Wie über Wien geschrieben wird

Wien ist die Hauptstadt der Musik, heißt es. Aber auch SchriftstellerInnen von Weltruhm haben Wien in ihren Werken beschrieben, verewigt und erkundet, z.B. der sprach- gewaltige Grantler der Nation, Thomas Bernhard. Ebenso Ingeborg Bachmann, Manès Sperber, Ilse Aichinger, Ernst Jandl, Elfriede Gerstl oder Peter Handke. Beim nächsten sommerlichen Regenwettertag lohnt der Besuch im Literaturmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek (mit Führung oder Museumstablet). Es liegt zentral und lässt sich ideal mit einem Stadtspaziergang verbinden. Und mit einem Eis beim nahegelegnen  Ferrari Gelato oder einem Kinobesuch im wunderbaren Metro Kino.

Im Grillparzerhaus (im Revolutionsjahr 1848 wurde das k. k. Hofkammerarchiv in das eigens dafür errichtete Gebäude übersiedelt, das biedermeierliche Haus steht unter Denkmalschutz) wird die Liebe zu Büchern, SchreiberInnen und dem literarischen Erbe gepflegt und gezeigt. Die aktuelle Ausstellung heißt „Wien. Eine Stadt im Spiegel der Literatur“.

Der Katalog zur Ausstellung, herausgegeben von Bernhard Fetz, Katharina Manojlovic und Kerstin Putz, ist bei Folio erschienen und versammelt bunte Wienbeschreibungen vom Haiku „je müder ich bin umso lieber bin ich in wien“ bis zur Wiedergabe einer verlogenen Stadtführung im Buch „Malina“. Weiters Gedichte, ein ganzes Alphabet (von antritscht bis Zwickerbusserl), von der räumlichen Verortung eines Denkprozesses im Gehen* (Oehler und Karrer in Bernhards „Gehen“) bis zu oder der immer gleichen Verirrung in der Innenstadt (Peter Handke/„Samara“) und Literatur aus dem Exil (Klüger, Morton).

Gegliedert sind die Texte um die Themenkreise Wienblicke, Peripherien (auch die G’stett’n gehört dazu), Gehen, den Tatort Wien (3.Mann!) und die Vergessenshauptstadt. Die Literaturangaben an jedem Kapitelende laden ein, die Leseliste aufzustocken, dieTyposkripte und Handschriften wiederum sind Einladungen zum analogen Konsum.
*Wer es noch nicht getan hat sollte übrigens neben „Gehen“ auch das von Bernhards Werk inspirierte Buch Ausgehen von Barbi Markovic lesen.


TIPP:  Sonderausstellung  Wien. Eine Stadt im Spiegel der Literatur
12. April 2019 bis 16. Februar 2020

Literaturmuseum der ÖNB
Grillparzerhaus
Johannesgasse 6
1010 Wien

Franz Grillparzer amtierte hier bis 1856 als Archivdirektor – zerrissen zwischen den Pflichten eines k.u.k.-Finanzbeamten und seiner schriftstellerischen Mission. Sein Arbeitszimmer ist originalgetreu erhalten.

Astrid Kuffner
Astrid ist Wienerin, Working Mum, Wählerin, wählerisch, mag Menschen, Worte und Wale.

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