Schwitzende Männer mit Erklärungsbedarf

© Stefan Hauer

Welches Männerbild ist heute aktuell und wird nachgefragt? Martin Gruber und sein aktionstheater ensemble spielen im Kosmos Theater verschiedene Varianten durch. Ein vergnüglicher Abend zwischen Rambo-Posen, Baumarktszenen und Familienaufstellung.


Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss, lautet das alte Western-Motto. Die Westernhelden, die Ritter in schimmernder Rüstung, die Märchenprinzen, die Alleinverdiener, die „Warte nur bis der Papa heimkommt - Väter". Sie alle ruhen sanft auf dem Friedhof der Geschichte der Emanzipation. Aber wie soll ein Mann heute sein? Wie soll er sich benehmen? Was darf er fühlen?

Auftritt der sechs bärtigen Feinripp-Ritter in Unterflak mit Eingriff. Sie werden namentlich vorgestellt. Doch während fünf von ihnen wortwörtlich mit Stiften eingekastelt werden (Sascha, Thomas, Peter, Fabian und Andreas), geriert sich Nummer sechs (Benjamin mit Herzchen statt i-Punkt) als der bessere Mann. Er ist der Auskenner, der Besserwisser, er hat den Schmäh heraußen. Eigentlich interessiert er sich aber für nichts, außer vielleicht für Mandala malen.

© Gerhard Breitwieser

Die ersten Lacher verursacht Grubers Körper- und Mimik- Choreographie. Hinhocken, aufstehen, Muskeln zeigen. Arme verschränken, Arme hinter den Rücken, breitbeinig hinstellen, lächeln, grimmig schauen, fragend schauen.

Der Reihe nach, einzeln, oder im Duo, flankiert vom Frage- oder Bejahungschor der jeweils anderen, werden wichtige Männerthemen verhandelt. Die Beziehung zur Mutter, der männliche Hang zum körperlichen Wettbewerb, der Versuch des Reflektierens. Die körperlichen Beschwerden, die Liebe zum Rosenduft, die schlechten Gene der väterlichen Linie, der Schmusehase, das Pornoschauen. Bindungsangst, leichter Fick und schwere Gespräche, Probleme lösen, Großes bewirken.

Oder wie man hinter einer Frau nachts noch auf der Straße gehen kann, ohne sie zu verschrecken, etwas hinterlassen (also ein Kind), fischen, jagen & häuten, Baumarktjargon, Benachteiligung, Entschuldigung bei Frauen per SMS, Akzeptanz, Wunschdenken und sich prügeln. Als Frau im Publikum meint man, jedes der vorgeführten Mannsbilder zu kennen. Ob vom Wegschauen oder vom  Sich verschaut haben.

Die modernen Ritter schwitzen und stampfen, sie speiben und schlagen, geben einander Halt, schreien sich an und hantieren souverän mit PomPoms. Während sie die Klischees auf der Suche nach Orientierung verhandeln, ertappt sich das Publikum im Geheimen, wie es selbst immer neue Etiketten an die Repräsentanten der neuen Männlichkeit anheftet: Macho, Waschlappen, Besserwisser, Kotzbrocken, Schwadroneur...

© Gerhard Breitwieser

Das Stück basiert auf einer echten Umfrage zu männlicher Identität heute, Assoziationen der Darsteller und der Bearbeitung durch Regisseur Martin Gruber, Poetry Slammer Elias Hirschl und Wolfgang Mörth. Begleitet wird die 80-minütige Aufführung von einer souveränen Frau mit Wallemähne an der E-Gitarre (Nadine Abado) und tierischen Visuals von Claudia Virginia. Wie sagte schon Herbert Grönemeyer: „Männer haben’s schwer, nimm’s leicht. Außen hart und innen ganz weich“.


Der Regisseur Martin Gruber gründete 1989 das aktionstheater ensemble, das seither zu den erfolgreichsten Theatergruppen Österreichs zählt. In den letzten Jahren entwickelte Gruber eine Arbeitsmethode, die er „verdichtete Bestandsaufnahme“ nennt, das heißt, es geht nicht um das Kopieren der Realität, sondern um ihre – auch poetische – Verdichtung.

Mit dieser Arbeitsmethode wagt das aktionstheater ensemble in seinen Aufführungen den Spagat, die Schlachtfelder des Lebens nicht nur aufzuzeigen und wirksam nachempfinden zu lassen, sondern vielmehr den Erfahrungsraum aufzustoßen, was denn diese Schlachtfelder beim Einzelnen zurücklassen.


DIE WUNDERBARE ZERSTÖRUNG DES MANNES
Bestandsaufnahme einer Verstörung
von Martin Gruber und aktionstheater ensemble 

Uraufführung
Koproduktion mit der Landeshauptstadt Bregenz/Bregenzer Frühling
In Kooperation mit Kosmos Theater Wien
Dauer: 75 Minuten

Premiere am Mi. 13. Juni 20:00 Uhr
Weitere Termine: Do. 14., Fr. 15., Sa. 16., So. 17. Juni jeweils 20:00 Uhr
im Kosmos Theater Wien

Tickets
Tel: ++43 664 1524022  oder per e-Mail: karten@aktionstheater.at 

www.aktionstheater.at

© Stefan Hauer

Astrid Kuffner
Astrid ist Wienerin, Working Mum, Wählerin, wählerisch, mag Menschen, Worte und Wale.
Nini Tschavoll
Nini fotografiert, schreibt und bloggt digital.
Mag aber auch analog noch immer.

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