Was Feminismus für mich bedeutet

Lotte

Fünf junge Frauen aus Wien verbringen seit ihrer Kindheit gemeinsam den Winterurlaub in den Bergen. Untertags fahren sie Ski und Snowboard, machen Schneeballschlachten und Engerl im Schnee. Abends kochen, essen und trinken sie und manchmal tanzen und hüpfen sie bis spät in die Nacht zu Musik, die ihnen am nächsten Tag peinlich ist.

Im Laufe der Jahre sind die Mädchen zu wunderbaren jungen Frauen geworden sind. Sie haben die Schule hinter sich gelassen und ihre Studienzeit vor sich. Nach ihrer Ausbildung werden sie Berufe ergreifen, die sie hoffentlich erfüllen und bei deren Ausübung und Erfolg das Geschlecht keine Rolle spielen wird.

Anläßlich des bevorstehenden Weltfrauentags machen sie sich die Fünf eines abends in der gemütlichen Stube der Skihütte Gedanken über Feminismus. Es entspinnt sich eine lebhafte Diskussion.


Lara (20), Studentin: Feminismus bedeutet für mich Gleichberechtigung. Für beide Geschlechter, also auch, dass Männer schwach sein können. Bei uns in der Schule wurden gelegentlich Frauenthemen wie z.B. Gender Pay Gap, Frauen in der Forschung usw. diskutiert. Allerdings fand ich, dass die Burschen bei den ganzen Diskussionen immer irgendwie in wenig ausgeschlossen waren.

Einmal kann ich mich daran erinnern, dass bei einer Veranstaltung nur Mädchen auf das Podium gelassen wurden. Wir haben die Diskussionsleiterin gefragt, warum sie das so haben will. Sie sagte, weil wir für den Feminismus keine Männer brauchen. Das fand ich völlig falsch.

In der Fahrschule ist es mir öfter mal passiert, dass die männlichen Fahrlehrer mich irgendwie seltsam belehrten. Sie meinten wohl, sie machen mir ein Kompliment. Sie sagten Dinge wie „Du bist ja ein hübsches Mädchen, warum klappt denn das nicht besser“. Ich dachte mir, ich bin doch nicht hier, um Komplimente zu bekommen, sondern um Autofahren zu lernen. Gesagt habe ich es aber nicht.

Lara

Lotte (18), Maturantin: Feminismus bedeutet für mich, Stereotype und Vorurteile abzulegen. Gleichberechtigung, Gleichstellung, sich kein Blatt vor den Mund nehmen zu müssen.
An meiner Schule haben wir noch nie das Thema Feminismus oder Frauentag größer aufbereitet. Es gibt schon mal Gespräche, aber da sind die Burschen ganz klar immer auch involviert. Wir wollen sie nicht ausschließen, denn das Thema betrifft alle. Aber Gender Pay Gap usw. - solche Themen wurden bei uns nie besprochen.

Flora (19), jobbt derzeit: Für mich ist Feminismus nicht nur ein positives Wort. Mir fällt auf, man wird generell sehr schnell als "Feminazi" bezeichnet, wenn man feministische Positionen vertritt. Ich finde Feminsimus schon wichtig, aber man kann es damit auch übertreiben.

In meinem Freundeskreis sind viel mehr Burschen als Mädchen. Manchmal ist es so, dass unsere Freunde uns verteidigen, wenn wir von anderen Jungs beim Ausgehen belästig werden. Ich weiß nicht, ob das notwendig ist oder nicht, jedenfalls machen sie es. Ich glaube, das könnten wir auch selbst.

Generell empfinde ich das Thema Feminismus nicht als eines, das ich dauernd ansprechen muss. Ich bin in einem Umfeld aufgewachsen, wo Gleichberechtigung gelebt wird, sowohl in der Familie als auch im Freundeskreis. Vielleicht ist es deswegen nicht so ein großes Thema für mich.

Flora

Laura (20), Studentin: Wenn man sagt, man ist Feministin, glauben viele, man ist eine Männerhasserin, das regt mich echt auf. Ich bin nicht nur für die Erstarkung der Frau, ich bin auch für die totale Gleichberichtigung zwischen Mann und Frau in allen Bereichen.
Das Thema Diskriminierung ist derzeit noch nicht vorhanden in meiner Situation an der Uni. Ich glaube, das wird erst kommen, wenn wir zu arbeiten beginnen.

Männer sind eher so, dass sie einander bei der Karriere stützen, sich die Karriereleiter hinauf helfen. Aber es kommen trotzdem immer mehr Frauen in Führungspositionen, irgendwas tut sich also, die können das wohl auch. Aber eigentlich sollte es eben nicht wichtig sein, welches Geschlecht man hat, sondern was man kann.

Laura

Clara (19), Studentin: Feminismus ist wichtig. Ich persönlich hatte bis jetzt noch nie das Gefühl, dass ich schlechtere Chancen als Jungs hatte. Das liegt auch an meinem Umfeld. Das Thema selbst beschäftigt mich aber schon. Eine Schulfreundin von mir hat Migrationshintergrund, ihre Brüder und ihre Familie bestimmen voll über sie. Für sie ist das vollkommen normal und okay. Obwohl ich immer das Gefühl hatte, dass sie sehr stark und rebellisch ist. Aber sie würde ihren Eltern und ihren Brüdern nie ernsthaft widersprechen.

Das ist für mich immer seltsam, wenn ich darüber nachdenke. Ich könnte mir nicht vorstellen, dass andere, vor allem Männer, so über mein Leben bestimmen. Mir sagen, was ich machen soll, mit wem ich mich treffen kann oder eben nicht und wann ich zuhause sein muss.

Clara

Was ist die Ursache für die ungleiche Stellung von Frauen und Männern in der Gesellschaft?

Lara: Die Frauen sind eher an Harmonie in der Gruppe interessiert, sie sind sozialer. Männer wollen meistens individuell herausstechen, denen geht es auch um Wettbewerb. Ich glaube außerdem, dass die Kirche auch viel dazu beigetragen hat, wie die Frau in der Gesellschaft heute da steht.

Flora: Sicher auch ein Grund ist die körperliche Ungleichheit zwischen den Geschlechtern, Männer sind meistens stärker als Frauen.

Laura: Ich glaube, dass manche Probleme im Berufsleben der Frauen damit zusammen hängen, dass die Struktur oder die Gesetze nicht weit genug gehen. Derzeit läuft z.B. gerade die Diskussion mit dem Papamonat. Es ist noch immer eine Tatsache, dass Frauen viel mehr Zeit für die Kindererziehung aufwenden als Männer.

Clara: Ich finde es aber auch komisch, dass man eine Frau schief anschaut, wenn sie länger bei ihrem Kind zu Hause bleiben will. Also, der Vater soll schon auch zuhause bleiben können, aber in den ersten Monaten ist es auf jeden Fall wichtig, dass die Frau kein schlechtes Gewissen wegen dem Job hat, wenn sie daheim beim Kind bleibt. Sie soll aber auch wieder dort einsteigen können, wo sie aufgehört hat.

Lara: Meine Mutter ist in einer Führungsposition. Sie hat das Glück, für einen Arbeitgeber zu arbeiten, bei dem Frauen besonders gefördert werden. Aber sie sagt immer, es ist unglaublich schwierig, dass die Frauen sich Führungsrollen überhaupt zutrauen und sie wahrnehmen. Sie meint, dass ihre Generation sich sehr viel mehr zugetraut hat als unsere.

Flora: Unsere Mütter sind unsere Role Models. Sie leben uns ein ziemlich selbstbestimmtes Leben vor. Ich glaube, wir Mädels müssen echt aufpassen, dass wir das es auch schaffen, so unabhängig zu werden.

Lotte: Wenn sich Frauen für einen Job bewerben, wird manchmal als Standardfrage gestellt, ob sie einen Kinderwunsch haben. Obwohl das eigentlich keine legitime Frage ist in einem Bewerbungsgespräch. Deswegen werden Männer auch oft bevorzugt. Wenn ein Mann Vater wird, ist das nie ein Problem für den Arbeitgeber.

Lara: Wenn ich mir diese amerikanischen Serien oder Talkshows anschaue, glaub ich manchmal, ich spinne. Da kommt so viel Konservatives und Rückwärtsgerichtetes, das geht nicht in meinen Kopf rein.

Laura: Ich finde, dass jede Musikerin und jede andere Künstlerin viel macht für Frauen. Dass die auf der Bühne stehen und sich was trauen, das macht den anderen Frauen auch Mut.

Clara: Ja, aber diese Frauen werden sehr oft total sexualisiert, manchmal sind die fast nackt auf der Bühne. Dabei geht es doch um die Musik und nicht ums Aussehen. Man sollte Frauen nicht immer über ihr Aussehen beurteilen.

Lara: Ich glaube, wenn junge Männer in unserem Alter das Wort Feminismus hören, denken die sich aha, okay, geht mich nix an, das betrifft ja nur Frauen. Wenn man dann aber mit ihnen diskutiert, verstehen sie eh, um was es uns geht.

Lotte: Wenn Männer an eine Feministin denken, dann haben sie vielleicht ein Frau mit abrasierten Haaren, die dauernd auf Demonstrationen geht, vor Augen. Sie denken dabei an lesbische oder an ganz strenge Frauen, dabei geht es gar nicht darum. Es geht den Feministinnen doch nur darum, als Frauen die gleichen Chancen wie Männer zu haben.

Zum Schluss, welche historischen starken Frauen fallen euch spontan ein?
Rosa Parks, sie war eine afroamerikanische Bürgerrechtlerin.
Ute Bock, ihr ging es um Selbstermächtigung, sie hat immer für Schwächere gekämpft.
Angela Merkel (lachen).


 

Feminismus (von lateinisch femina ‚Frau‘ und -ismus über französisch féminisme) ist ein Oberbegriff für gesellschaftliche, politische und akademische Strömungen und soziale Bewegungen, die, basierend auf der kritischen Analyse von Geschlechterordnungen, für Gleichberechtigung, Menschenwürde und Selbstbestimmung von Frauen sowie gegen Sexismus eintreten. Im Frankreich des späten 19. Jhdts. traten die Begriffe féministe und féminisme als Synonyme für Frauen- emanzipation erstmals auf. Die erste Frauenrechtlerin, die den Begriff als Selbstbeschreibung gebrauchte, war 1882 die Französin Hubertine Auclert.
Quelle: Wikipedia

Madame Wien

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.