Wien ist ein gutes Pflaster für Singer und Songwriter

Mika Vember fotografiert von Nini Tschavoll

Name Mika Vember, geboren 1979 in Niederösterreich, Beruf Songwriterin, Sängerin, Online-Redakteurin, wohnt in Wien Ottakring.


Eigentlich ist Mika Vember autodidakt. Mit zwölf war sie Metal- und Grunge-Fan und gründete mit ihren Cousins eine Band. Um hundert Schilling kaufte sie einen kleinen VOX-Verstärker und eine E-Gitarre, die sie fortan bearbeitete. Die ersten Versuche schienen ihr recht erbärmlich, bis ihr jemand erklärte, dass eine E-Gitarre ohne Verzerrer grundsätzlich nicht nach Metallica klingen wird.

In der örtlichen Musikschule wurde E-Gitarre als Fach nicht angeboten und so nahm sich der Blasmusik-Kapellmeister ein Herz und gab ihr Unterricht. Bei ihm lernte Mika ein Semester lang einige Grundlagen, während er auf einer alten Konzertgitarre und sie auf der unverstärkten E-Gitarre spielten. „Für die Barré-Griffe reichte dieser rudimentäre Unterricht, die habe ich gut gelernt, als ich den Schulchor bei ‚Guantanamera‘ begleiten musste“, schmunzelt sie beim Interview über diese Erinnerung. Heute ist Mika die akustische Gitarre lieber, bei Konzerten verwendet sie die E-Gitarre kaum.
Ihre Songs schreibt Mika selbst. An den Texten feilt sie oft wochenlang. Die nuancen-affine Anglistin legt sich selbst die Latte hoch. Die Arrangements entstehen dann meist in Zusammen­arbeit mit der Akkordeonistin Martti Winkler, mit der sie auch die meisten Auftritte absolviert. „Die Entstehung eines Songs ist ein vielschichtiger Prozess. Wenn er dann funktioniert, ist das ein extrem erhebendes Gefühl“, meint Mika.

Wie viele österreichische Musikerinnen geht Mika Vember untertags ihrem Brot-Job nach, was ihr eine gewisse Sicherheit gibt. „Manchmal verhandle ich deswegen mit mir selbst, bin dann aber doch ganz zufrieden mit der Situation, beides zu haben. Ich arbeite als Online-Redakteurin und solange es sich daneben auch mit der Musik ausgeht, passt das für mich.“

Während ihres Studiums absolvierte sie ein Auslandsemester in Ottawa und erlebte einen kanadischen Winter bei bis zu minus 40 Grad. Sie verbrachte viele Abende in den Clubs der Stadt, wo man ihr nicht selten eine Gitarre in die Hand drückte und sie zum Spielen aufforderte. Zurück in Wien blieb sie der Musik treu. Für zwei Jahre wirkte sie bei Clara Luzia als Percussionistin und Sängerin mit. 2007 startete sie dann ihr eigenes Projekt und brachte das Album „Now or Now“ heraus. Wenig später schloss sie ihr Studium ab und veröffentlichte 2009 ein Album mit Duetten – „Fame & Success“ – mit Bernhard Moshammer (alias Börn), der die Lieder für diesen musikalischen Exkurs beisteuerte.

Mikas zweites Solo-Album erschien 2010 und trug den Titel „Our Lady of the Loops“. Der dritte Longplayer wächst in kleinen Schüben. In der Zwischenzeit verfeinern Mika und Martti die ersten neuen Songs auf den Bühnen der Stadt. Die Musikszene in Wien beurteilt sie positiv, die Stadt sei nach wie vor ein gutes Pflaster für die Singer- und Songwriter-Szene. Ein klein wenig hat sie die Einstellung der kanadischen Künstlerinnen auch geprägt. „Was mir in Kanada gut gefallen hat: Die Leute machen dort einfach ihre Musik, weil sie Spaß haben. Sie denken nicht unbedingt daran, Erfolg damit zu haben, berühmt zu werden, sondern spielen befreit, aus sich heraus und nur für den Moment.“ Wenn sie nicht solo auf der Bühne steht, wird sie von Martti Winkler (Akkordeon) und Jörg Mikula (Drums) begleitet.

Wohin gehst du gerne zum Essen? Vor kurzem hab ich das sympathischste griechische Restaurant aller Zeiten entdeckt: Kafeneon am Yppenplatz. Und für späte Stunden gibt es diesen super Kebabstand an der U6 Station Josefstädter Straße vis-a-vis dem Cafe Carina.

Was empfiehlst du uns am Abend? Auf jeden Fall das Konzertcafé Schmid Hansl im 18. Bezirk, das Ambiente dort ist großartig. Um geplant oder zufällig in ein super Konzert zu stolpern, empfiehlt sich natürlich das rhiz. Auch im Au am Yppenplatz habe ich schon sehr spezielle live Acts sowie das eine oder andere Bier genossen. Oder das legendäre Café Bendl im 8. Bezirk, ein echtes Wiener Original – mit Jukebox! Neuerdings hab ich auch das Avalon  in der Pfeilgasse schätzen gelernt.

Wo kaufst du gerne ein? Samstags am Bauernmarkt am Yppenplatz. Oder auch manchmal am Brunnenmarkt, ich mag die Atmosphäre dort sehr.

Wo kaufst du sonst noch ein? Ich gehe gerne zum Volkshilfe Würfel auf der Thaliastraße 130, da finde ich immer was Schönes.

 

Was macht für dich Wien aus? Wien ist eine übersichtliche Großstadt, irgendwie Dorf und Stadt zugleich.

Wien schmeckt nach … Käsekrainer und Kebab.

Wo entspanntst du dich ? Ich gehe sehr gerne zur Jubiläumswarte am Wilhelminenberg. Die Alte Donau habe ich jetzt auch für mich entdeckt. Ich finde den Sommer super in Wien und lege meine Urlaube auf den Rest des Jahres.

Schlägt dein Herz für einen Verein? Ja, für Purple Sheep, einem Verein zur Einhaltung und Förderung der Rechte von AsylwerberInnen. Auch Queer Base leistet wichtige Arbeit.

Was ist dein Lieblingsfilm? Hedwig and the Angry Inch“,  die Filmversion eines queeren Musicals – kann ich mir nicht oft genug ansehen.

Was liest du aktuell? Gerade fertig gelesen: „Swing Time“ von Zadie Smith – highly recommended!

Was läuft derzeit auf deiner Playlist am meisten? Der Soundtrack der Serie „Tremé“ – New Orleans Jazz und Folk, hilft enorm im Kampf gegen die Winterdepression.

Dein allerliebster Lieblingssong? „Satisfied Mind“ in der Version von Jeff Buckley.

We all agree by Mika Vember

Nini Tschavoll
Nini fotografiert, schreibt und bloggt digital.
Mag aber auch analog noch immer.