Wien ist eine gute Stadt für Schauspieler

Claudia Kottal fotografiert von Nini Tschavoll

Name: Claudia Kottal, geboren 1981 in Fischamend, von Beruf Schauspielerin, Regisseurin und Autorin, wohnt in Wien Mariahilf


Praktisch über Nacht wurde Claudia Kottal als Darstellerin in der politischen Satire-Serie Wir Staatskünstler bekannt. Gemeinsam mit Nicholas Ofczarek persiflierte sie über ein paar Monate hinweg allwöchentlich Personen des öffentlichen Lebens bis zur Kenntlichkeit. 

Heute noch möchte man sich auf die Schenkel klopfen bei der Erinnerung an ihre Darstellung von Mary Vassilakou im Sketch Mary & Michi in „Liebesgschichten und Heiratssachen“.

Auch die ehemalige umstrittene SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas, die als Duo Infernal mit Niko Pelinka, dem damals blutjungen und ebenfalls heftig umstrittenen ORF Stiftungsrat, einige Woche lang via i-Phone über die Bildschirme flimmerte, überzeichnete sie in Präzision.

Und bei der Darstellung des Traumpaars François Hollande & Angela Merkel mimte sie den ehemaligen französischen Staatschef mit streng zurück geklatschem, dunklen Haar très bien.

Einem noch breiteren Publikum wurde Claudia Kottal in der Folge als Bezirksinspektorin Leila Mikulov in der TV-Serie Cop Stories bekannt. Und auch Tatort und Landkrimi sind bereits in ihrer Filmografie vermerkt.

Dabei hat alles im Theater begonnen, ganz klassisch mit Shakespeare, Schnitzler und Nestroy. Auf die Frage, Bühne oder Film will sich Claudia Kottal nicht festlegen. Sie findet beides reizvoll, egal ob intensive Arbeit auf den Brettern, die die Welt bedeuten oder tagelange TV-Drehs.

Aktuell wird sie im September ein weiteres Mal im OFF-Theater in einer Eigenproduktion des MAA Kulturverein (*migrationshintergrund.am.arsch) zu sehen sein. "Familie Tót", heißt das tragisch-komische Stück des ungarischen Autors István Örky, das erstmals in Österreich aufgeführt wurde.

Familie Tot © Stefan Smidt

Als Mitglied von Martin Grubers Aktionstheater ist sie mit Ich glaube im Werk X zu sehen. Eine Rolle, die sie fordert und in der sie voll aufgeht, wie sie erzählt.

Vor der Kulisse einer durch Attentate verstörten Welt gehen Martin Gruber und sein mit dem NESTROY-Theaterpreis ausgezeichnetes aktionstheater ensemble in Ich glaube den unterschiedlichsten Erscheinungsformen des Phänomens Glauben ohne Rücksicht auf Verluste auf den Grund.

Ich glaube © Stefan Hauer

Claudia Kottal lernt ihre Texte gerne beim Gehen. Sie liebt es, dabei durch die Stadt zu laufen und nimmt dazu auch größere Distanzen zu Fuß in Kauf. Ihren Rollen näherst sie sich akribisch: sie recherchiert, schaut Dokus zum Thema, liest Erfahrungsberichte und taucht tief ein in die Welt der Charaktere, die sie verkörpert.

„Ein Cop zu werden, könnte ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen“, meint sie. „Der Alltag auf einer Wachstube muss hart sein, ich hab da durch den Dreh schon ein wenig Einblick bekommen“.

Während intensiver Drehtage oder Proben versucht sie manchmal, ein wenig Abstand durch Yoga, laufen oder schwimmen zu bekommen, das hilft ihr, den Kopf wieder frei zu bekommen.

Vor dem Fliegen im neuen Theater Bronski & Grünberg war Anfang 2017 ihre erste Regie-Arbeit, das Stück stammt ebenfalls aus ihrer Feder. „Das war sehr spannend, eine gute Erfahrung und eine ziemliche Herausforderung“, meint sie rückblickend. Die Kritiken der Presse waren durchwegs wohlwollend.

Geboren wurde die sprachtalentierte Claudia Victoria Kottal, die auch stolz auf ihre polnischen Wurzeln ist, in Niederösterreich. Ihr österreichischer Vater lebt als Spediteur in Polen, die Mutter ist Übersetzerin. Ihre „zwei Muttersprachen“ sieht sie als Geschenk. „Ich fühle mich weder ganz polnisch, noch ganz österreichisch. Aber der Klang der polnischen Sprache oder auch polnisches Essen lösen bei mir Wohlgefühl aus“, schwärmt sie.

Auf der Homepage ihrer Agentur wird ihr Dialekt-Talent angeführt. Dieses konnte sie etwa bei der Darstellung der Laura Rudas voll zur Geltung bringen. Und Claudia Kottal singt gerne und viel, wobei sich ihre Stimmlage von Mezzosopran zu Alt hin verlagert hat.

Was steht als nächstes bei dir am Programm? Die allerletzte Wiederaufnahme des Stücks "Familie Tót". Eine irrwitzige Tragikomödie, Spieltermine sind 7.,8., 9.,14. und 15. September jeweils um 20:00 im OFF-Theater in der Kirchengasse. Und wir beginnen mit den Proben für die zweite Eigenproduktion. Es handelt sich um ein polnisches Stück: "Zucker Büstenhalter" von Zyta Rudzkaan.

Wo und wie bewegst du dich am liebsten durch Wien? Ich gehe gerne Laufen im grünen Prater, danach gönne ich mir manchmal einen Kaffee beim Wiesengreissler

Wo entspannst du dich sonst noch gerne? Auf der Donauinsel und am Donaukanal.

Hast du einen Lieblingsbezirk? Ich mag den 5. und den 6. schon sehr. Ich wohne dort mittendrin, in einer Altbauwohnung in Naschmarktnähe.

Was hat Wien, was andere Städte nicht haben? Wien hat einen entspannten Rhythmus, die Leute lassen es sich gut gehen, treffen sich zum Mittagessen oder auf einen Kaffee. Und Wien ist viel jünger geworden in den letzten Jahren.

Wo trinkst du gerne mal einen Kaffee? Im Mik oder im Le Troquet in der Zollergasse.

Und wo feierst du mit deinen Freunden? Im MQ oder im Volksgarten Pavillon. Oder im Le Trouqet.

Wo isst du besonders gerne? Die besten Burger gibt es in der Weinschenke und die und besten Dim Sum im ON-Market.  

Nach was schmeckt Wien? Nach Apfelstrudel.

Hast du für uns einen Shoppingtipp? Ich kaufe gerne bei webandits. Bei Ferrari-Zöchling bekomme ich immer was Tolles, auch für elegante Anlässe. Kauf dich glücklich ist eine Adresse, wo ich mir auch immer was finde.

Welche Filme findest du gerade gut? "Manchester by the Sea" von Ben Affleck hat mir sehr gut gefallen. Und für mich ein all-time-Favorit: Being John Malkovich.

Ein Buch, das dir jüngst gut gefallen hat? „Der Schwimmer" von Zsuzsa Bànk, ich fand es wunderschön!

Was läuft auf deiner Playlist? Ich höre viel Spotify.
Die südafrikanische Musikerin Alice Phoebe Lou gefällt mir gerade gut. Und ich tanze gerne zu Hip-Hop.

Möchtest du Wien etwas ausrichten? Lieben hilft!


www.claudiakottal.com

Nini Tschavoll
Nini fotografiert, schreibt und bloggt digital.
Mag aber auch analog noch immer.

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