Südbahn, Schauspiel, Schlagobers

Ann-Birgit Höller fotografiert von Stefan Knittel

Name Ann-Birgit Höller, geboren 1976 in Meran (I), Beruf Schauspielerin, wohnt in Wien Mauer


Der Weg zu Ann-Birgit Höller führt einen schmalen Kiesweg entlang, zwischen kleinen, wie verwunschenen, Häuschen hindurch. Am Ende dieses Weges wohnt sie, zusammen mit Mann und Sohn, „über ihren Verhältnissen und unter ihrem Niveau“, wie das kleine Messingschild an der Eingangstüre verrät. Das liebevoll renovierte Häuschen ist Teil einer ehemaligen Eisenbahner-Siedlung, die aus lauter kleinen Häuschen in wunderschönen Gärten besteht und direkt neben der Südbahn liegt. Das Geräusch der Bahn stört sie überhaupt nicht, im Gegenteil, sie mag das gleichmäßige Rauschen, das von der Ferne erzählt und würde es vermissen, wenn es nicht mehr da wäre.

In der hellen Wohnküche mit dem italienischem Steinboden steht die 39-jährige Schauspielerin Rede und Antwort. Sie, die normalerweise auf den unterschiedlichsten Bühnen und in Fernseh­filmen ihren Auf­tritt hat, erzählt, dass sie seit einiger Zeit als Trauer­rednerin bei Begräbnissen zu finden ist. Ein Job, der mit steigender Nachfrage nach konfessions­losen Bestattungen, bei denen kein geistlicher, sondern eben ein weltlicher Redner gefragt ist, immer wichtiger wird. Und auch die Nachfrage nach Sprecherinnen wird in letzter Zeit größer – bis vor einiger Zeit sei es eine Männer­domäne gewesen, erzählt Ann-Birgit. Und gibt gleich noch ein paar Dinge preis, die sie als gebürtige Meranerin (Südtirol) und gelernte Wienerin über die ihr ans Herz gewachsene Heimat­stadt zu sagen hat.

Wie hat es dich nach Wien verschlagen? Ich bin nach der Matura für die Aufnahme­prüfung am Max Reinhardt Seminar nach Wien gekommen. Da ich nicht auf­genommen wurde und andere Schulen zunächst nicht kannte oder nicht in Betracht zog, habe ich 1995 mit dem Studium der Theater­wissenschaften und Deutschen Philologie begonnen und bald parallel dazu die Theaterschule Pygmalion besucht.

Was machst du in Wien genau? Mittlerweile bin ich verheiratet, Mutter eines Schulkindes, lebe und arbeite in Wien. Die Arbeit als Schauspielerin konzentriert sich deshalb in den letzten sechs Jahren auf Jobs, die ich mir flexibel einteilen kann. Ich arbeite als Sprecherin in der Hörbücherei, wo Bücher für Blinde auf CD eingelesen werden, halte Schauspiel- und Kreativ­workshops für Kinder und Erwachsene, arbeite als Trauer­­rednerin und absolviere natürlich einzelne Drehtage für Fernseh­produktionen.

Wofür kannst du dich in Wien besonders begeistern? Für das Wiener Hochquellwasser. Für das Multikulti. Für „10 minutes to nature – 10 minutes to culture“. Für die nicht immer gemütliche Direktheit im Gastgewerbe, die Wiener Larmoyanz. Für Stammbeisl und Käse­krainer. Für die Off-Theaterszene. Und für die vielen, vielen Sachen, die man günstig bis kostenlos mit Kindern machen kann.

Welche historischen Wiener bewunderst du? Helmut Qualtinger, Oskar Werner, Johann Strauss.

Was liest du aktuell? „Die Erfindung des Menschen“.

Welche Filme hast du zuletzt gesehen?„Lou Andreas-Salome“, ein Biopic über die Philosophin und Psychoanalytikerin und „Metube2“, ein Kurzfilm.

Und welches Theaterstück gesehen?„Charleys Tante“ in Neulengbach, wo Bekannte von mir inszeniert und gespielt haben. In Kürze schau ich mir „Nelson in Afrika“ im Dschungel an.

Welche Musik steht momentan ganz oben auf deiner Playlist? Norah Jones.

Welcher Verein liegt dir am Herzen? Keiner. Eher: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!

Wien schmeckt nach … Schlagobers, nicht Sahne!

Was isst du am liebsten in Wien? Schnitzel.

Wo feierst du gerne? Am liebsten zu Hause oder bei Freunden.

Wo shoppst du gerne? Ich bin nicht der Shopping-Typ. Am ehesten noch in Second-Hand-Läden oder auf Flohmärkten.

Wo entspannst du dich in der Stadt am besten? Am Gänsehäufel im FKK-Bereich.

Gibt es Plätze oder Orte in der Stadt, die dich inspirieren? Ja! Da gibt es gleich eine ganze Reihe. Der Pappelteich im Maurer Wald. Die Wotrubakirche, innen und auch die Gegend rundherum. Das Kunst- und Naturhistorische Museum. Der Botanische Garten. Der Schönbrunner Tiergarten. Die Alte Donau, der Donaukanal (auch unterirdisch). Der Blick zu den Sternen oder auf die große Fichte von meinem Schlafzimmerbalkon aus.

„Das Begräbnis des Harald Kramer“

Regie: Marc Schlegel

Stefan Knittel
Stefan besitzt keinen Blitz, dafür hat er den Blick fürs Wesentliche. Meistens fotografiert der Wiener Fotograf Menschen, die etwas zu erzählen haben. Er liebt Tageslicht, Fahrradfahren und den Wienerwald.
Ursel Nendzig
Ursel ist gelernte Wienerin (was man ihr aber nicht anhört) und auch nach vielen Jahren noch frisch verliebt in ihre Stadt. Mit ihrer Familie lebt sie in Liesing. Hier schreibt sie Reportagen, Kolumnen und Bücher. Und sammelt Einkaufszettel fremder Menschen.