Ich wollte schon als Kind in Wien leben

Elke Winkens fotografiert von Klaus Vyhnalek

Name Elke Winkens, geboren 1970 in Linnich (D), Beruf Schauspielerin und Entertainerin, wohnt in Wien Mariahilf.


Als sich Elke Winkens für unseren Fotografen todesmutig wie Catwoman auf den Kamin­vor­sprung ihrer Dachterrasse schwingt, bleibt uns kurz das Herz stehen. Sie selbst winkt nur beruhigend ab, immerhin ist die Frau durchtrainiert und offenbar furchtlos, was große Höhe betrifft. Elke Winkens hat sich immer schon gerne bewegt. Schon mit sechs Jahren bekam sie ihren ersten Ballettunterricht, am Theater an der Wien schloss sie ihre Ausbildung in Schauspiel und Tanz ab.

Mit 21 zog es sie nach drei Jahren London nach Wien. Schon bald nach der Ausbildung an der Vienna Musical School kamen die ersten Engagements: Sie spielte Linda in „Die kranken Schwestern“ und war Protagonistin in der ORF- Sendungsreihe „One“, die ihr gefährliche Stunts abverlangte. Nach dem Kinofilm „Helden in Tirol“ von Regisseur Niki List erlangte Elke Winkens bald noch größere Bekanntheit mit ihrer Rolle als Kollegin von „Komissar Rex“.  

Und auch der Playboy fragte für ein Fotoshooting an und sie sagte zu. „Ich bereue das nicht, würde es aber heute nicht mehr machen“, sagt Elke Winkens, als sie auf der Terrasse wieder festen Boden unter den Füßen hat.

Überhaupt, die zierliche mal Blonde, mal Brünette, war über viele Jahre dauerpräsent in Österreich. Zu den zahlreichen Fernsehrollen und Show-Einladungen kamen auch immer wieder Moderationsaufträge. Der Ritterschlag war 2009 die Moderation des Opernballs, was ihr als sehr anstrengend in Erinnerung ist. Mehr Spaß machte ihr, im selben Jahr den Lifeball zu moderieren, mit Dirk Bach als kongenialem Partner.

Seit 2013 macht Elke Winkens auch Kabarett. Ihr zweites Programm „Putz di“ ist 2017 noch einige Male zu sehen, bevor sie im Oktober mit dem dritten und neuen Programm „Mister und Missverständnis“ auf die Bühne geht. „Es wird darin um Missverständnisse auf allen Ebenen gehen“, erzählt sie zwinkernd, mehr sei noch nicht verraten. 

Elke Winkens liebt Wien. In einem längst vergessenen Tagebuch aus ihrer Kindheit fand sie kürzlich einen Eintrag, den sie im Alter von zwölf Jahren gemacht hatte: Damals schon wollte sie nach einem Kurzaufenthalt mit ihren Eltern „später als Erwachsene einmal in Wien leben.“

Aus beruflichen Gründen hatte sie jahrelang auch eine Wohnung in Berlin. Nun ist sie aber ganz angekommen in Wien, in der gemütlichen Dachwohnung mit Blick auf das Haus des Meeres und den schönen Esterhazypark. Die Frau, die seit über zwei Jahrzehnten mal mehr, mal weniger im Rampenlicht steht, wirkt entspannt, überlegt und souverän.

An was sie sich nicht gewöhnen mag, ist die anfängliche Abwehrhaltung vieler Stadtbewohner bei Gesprächsanbahnungen in Kaffeehäusern, Geschäften oder auf der Straße. „Bevor ich es nicht geschafft habe, zumindest drei mal am Tag ein Lächeln zurückzubekommen, gebe ich mich nicht zufrieden“, meint die kommunikative Entertainerin.

„Ich will mit den Leuten reden, ich liebe es zu kommunizieren, Lebensfreude auszustrahlen und diese zurückzubekommen. Die Leute sollen nicht in ihre Teller und Smartphones schauen in den Restaurants, sie sollen am sozialen Leben teilnehmen, miteinander reden. Ich habe da keine Vorbehalte und freue mich einfach immer, wenn etwas Nettes zurückkommt. Ganz egal, ob das der Schuster ist oder der Augustin-Verkäufer. Jeder hat doch was zu sagen!“ So geht sie also durch die Stadt, die Wahlwienerin, die sich hier längst verwurzelt fühlt.

Wohin gehst du gerne essen? Wenn es mal ganz schnell gehen soll, gehe ich zu Chimbiss bei mir an der Ecke. Die haben ein super Essen. Ansonsten lieben wir es, zu Hause zu kochen. Wir haben eine große Verwandtschaft, besonders der schwedische Teil davon kommt immer gleich in großer Zahl. Da tischen wir dann auf, ich bekoche alle. Das liebe ich.

Wonach schmeckt Wien? Nach Gugelhupf!

Wenn es mal spät wird, wohin gehst du auf einen Absacker? Ins Barflys, eine der ältesten Bars in Wien. Wenn ich mir schon mal einen Cocktail gönne, dann muss er auch richtig gut sein. Den gibt’s übrigens auch in der Loos Bar.

Wo kaufst du ein? Ich shoppe gar nicht gerne. Eher noch, wenn ich reise. In Wien gehe ich zu Lischka, Basics hole ich mir auch bei den bekannten großen Ketten.

Wo entspannst du dich in Wien? An der alten Donau. Ich fahre aber auch oft ins Burgenland oder nach Salzburg im Sommer.

Wann warst du zuletzt im Theater? Gerade kürzlich. Ich habe ein Abo am Theater an der Wien. Da spielen die so großartige Stücke! Und ich mache jedes Jahr Festwochen-Marathon! Letztes Mal habe ich 16 Produktionen gesehen, Wahnsinn!

Magst du Museen? Ja, sehr gerne die Albertina. Ansonsten auch die kleinen Galerien. Die Arbeiten von Eve Joy Patzak finde ich wunderbar.

Hast du einen Lieblingsverein in Wien? Das Freunde Schützen Haus, für die setze ich mich immer wieder gerne ein.

Dein beruflicher Ausblick auf 2017 ? Ich arbeite an meinem neuen Programm, mit dem ich im Herbst 2017 los starte.

Und ich schreibe an meiner Biografie, die noch 2017 im Almalthea Verlag erscheinen wird. Meine Kindheit war nicht lustig. Es ist eine krasse und tragische Geschichte, bis ich mit sechzehn zu meinen Adoptiveltern gekommen bin. Für mich ist das ein Riesenschritt, damit rauszugehen. Ich habe mich eine Zeit lang zurück gezogen und so endlich die Ruhe und damit die Kraft dafür gefunden, zu schreiben.

Ich habe von meiner Kindheit an getanzt, kannte nur die Bühne, die Arbeit, die Öffentlichkeit, ich war wie ein Zirkuspferd. Irgendwann merkst du, dass die Leute an der Kassa in deinen Einkaufskorb starren und dass du kein Privatleben hast, wenn du es dir nicht strikt erkämpfst. Früher kannte ich keine Grenzen zwischen öffentlichem und Privatleben. Das war nicht immer gut für mich. Mittlerweile kann ich das steuern.

Klaus Vyhnalek
Klaus lebt in und um Wien, mag Menschen und fotografiert (sie) gerne. Seit 1984.
Nini Tschavoll
Nini fotografiert, schreibt und bloggt digital.
Mag aber auch analog noch immer.