Wie geht es weiter

© Gerhard Breitwieser

1989 gründete Martin Gruber sein aktionstheater ensemble. Anläßlich des 30 jährigen Jubiläums macht er sich 2019 Gedanken darüber, wie es weitergeht. Vorrangig interessiert ihn der Fortgang der gelähmten  Zivilgesellschaft.


Ausgangspunkt für diese Produktion ist einmal mehr der politische Status Quo in Österreich und Europa: Neoliberale PolitstrategInnen und rechtspopulistische DemagogInnen haben sich als HeilsbringerInnen in Stellung gebracht und die sogenannte Zivilgesellschaft scheint im Tiefschlaf zu versinken. So weit, so bekannt, so ermüdend.

Basierend auf der dem aktionstheater ensemble eigenen Arbeitsweise beginnen die AkteurInnen beim einzelnen Individuum, bei sich, bei ihrer eigenen Unfähigkeit. Es wird versucht, der um sich greifenden Lethargie durch eine gnadenlose Innenschau der Mitwirkenden sowie durch Recherche im direkten und erweiterten sozialen Umfeld auf den Grund zu gehen. Aus diesem Material schreibt Martin Gruber ein Theaterstück, wühlt mit seiner Kompanie genussvoll in der österreichischen Seele und entwirft ein aberwitziges Politik-Panoptikum.

Der Regisseur und Theatermacher nimmt bei der Konzeption wenig Notiz von Nachrichten und Newsfeed. Ihm geht es vielmehr um einen Innenschau der politischen Lage der Nation. Dafür sieht er sich  unter den Menschen um, den WählerInnen, scannt sie und lässt sein Ensemble ihre Verfasstheit auf der Bühne performen.

Großartig die tolerante, weltoffene, sehr verständnisvolle und engagierte Michaela Bilgeri. Afrika ist ein RIESENTHEMA für sie, insbesondere Ghana, denn das hat sie schon bereist. Wenns mal schwierig wird, verdankt sie ihr Durchhaltevermögen der Erinnerung an ein orgasmusähnliches Erlebnis beim Seilklettern. Immer höher und höher klettert sie, immer besser wird es dabei.

Expressiv auch Benjamin Vanyek, der zwar ein echt lieber Kerl ist und eh mit allen kann, hin und wieder aber schon mal arg ausrastet. Etwa, wenn die Dame vom Amt nicht verstehen will, dass er zahlungsunfähig ist. Die beschimpft er dann gerne und exzessiv aus der untersten Schublade. Schließlich hat er das bei seiner Mutter schon so gesehen, die ihre vier Kinder alleine durch bringen musste.

Zwänglerische Spleens, auszählen von guten und schlechten Wörtern, jemand sucht auf der Bühne die Mitte, wo ist nur die Mitte hin? Für eine Stunde exponieren sich hier 6 Charaktere, deren Wege sich im echten Leben wohl eher selten kreuzen würden. Mit den verschiedenen Versatzstücke muss das Publikum wohl selbst zurecht kommen, da führt kein Weg daran vorbei. Am Ende stehen viele Fragen, wie etwa: Warum sind wir so demokratiemüde? Und überhaupt: Wie geht es nun wirklich weiter?


DarstellerInnen: Michaela Bilgeri, Maria Fliri, Andreas Jähnert, Thomas Kolle, Fabian Schiffkorn, Benjamin Vanyek Regie, Script, Choreografie: Martin Gruber | Musik, Komposition: Kristian Musser | Gesang: Pete Simpson | Dramaturgie: Martin Ojster | Video: Bildwerk X Valence | Sounddesign: Thomas Bechter | Regieassistenz: Laura Loacker | Körpertraining: Lukas Orphéo Schneider | Assistenz: Hacer Göcen | Technik: Andi Fitz/Florentina Kubizek

www.aktionstheater.at

Martin Gruber, © Apollonia Bitzan

Premiere (Wien) am Mi. 12. Juni 19:30 Uhr

Weitere Termine: Do. 13. Juni, Fr. 14. Juni, Sa. 15. Juni & So. 16. Juni jeweils 19:30 Uhr
im Werk X in Meidling, Oswaldgasse 35a, 1120 Wien

Karten: reservierung@werk-x.at, T +43 1 535 32 00-11

 

Nini Tschavoll
Nini fotografiert, schreibt und bloggt digital.
Mag aber auch analog noch immer.

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