Zwischen Umarmung, Ablehnung und verbaler Verschraubung

Die wichtigste Info hat Alexia Weiss gleich auf dem Cover untergebracht. Etwas ausführlicher erläutert die Journalistin das Thema im ersten Kapitel: Jude oder Jüdin ist kein Schimpfwort. Genauso wenig wie Katholikin oder Katholik.

Im weiteren Verlauf des Buches macht sie klar, dass sich weder „Unorthodox“ auf Netflix noch düstere Holocaust-Dokus alleine als aufklärende Medieninhalte zum Thema Judentum und jüdisches Leben in Österreich 2021 eignen.

Alexia Weiss, die für die „Wiener Zeitung“, „WINA“ und die Gewerkschaftszeitung „KOMPETENZ“ schreibt, findet den richtigen Ton für den – für viele – so verzwickten Umgang mit Juden und Jüdinnen im Österreich der Jetztzeit. Denn man kann über fast alles reden, wenn es nicht nur um die Bestätigung eigener Annahmen oder Vorurteile geht, oder ein in Sippenhaft Nehmen für die Politik in Israel.

Aus der Mischung historischer, lebensnaher, zeitloser und aktueller Infos und Anekdoten aus dem Leben und der Gemeinde könnte letztlich eine Art Leitfaden für einen offenen und interessierten Umgang mit Juden und Jüdinnen erwachsen. Dazwischen streut die Autorin Interviews mit Jüdinnen und Juden ein: vom Rabbi über die Historikerin, die Clubbing-Veranstalterin bis zum Immobilienmakler. Und bei der nächsten politischen Ansprache können wir dann schon alle gemeinsam Bingo spielen, wenn wieder von jüdischen MitbürgerInnen die Rede ist.


Jude ist kein Schimpfwort
von Alexia Weiss

Kremayr & Scheriau
190 Seiten
22 Euro


© Beitragsbild: David Holifield

Astrid Kuffner
Astrid ist Wienerin, Working Mum, Wählerin, wählerisch, mag Menschen, Worte und Wale.
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