Ein Herz(ilein) für die Innenstadt

Sonja Völker fotografiert von Nini Tschavoll

Name Sonja Völker, geboren 1970 in Neckenmarkt (Bgld.), Beruf Inhaberin von Herzilein, wohnt in Wien Meidling.


Im Jahr 2005 beschloss Sonja Völker, ihren erlernten Beruf der Volksschullehrerin an den Nagel zu hängen, um Neues zu wagen. Sie wollte wissen, was sonst noch möglich war, was alles zu schaffen ist aus eigener Kraft. Sie selbst beschreibt ihre Motivation, etwas Neues zu wagen als „extrem hoch“. Seither ist ziemlich viel passiert in ihrem Leben. Aber der Reihe nach.

Als Mutter von zwei Kindern nähte Sonja Völker sehr viel Kinderkleidung selbst. Weil ihr das so gut und so originell gelang, sprach sich das rasch herum. Das gute Feedback motivierte die frühere Werklehrerin bald, sich mit vollem Einsatz ihrem Talent hinzugeben. Bei Sonja Völker hieß es immer ganz oder gar nicht und so eröffnete sie schwupps das erste Kindermoden-Geschäft in der Westbahnstraße im 7. Bezirk.

Dieses erste Herzilein war ihr Pilotprojekt, hier probierte sie aus, was funktionieren könnte. 2008 folgte eine Filiale im 1. Bezirk in der Wollzeile, kurz darauf eine weitere in der Josefstadt. In der Amerlingstraße im 6. Bezirk eröffnete sie 2012 ein Geschäft für Kindermode samt Atelier für Stoffe und Nähkurse.

Nachdem die Kindermode gut etabliert war, suchte die umtriebige Unternehmerin bald eine neue Herausforderung und versuchte sich im Papeterie-Segment, denn für Papier hegte sie schon immer eine haptische Leidenschaft.

Sonja Völker liebt schöne Papiersorten, originelle Karten, Alben, Notizbücher. Auch hier stellte sich der Erfolg bald ein. Nicht zuletzt deswegen, weil viele der Artikel selbst entworfen und in Wien hergestellt werden.

„Einer meiner Mitarbeiter ist kalligraphisch unheimlich begabt“, schildert Sonja Völker. „Er kann auf Bestellung kurzfristig individuelle Glückwunschkarten, Hefte, Alben und vieles mehr gestalten.“ Das hochwertige, handgeschöpfte Papier lässt sie aus Nepal kommen, bedruckt und endgefertigt wird es in Wien.

Den neuesten Coup landete Sonja Völker nun Mitte März. In bester Lage, Am Hof 1, mitten in der Wiener Innenstadt, eröffnete sie ihre 2. Herzilein-Papeterie.

Ihre allererste Herzilein-Filiale in der Westbahnstraße hat sie im Gegenzug geschlossen. „Ich glaube, 5 Geschäfte reichen mir vorerst“, lacht die Geschäftsfrau. „Die kann ich noch alleine managen. Für mich ist es wichtig, den Überblick zu behalten, ich möchte mein Unternehmen weiterhin als One-Woman-Show führen. Mit Mitarbeitern, auf die ich mich voll verlassen kann.

Ich bin eher nicht der Typ für den Verkauf. Das machen meine Leute besser. Als wir vor ein paar Tagen die Filiale am Hof eröffnet haben, bin ich in den Kurzurlaub gefahren. Den hatte ich dringend nötig – und siehe da, es lief auch ohne mich alles wie am Schnürchen. Ich lerne langsam, loszulassen!“

Wie geht es dir mit deiner letzten Neueröffnung mitten in der Innenstadt? Ich fühle mich mutig, habe aber gleichzeitig immer noch weiche Knie. Aber ich habe eine innere Gewissheit, einen Instinkt, dass es die richtige Entscheidung war, dieses alte Pfeifengeschäft hier am Hof zu übernehmen und umzubauen. Ich habe ein riesiges Faible für diese alteingesessenen Geschäfte mit wunderschöner alten Ausstattung, die ich dann für meine Zwecke mit Gefühl adaptiere.

Wo bist du besonders gerne in Wien? Ich fühle mich sehr wohl in der Wollzeile. Dort sind noch viele Wiener Betriebe ansässig. Die Nachbarschaft ist gut, wir hoffen, dass es so bleibt, dass keine großen internationalen Ketten in die Straße kommen. Gerade diese kleinen, hochwertigen Geschäfte machen das Flair der Wollzeile aus.

Wohin gehst du zwischendurch gerne auf einen Kaffee? Ins Café Diglas, das liebe ich. Oder ins Engländer. Man isst auch sehr gut in beiden Lokalen.

Nach was schmeckt Wien? Nach Tafelspitz beim Plachutta.

Wo lässt du nach Geschäftsschluss gerne mal den Tag Revue passieren? Im Schwarzen Kameel, ein Wohlfühlort für mich.

 

Herzilein Wollzeile © Ulrike Schacht/Callwey

Du wohnst in Wien Meidling. Nützt du dort die Infrastruktur? Ich bin sehr froh, dass wir in der Tivoligasse 44 eine kleine  Greißlerei als Nahversorger haben. Die wunderbar freundliche Familie Benayyad hält dort seit Jahren mit ihrem Feinkostgeschäft die Stellung. Mitten in Meidling wird man ausgesucht höflich mit französischen Akzent bedient! Dann gehe ich gerne zu Sladek Geschirr in der Reschgasse, dort gibt es einfach alles, was man in der Küche so braucht.

Wo entspannst du dich? Im Schlosspark von Schönbrunn. Einmal von mir zu Hause weg flott zur Gloriette hinauf und wieder zurück, das ist mein Fitnessprogramm und entspannt mich.

Was liest du gerne? Ich lese fast ausschließlich im Urlaub, dann aber nonstop. Da packe ich stapelweise Krimis und Thriller ein und wenn ich alles ausgelesen habe, lese ich das, was die Leute am Liegestuhl liegen lassen.

Was würdest du jemandem raten, der ein Geschäft eröffnen will? Auf jeden Fall mutig zu sein mit der Wahl der Location. Für den Umsatz ist es wichtig, dass ein Geschäft an einer frequentierten Stelle liegt.

© Ulrike Schacht/Callwey

© Ulrike Schacht/Callwey

 

Sonja Völker ist eine von 28 Frauen in Österreich, Deutschland und der Schweiz, die im Buch SHOP GIRLS von Tina Schneider-Rading und Ulrike Schacht portraitiert wurden. Das Buch ist im Callwey Verlag erschienen.

 

Nini Tschavoll
Nini fotografiert, schreibt und bloggt digital.
Mag aber auch analog noch immer.

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