Me are the world

Lisa Weidenmüller überlebensgroß

EIN OPERNSPEKTAKEL ÜBER DIE VIELFALT


Der bekannte deutsche Sänger (Die goldenen Zitronen) und Theaterregisseur Schorsch Kamerun macht sich im Meidlinger Werk X auf die Suche nach (seiner) Identität. Dem Publikum verpasst er Kopfhörer und nimmt es mit auf seinen Weg.

Kaum sind diese aufgesetzt, verschaffen sie scheinbare Intimität und die Abkapselung von der Aussenwelt wird spürbar. Jeder „Klient“ ist einer von vielen und durch die Kopfhörer doch ganz isoliert und für sich. Er oder sie bewegt sich so nach Interesse durch das Gebäude, durch den eigenen „3-D-Film“, in dem er sich befindet. Ich in meiner Umwelt, ich bin (mir) meine Welt, me are the world.

Das Geschehen breitet sich rasch auf alle drei Stockwerke des Werk X aus, die Menschen gehen erst unsicher, dann immer neugieriger durch die Performances. An verschiedenen Orten sind Kameras positioniert, Szenen werden überdimensional in schwarzweiß an die Wände projiziert.

Ein Imkerverein in voller Montur trommelt einen düsteren Takt, Schorsch Kamerun singt und lautmalt am DJ-Pult Seite an Seite mit dem großartigen PC Nackt.

Mit dabei sind viele: MusikerInnen, TänzerInnen, eine Klasse der schule für dichtung und die Schauspielerinnen Hanna Binder und Lisa Weidenmüller, die durch das Geschehen tragen. Zwischen Darstellern und Publikum zu unterscheiden, ist anfangs eine Herausforderung.

Grandios und tröstlich singt, streng blickend durch die Räume schreitend, der Wiener Bariton Dieter Kschwendt-Michel. Er berührt die isolierten Ohren und Herzen mit Henry Purcell und singt später aus Schuberts Winterreise. Multitalent PC Nackt alias Patrick Christensen begleitet ihn dabei gekonnt auf einem alten Flügel.

Der Abend verläuft dicht, die Wege kreuz und quer durch das Werk sind durchgehend von Schorsch Kameruns Soundteppich untermalt, immer wieder werden Texte eingewoben. Dazwischen dröhnen per Megaphon Anweisungen, wie sich die Anwesenden zu verhalten hätten.

Die Identität sei im Vorhof zu klären, heißt es da etwa einmal, alle hätten zu erscheinen, um sich von den anderen, denen, die nicht dazugehörten, zu unterscheiden. Herumirren, fast verloren gehen, dazwischen Szenen beobachten, die sich nicht aufs Erste erschließen. Sinneseindrücke prasseln ein, der Besucher ist ganz schön gefordert in diesen 80 Minuten ohne Pause.

Am Ende proklamiert der Bariton: „Um das Entstandenen werden wir einen Zaun errichten lassen. Ich wünsche ihnen einen schönen Winter“. Erst verhaltener, dann tosender Applaus. Einiges musste erst sickern, bevor es ankam. Ein wichtiger Abend, gerade in Zeiten wie diesen. EMPFEHLUNG!

TERMINE


20.10, 21.10., 17.11., 18.11., 30.11., 01.12., 02.12. jeweils um 19:30h 

Werk X
Oswaldgasse 35A
1120 Wien

http://werk-x.at

Nini Tschavoll
Nini fotografiert, schreibt und bloggt digital.
Mag aber auch analog noch immer.

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