Kulturgut Kopftuch

"Wiener Chic 2018" von Susanne Bisovsky, Fotografiert von Bernd Preiml

„Mein Hut, der hat drei Ecken“, haben wir als Kind gesungen und gespielt. „Mein Kopftuch war rot und hatte vier Ecken“ ist eine weitere harmlose Kindheitserinnerung. Das bunte Tüchel, eng geknotet um den Kopf (zur Not mit allerlei Zusatzfunktionen), hatte noch in den 1970er- und 1980er-Jahren einen fixen Platz auf Mädchenköpfen, auch wenn die Eltern keine Trachtenfans waren. Als Sonnenschutz beim Wandern oder wenn im Herbst die kratzige Wollhaube noch zu warm war.

Heute sind bunt bedruckte, moderne „Beanies“ (Jersey-Hauben) Standard auf Kinderköpfen. Und das Kopftuch ist nicht mehr harmlos – weder als Wort, noch als Kopfbedeckung. Es ist aufgeladen. Es ist gut sichtbar und auffällig. Deshalb kann man daran allerhand festmachen: Kulturkampf, Feminismus, Islamkritik, Patriarchat und Segregation.

Bleistiftskizze einer verschleierten Frau mit Fächer © KHM Museumsverband

Das Weltmuseum  will mit der Schau „Verhüllt, enthüllt! Das Kopftuch“, die noch bis 26. Februar 2019 läuft, wohl etwas Entspannung in die Thematik bringen. Mit seinen Mitteln einordnen, wofür das Kopftuch schon alles herhalten musste.

Die Schau zeigt vor allem zwei Dinge: DAS Kopftuch gibt es nicht. Es gibt eine ungeheure Vielfalt. Meist mit vier Ecken, in allen Farben, in allen Fertigungstechniken, mit Fransen, Säumen, Troddeln, Mustern, verschiedenen Bindetechniken, für Männer und Frauen, in allen möglichen Weltreligionen. Es wird quer durch die Epochen verwendet und war auch in Österreich mehrfach üblich.

Christin Türkei, vor 1886, © KHM-Museumsverband

Erstmals nachgewiesen wurde es in Mesopotamien auf Steintafeln mit Keilschrift. Das Kopftuch erfüllte und erfüllt viele Funktionen: Kleidervorschrift, Erkennungsmerkmal, Schutz vor Kälte, Distinktionsmerkmal, modisches Statement und zurück. Es steht für Eigenschaften von sittsam bis modisch. Wie alle Verbote und Vorschriften reizt es zum Widerspruch und zum Austesten von Grenzen.

Das Weltmuseum setzt Geschichte und die Gegenwart in Beziehung und lädt zum Nachdenken ein. Präsentiert werden 17 eigenständige Positionen zum Thema Kopftuch, die den Blick auf dieses Stückchen Stoff um neue, möglicherweise unerwartete, Aspekte erweitern sollen.

Mind over Matter – Voltar Suzanne Jongmans, © Courtesy Galerie Wilms

www.weltmuseumwien.at


Weltmuseum Wien
Heldenplatz
1010 Wien

Astrid Kuffner
Astrid ist Wienerin, Working Mum, Wählerin, wählerisch, mag Menschen, Worte und Wale.

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