Schauspielerin als Seelentrösterin

Es gibt ein paar Dinge, die wir alle über die deutsche Ausnahmeschauspielerin Marianne Sägebrecht schon wussten: Eine charakteristische Stimme, eine gewisse Subversivität in der Rollenwahl, ein internationales Aushängeschild für Bayern.

La Sägebrecht ist aber auch ausgebildete medizinisch technische Assistentin, Fan von Ganzheitsmedizin, Enkelin eines Schamanen, Kräuterweiblein mit stabilem Glaubensgerüst, ein alte Seele, die schon als junges Mädchen sterbende Menschen beim Übergang begleitet hat und hoch aktive Fürsprecherin und Patin von Palliativmedizin/Hospizbewegung.

Und sie hat ein Buch über all das geschrieben „Ich umarme den Tod mit meinem Leben“.

Wie der Klappentext schreibt „in ihrer eigenen, verzaubernden Sprache“. Ganz hinten ist ein Disclaimer angefügt worden, dass nichts, was in dem Buch enthalten ist, dazu bestimmt ist „Krankheiten zu diagnostizieren oder zu behandeln“. Diese Klammer fasst das Geschriebene ganz gut zusammen.

MadameWien fand es zweitweise schwierig den Gedankengängen und Zeitsprüngen der Autorin zu folgen. Marianne beginnt mit der eigenen Geburt (kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs) und ihren eigenen frühesten Gedanken in den Armen der Hebamme. Ihr Vater starb wenige Wochen, bevor sie das Licht der Welt erblickte. Aber sie hatte das Glück, viele Ersatzväter zu finden (vom schamanistischen Opa über den buddhismusfaszinierten Kaplan und den Ganzheitsmediziner, der sie ausgebildet hat).

Sie teilt ihr Hühnersuppenrezept und gibt Badetipps, wenn man übersäuert ist. Sie teilt ihr Kräuterwissen, springt dabei aber von ihrer Garten-Meditation auf der Sitzbank zu einer beinahe geplatzten Vernissage, bei der auch ein Kamerateam, Spitzwegerich und die Feuerwehr eine Rolle spielen. Sie spürt Verletzungen ihrer Mutter nach, die sie auch beschäftigen und sucht Orte auf, um diese aufzulösen. Sie erzählt Geschichten aus dem Hospiz, wo sie schon als junges Mädchen Sterbende begleitete, und schreibt tröstliche Gedichte auf.

Es gibt bemerkenswerte Szenen und Momente in dem Buch, die uns etwas lehren können, die trösten können, die helfen mit dem Tabuthema Tod besser umzugehen. Auch praktische Tipps. Aber man muss sich leider auch durch ganz viel Soße kämpfen, blumig bedruckte Buchseiten und sehr persönliche Bekenntnisse. Das Buch wird dennoch seine Fans finden.


Ich umarme den Tod mit meinem Leben
von Marianne Sägebrecht
Verlag GTVH 2019,191 Seiten
18,50 €

Astrid Kuffner
Astrid ist Wienerin, Working Mum, Wählerin, wählerisch, mag Menschen, Worte und Wale.

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