SuperWien als neue Hauptstadt Europas

Die Seestadt Aspern mit dem Badesee im Sommer

Vergiss Centrope, hier kommt SuperWien! Cédric Ramière vom französischen Architekturbüro CoCo und Stefan Mayr von SUPERWIEN, einem Wiener Studio für Architektur und Urbanismus, machen sich Gedanken zur enkeltauglichen Weiterentwicklung Wiens über die Grenzen der Republik Österreich hinaus.

Im englischsprachigen Band aus dem Folio Verlag werden zunächst die kulturellen, politischen, historischen, technischen, naturräumlichen, demografischen, sozialen usw. Infrastrukturen, Ideen und Traditionen beleuchtet. Und zwar nicht nur die der Stadt, sondern auch die der regionalen Umgebung.

Nebenbei wird die geneigte Leserschaft daran erinnert, wie leiwand diese Stadt war und ist. Wie gut es den Wienerinnen und Wienern geht – im Vergleich zu anderen Metropolen weltweit – obwohl sie so viel sudern müssen. Über die Öffis, den Gemeindebau, die Städteplanung, die kleine Welt, die Unerschütterlichkeit der Verwaltung, die EU und dass man kaum noch Deutsch auf der Straße hört.

Anderswo wird das alles als politische Stabilität, Überschaubarkeit, Balance zwischen Arbeit und Freizeit, Weltläufigkeit und Leistbarkeit geschätzt. Wien war Machtzentrum des Habsburgerreichs, ist Sitz internationaler Organisationen und hat von der EU-Osterweiterung stark profitiert. So weit so bekannt. Zu SuperWien könnte der Großraum werden, wenn er sich gleichzeitig rückbesinnt und weiterdenkt.

Denn einige Anregungen aus dem Buch sind in der langen Geschichte Wiens – vom Römerlager bis zur Residenzstadt – schon einmal gedacht oder umgesetzt worden. Strukturen benachbarter Städte, auch jenseits von Landesgrenzen, können eingebunden werden. Innerhalb der Groß-Region SuperWien gibt es wichtige Infrastrukturen oder Naturräume. Die unterschiedlichen Funktionen der Landschaft, z.B. Hafen, Grüngürtel oder Wohngebiet gemeinsam zu nützen, könnte ein Ziel sein.

Das zeigen die Autoren anschaulich auf Doppelseiten mit Auswertungen des CORINE-EU-Land Cover Projekts (Coordination of Information on the Environment. CORINE ermöglicht Karten, die je nach der Bodenbedeckung klassifiziert sind (z.B. Wasser, Wald, Straße, Siedlung, Äcker etc.).

Das kühnste und eingängigste Symbol für SuperWien ist die von Mayr und Ramière angenommene ringförmige Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnlinie namens SuperRing, die Wien Hauptbahnhof („Main Station“), den Flughafen Schwechat, Bratislava („East Port“), Neusiedl am See („Beach“), Eisenstadt („Central Park“), Wiener Neustadt („South Gate“), Baden („Golden Hills“) und Vösendorf („Shopping“) binnen einer Stunde verbindet. An diese Knotenpunkte sind dann weitere lokale Ringlinien angebunden.

Gut ausgebaute Metrolinien verbinden in der Vision SuperWien Tulln mit Györ und Pezynok mit Semmering. Die Bundeshauptstadt bemühte sich in den vergangenen Jahren um entsprechende Vernetzung mit anderen Städten in CEE (Central Eastern Europe) im Rahmen der Europaregion Centrope. Das Buch denkt konsequent weiter, fragt nach Wachstum, Versorgung, Verwaltung und hinterfragt vor allem die reine Auto-Mobilität. Kühn gedacht ist halb gewonnen. Fraglich bleibt, ob die Ideen für SuperWien nicht am Lokalstolz von SuperBratislava oder SuperSopron scheitern würden.


SuperWien Metropole
#01 A new Capital for Europe

Stefan Mayr und Cedric Ramière
Folio 2018
216 Seiten
EUR 25,00

Astrid Kuffner
Astrid ist Wienerin, Working Mum, Wählerin, wählerisch, mag Menschen, Worte und Wale.

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