Wien ist jetzt bunt und hell

Eloui fotografiert von J.J. Kucek

Name Eloui, geboren 1972 in Visp im Wallis (CH), Beruf Musikerin und Leiterin des Ateliers und des Kleinkinderbereichs im ZOOM Kindermuseum, wohnt in Wien Neubau.


Wir lassen unsere InterviewpartnerInnen meist die Orte aussuchen, an denen wir sie treffen. Es sollen Orte sein, an denen sie sich gerne und oft aufhalten. Die Musikerin Eloui hat Wien Simmering als Treffpunkt vorgeschlagen, ihr Proberaum befindet sich dort in unmittelbarer Nachbarschaft zur stadtbekannten Konzert-Location Szene Wien.

Eine unscheinbare Türe in einem Hinterhof führt in den behaglichen Proberaum mit Oberlichten, dekorativen Retro-Möbel und einem großen, analogen Mischpult. In der Ecke flackert in einem Schwedenofen Feuer, am Tisch steht heiße Ingwer-Limonade bereit. Verständlich, dass Eloui einen beträchtlichen Teil ihrer Freizeit hier verbringt.

Eloui

© Sarah Haas

Den Raum teilt sie sich mit einigen befreundeten Bands wie Ash My Love, Panda Pirate oder Bell Etage. „Manchmal ergeben sich Projekte zwischen den Bands, da kommen dann oft interessante Sachen raus“, erklärt Eloui, die mit bürgerlichem Namen Franziska Abgottspon heißt.

Mit Ernst Tiefenthaler, Mastermind von Ernesty International, und Alexander Diesenreiter, Bassist von M185, hat Eloui 2011 das Label EMG (Ernesty Music Group) gegründet. Hier erschienen auch ihre beiden ersten Alben. Die letzten Veröffentlichungen von Ernesty International, Bell Etage und Pendler sowie der Proberaum-Sampler „Rooms From A Song“ kamen ebenfalls bei EMG heraus. Auf dem Album sind alle Bands vertreten, die im gemeinsamen Simmeringer Proberaum proben.

© Konflozius

© Andreas Jakwerth

© Andreas Jakwerth

Eloui kam 1993 nach Wien, um an der Akademie der bildenden Künste Kunsterziehung zu studieren und die Meisterklasse für Tapisserie zu besuchen. Parallel dazu arbeitete sie schon während des Studiums im ZOOM Kindermuseum. Sie begann dort bald, auch Workshops und Ausstellungen zu konzipieren und entwickelte 2001 zusammen mit Elisabeth Limmer den Kleinkinderbereich ZOOM Ozean

Franziska Abgottspon alias Eloui findet die Arbeit im ZOOM nach über 20 Jahren noch immer sehr spannend und anregend. Ein besonderes Anliegen ist ihr „ZOOM 16“, die kleine Expositur des Kindermuseums im Sandleitenhof in Wien Ottakring. „Durch den speziellen Standort und die Nähe zum Flüchtlingshaus Liebhartstal entstehen neue Kooperationen, da tut sich gerade sehr viel und ich finde es wahnsinnig interessant und herausfordernd, für diese Kreativwerkstatt neue Konzepte zu entwickeln“, meint Eloui.

Eloui © Alex Eizinger

In der Freizeit musiziert sie vorwiegend, probt mit den Bands Ernesty International und Thalija oder arbeitet an ihren eigenen Songs, hier meist an mehreren Tracks parallel. Nachdem Eloui ihr erstes Album „Chasing Atoms“ noch alleine eingespielt und produziert hatte, gab es bei den Aufnahmen für das Folgealbum „Tangles And Loose Ends“ bereits Kooperationen mit Musikern, die Schlagzeug, Blas- und Streichinstrumente live einspielten.

Auch bei Konzerten mag sie keine One-Woman-Show mehr sein und lädt andere Musiker ein, mitzuspielen. „Es ist einfach viel lustiger und inspirierender, Konzerterlebnisse mit anderen Bandmitgliedern zu teilen und nicht alleine unterwegs zu sein. Und ich mag es auch sehr, an speziellen Orten zu spielen. In der Schweiz bin ich einmal in einem Schloss aufgetreten. Da kam dann ein Unwetter auf, es hat durch alle Mauerritzen gezogen und das Geräusch von Wind und Regen hat sich mit meinen digitalen Gewitter-Sounds vermischt. Solche Zufälle und kleine Überraschungen mag ich sehr. Aber es hat natürlich auch das Donauinselfest seinen Reiz, wo wir letztes Jahr auf der FM4 Stage gespielt haben, so eine große Bühne ist schon auch sehr super.“

Zu erkennen, dass ihr die Musik besser liegt als die Malerei, hat einige Jahre gedauert, mittlerweile hat sie den Pinsel fast gänzlich gegen Ukulele, E-Bass und Gesang eingetauscht. „Ich experimentiere sehr gerne mit verschiedensten Instrumenten, indem ich Töne erzeuge, diese elektrisch verändere und ,elouisiere‘.“

Ich habe beispielsweise zwar ein Jahr Klarinette gelernt, aber es  klingt überhaupt nicht nach Klarinette, wenn ich versuche, sie im klassischen Sinn zu spielen. Die seltsamen Geräusche, die herauskommen, kann ich aber brauchen, ich bearbeite sie dann so lange, bis das Ergebnis für meine Ohren interessant klingt. Ich mag auch kleine, vermeintlich unscheinbare Alltags­geräusche.

Manchmal fängt ein Song auch mit so einem Zufalls­geräusch an, das mir irgendwo untergekommen ist. Meine eigenen Sounds und Beats nehme ich unterwegs und zu Hause selber auf. Die Aufnahmen von Schlagzeug, Bläsern und Streichern habe ich mit den Tontechnikern Christoph Mateka in Favoriten und mit Philipp Nikodem-Eichenhard in der „Tonkombüse“ in Ottakring gemacht.

Wofür kannst du dich in Wien besonders begeistern? Ich finde, dass die Wiener Musikszene sehr viel lebendiger und offener geworden ist in den letzten 20 Jahren. Es gibt erfreulicherweise mittlerweile auch immer mehr Frauen, die Musik machen. Das ist gut.
Städtebaulich gefällt mir an Wien das Weitläufige. Es ist viel Platz in der Stadt, es gibt große Parks und freie Flächen, das finde ich im Vergleich zu Zürich, wo ich lange gelebt habe, super. Auch dass man mit der Straßenbahn zum Waldrand fahren kann, schätze ich sehr. Vor 20 Jahren fand ich Wien sehr grau und staubig, mittlerweile ist Wien viel bunter und heller geworden.

Wie verbringst du deine Wochenenden? Hauptsächlich mit Musizieren zu Hause, im Proberaum oder bei Konzerten. Ich gehe gerne in den Wald, spaziere über die Steinhofgründe oder die Sofienalpe. Oder ich mache längere Stadtspaziergänge, man wird da immer wieder überrascht von neuen Ecken und Orten, die man noch nicht kennt.

Wo isst man in Wien besonders gut? Mein absolutes Lieblingsrestaurant ist das Tata in der Schottenfeldgasse mit vietnamesischer Fusion Küche. Hier esse ich am liebsten die vegetarischen Summer Rolls, die kleine pikante Kokossuppe und den Mangosalat. Feine Suppen und feine kleine Konzerte gibt es im Augustin.
Beim Kebapstand Berliner Döner an der Ecke Westbahnstraße/Zieglergasse gibt es die absolut besten Falafel-Sandwiches der Stadt. Ein Traum!

Wohin gehst du mit deinem Besuch essen?  Zum Beispiel in die Villa Aurora mit anschließendem Spaziergang am Wilhelminenberg, da sieht man über die ganze Stadt. Oder wenn man was zu feiern hat, in Schreiner’s Gastwirtschaft im 7. Bezirk. Best Grießnockerlsuppe in town!

Wo hat man das beste Eiserlebnis? Im Sommer beim Tichy einen Becher Eis kaufen, sich daneben in den Park setzen und Leut’ schauen.

Wien schmeckt nach … Kaffee!

Gehst du gerne ins Theater? Ja, schon. Mein Vater (Franziskus Abgottspon) ist ja Schauspieler und hat als Theater- und Hörspiel-Regisseur gearbeitet. Ich bin dadurch schon als Kind immer gern ins Theater mitgegangen und auch jetzt steht ein gemeinsamer Theaterbesuch fast immer am Programm, wenn meine Eltern in Wien sind.

Hast du ein Lieblingsmuseum in Wien? Ich mag die Albertina, das Kunsthistorische Museum und das Wien Museum. Und ich kann mich lange in die Mineraliensammlung des Naturhistorischen Museums vertiefen, ein Besuch dort hat oft eine sehr beruhigende Wirkung auf mich. Diese vielen schönen Holzvitirnen mit den kleinen und großen Steinen in allen Farben finde ich sehr faszinierend. Bei den Meteoriten wird mir dann aber manchmal doch ein bisschen schummrig.

Welchen Film hast du zuletzt im Kino gesehen? „Wilde Maus“ von Josef Hader, sehr gut!

Gehst du auch zu Konzerten anderer Bands? Ja, gelegentlich beispielsweise ins rhiz oder Fluc. Neben der Arbeit im ZOOM und dem eigenen Musizieren bleibt allerdings nicht so viel Zeit für Konzertbesuche. Ich lerne andere Bands und deren Musik eher bei gemeinsamen Konzerten kennen.

 


Was ist dein Lieblingssong? 
Mein aktueller Lieblingssong ist „Parlez moi d’amour“, gesungen von Lucienne Boyer. Ich mag eigentlich eher ganze Alben. „From A Sympathetical Hurricane“ von Bobby Sichran, „Meddle“ von Pink Floyd, „Check Your Head“ von den Beastie Boys und „Wonder Wonder“ von Edith Frost sind einige meiner Lieblingsplatten.

Was machst du am Abend gerne? Ich bin nicht so die große Ausgeherin. Im Sommer mag ich es, im Augarten mit Freundinnen und Freunden zu picknicken und Pétanque zu spielen, bis es dunkel wird. Und dann quer durch die Stadt durch die Nacht nach Hause zu spazieren.

Wie entspannst du dich am besten? Beim Spazierengehen. Beim Musizieren. Und natürlich auf dem Sofa, beim Filmschauen oder Lesen.

Eine denkwürdige Nacht in Wien? Ganz klar, Jänner 2017: Die „Heroes – A David Bowie*Prince Tribute Night“ die wir mit EMG in der Szene Wien organisiert haben. Jede der von uns eingeladenen Bands spielte eine Prince- und eine Bowie-Nummer. Bulbul und Sir Tralala waren die absoluten Highlights des Abends und die Aftershow Party in unserem Proberaum wird auch vielen noch lange in Erinnerung bleiben. Der Erlös des ausverkauften Konzerts wurde an Ute Bock gespendet.

Wo kaufst du gerne ein? Am meisten Geld gebe ich wohl für Musikequipment in der Klangfarbe  und bei Musik Vidic aus. Die besten Platten findet man auf Pfarrflohmärkten und in speziellen Plattenläden, gerne gehe ich zu Schallter in der Westbahnstraße.. Bücher kaufe ich in der Buchhandlung Lerchenfeld.
Der Optiker meines Vertrauens ist Müller Optik. Hier habe ich auch zufällig das erste Mal meine eigene Musik im Radio spielen gehört, ich war ganz aus dem Häuschen.
Kleidung kaufe ich eher selten und auch nicht unbedingt gern, ich bin keine leidenschaftliche Gewand-Shopperin. Für meine Bühnenoutfits kaufe ich mir Kleider, die ich dann selber ändere und bemale.

Was ist in Wien verbesserungswürdig? Weniger Autos wären gut. Ich gehe viel zu Fuß, bin mit dem Fahrrad unterwegs und fahre oft mit der Bim. Mit der Straßenbahn 6 tuckere ich gerne vom Proberaum in Simmering zum Urban-Loritz-Platz – das dauert zwar ewig, aber ich mag das. Da sieht man viel von der Stadt und den Menschen.

Was fehlt in Wien? Ein See. (lacht!)

Eloui – These are my Hands

Alexandra Eizinger
Alexandra Eizinger ist Fotografin in Wien. Sie liebt das Sehen und das Sammeln, und das gilt nicht nur für Fotografie. Kein Flohmarkt in der Stadt ist vor ihr sicher.
Nini Tschavoll
Nini fotografiert, schreibt und bloggt digital.
Mag aber auch analog noch immer.

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