürdige Nacht in Wien? Ich habe vor vielen Jahren einmal beim Volksgartenpavillon nächtelang Boccia gespielt und fast den ganzen Sommer dort verbracht. Ich mag Wien einfach, die Stadt ist sehr vielfältig.

Nini Tschavoll
Nini fotografiert, schreibt und bloggt digital.
Mag aber auch analog noch immer.