Manchmal sind Mauern auch ganz gut

Wotruba Kirche am Georgenberg in Wien Mauer

Heute endlich wieder Lieblingsspaziergang, freut sich der Hund. Raus aus der Stadt und doch noch immer Stadtgebiet, das ist Wien Mauer. Am besten beginnt man den allerschönsten Spaziergang am Georgenberg direkt von der Wotruba-Kirche weg. Die ist monumental und spannend, erbaut vom österreichischen Architekten Fritz Gerhard Mayr nach den Vorgaben des großen Bildhauers Fritz Wotruba.

„Sie steht am Rand der Großstadt auf dem Georgenberg in Wien Mauer, in einem Teil des 23. Bezirkes, auf dem während der Kriegsjahre eine Kaserne errichtet war", beschreibt die Pfarre ihre Kirche „Zur Dreifaltigkeit“. Weiters heißt es „Wotruba wollte etwas gestalten, das zeigt, dass Armut nicht hässlich sein muss, dass Entsagen in einer Umgebung sein kann, die trotz größter Einfachheit schön ist und auch glücklich macht". 

Schön, erinnert direkt an Karl Heinrich Waggerls „Fröhliche Armut“, aber das ist eine andere Geschichte und eine andere Epoche und das mit dem Glücklichsein in Armut ist wohl auch nicht immer so einfach. Entstanden ist die Kirche übrigens auf die Initative der interessanten Frau Dr. Margarethe Ottillinger, die die erste OMV Vorstandsdirektorin war und ein bewegtes Leben führte.

Zum Bauwerk an sich gäbe es viel zu sagen, z.B. dass die Kirche aus 152 rohen Betonblöcken zusammen gesetzt ist. Im Innenraum herrscht eine ausnehmend angenehme Atmosphäre, durch die großen Fenster kommt reichlich Licht ins Innere, was allein schon eher eine Seltenheit bei Kircheninnenräumen darstellt.

Hinein darf der Hund aber sowieso nicht, daher drängt er voller Tatendrang mit Nachdruck aufs Weitergehen.

Nur wenige Meter durchs Gebüsch hinter der Kirche befindet sich schon wieder Hochinteressantes für die Zweibeiner: das Freiluft-Planetarium am Georgenberg. Auf der Tafel ist zu lesen: Es handelt sich um einen Beobachtungsplatz am Wiener Stadtrand mit bestmöglichen Sicht –und Zugangsbedingungen, um die obere Hälfte unserer Umwelt mit ihren Vorgängen wieder selbst erlebbar zu machen – besonders mit freiem Auge.

Interessant und doch etwas unverständlich, daher sollten die Zweibeiner wohl endlich einmal an einer der angebotenen Führungen teilnehmen, die der Österreichische Astronomische Verein anbietet. Man erfährt dann vielleicht mehr über die  „bürgerliche“ Dämmerung, von der nicht nur der Hund das erste Mal liest.

Weiter geht’s über die saftigen Wiesen, den Hügel hinunter und rechts Richtung Pappelteich. Vorbei an den schönen Spielplätzen, an der wilden Fußballwiese.

Zwischenstop "Goal-Posing", muss leider sein. Ich mach mich doch gut, so als vierpfotiger Goalie, denkt Tormann Rossi, der Bälle für gewöhnlich mit dem Maul stoppt, was für den Ball oft nicht gut endet.

Ein paar Meter weiter befindet sich der Pappelteich, wo es im Frühling schon recht wüst ab geht, Stichwort Vermehrung. Der Hund findet das Gequake ganz interessant und schaut ein wenig zu, was sich da alles so tummelt und befummelt im Wasser.

Feiger Hund beschließt erst mal, lieber im Trockenen zu bleiben. Der Pappelteich ist ein regelrechtes Biotop, behübscht von wilden Seerosen, die das unstete Leben der verschiedenen Amphibien ein wenig abschirmen. Es summt, es surrt, in der Nähe hat jemand ein Insektenhotel aufgestellt.

Nun geht Herr Rossi mit Gefolge Richtung Gütenbachtal, rechts den Wald hinauf, vorbei an der sonderbaren Bildeiche mit den skurrilen Devotionalien bis zum wunderbaren Waldgasthaus zur Schießstätte, wo es herrliche Mehlspeisen und klassisch gute Wiener Küche gibt.

Nur nicht heute: Mittwoch und Donnerstag Ruhetag. Pech, denkt sich der Hund und legt sich zum Ausrasten in den Schatten vor ein Denkmal, das für einen ehemaligen Direktor des NHM errichtet wurde.

Bald geht es Richtung Planetenweg, auf dem das Planetensystem im Maßstab
1: 1.000 000 000 dargestellt ist. 228 Millionen Kilometer ist der Mars von der Sonne entfernt, lernt der Hund  hier. Ob es dort wohl auch Seinesgleichen gibt?

Plötzlich Aufregung, der Hund bellt über die Mauer hinüber, geschätzte (weil unsichtbare) 20 Wildschweine grunzen, schnurcheln und rüsseln zurück. Die Stimmung schaukelt sich hoch und wird hitzig. Man möchte gerne dem seligen Kaiser Franz Josef II danken, der um 1787 eine 22 km lange Mauer um sein Jagdgebiet bauen ließ.

Für den Bau der Mauer verantwortlich war der Maurermeister Philipp Schlucker. Sein Preisangebot für den Bau war übrigens so niedrig, dass die Wiener befürchteten, der Maurermeister werde verarmen. Die Befürchtung wurde nicht wahr, dennoch ist der Ausdruck „armer Schlucker“ bis heute ein geläufiger Begriff. 

Ins kühle Nass stürzen? So richtig groß ist die Begeisterung des Hundes nicht, aber ganz feig ist er auch nicht und es ist ganz schön heiß. Schließlich gibt sich Herr Rossi vor den anderen keine Blöße.

Todesmutig mit großem Platsch hinein und wie eine Rakete wieder heraus, danke das war´s schon wieder. Unaufhörliches Schütteln trägt zur raschen Trocknung bei. Wasserratte wird aus dem großen Schwarzen keine mehr.

Am Wegesrand viele schöne Blümchen, der Frühling ist in vollem Gang, Auch die eine oder andere Hundemeute kreuzt noch Herrn Rossis Weg, bevor der Lieblings-Spaziergang bei der Wotruba Kirche wieder endet.

Am Weg durch die Maurer Gassen macht der Hund noch eine echte Entdeckung. Seither denkt er darüber nach, sein Wissen an eine große Filmfirma zu verkaufen: unerwartet hat er NEMO gefunden, der jetzt zurückgezogen einem Baumhaus lebt.

Madame Wien

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