Auch in Alaska keine Ruhe

Schon mal eine Gruppenreise gemacht? Eine Kreuzfahrt ins Auge gefasst? Nach der Lektüre von Arezu Weitholz „Beinahe Alaska“ werden Sie es sich vielleicht noch einmal überlegen. Wobei: Die Reisegesellschaft besteht nicht nur aus verhaltensauffälligen Rentnern und Rentnerinnen in knalliger Outdoor-Bekleidung, einer mitteilungsbedürftigen Influencerin und einem wichtigtuerischen Autor.

Weitholz ist Autorin, Illustratorin und Journalistin u.a. für den Reiseteil der FAZ und verfasst Songtexte. Sie kennt also ihre Schauplätze.

Die Hauptfigur, eine alleinstehende Fotografin, ist selbst nicht in der besten Verfassung. Sie eignet sich für manche Konversationsthemen schlicht nicht. Sie denkt nach und sucht Ruhe, was auch an Bord eines riesigen Schiffs oft nicht ganz einfach ist. Und dann wendet das Schiff, weil zu viel Eis die Weiterfahrt verunmöglicht...

Arezu Weitholz pflegt eine wunderschöne, präzise und bildreiche Sprache. Ihre Beschreibungen von Innenwelt und Außenwelt sind auf den Punkt, wenn sie etwa das Lineal zur Vermessung des Glücks beschreibt, oder die Kreuzfahrt-AusflüglerInnen in neonfarbenen Sicherheitsanzügen mit Blattläusen vergleicht.

Nebenbei erfährt man einiges über die Menschen und deren Geschichte nahe am Nordpol. Entlang der Reise-Fixpunkte überteuerte Souvenirs, Aufführungen von Folklore-Gruppen und Zwangs-Tischgesellschaft. Ob in der strahlenden Herbstsonne auf einer Bank oder unter der Kuscheldecke auf dem Sofa, insgesamt eine vergnügliche Lektüre


Beinahe Alaska
Arezu Weitholz
mare Verlag 2020
192 Seiten
20,60 Euro

Astrid ist Wienerin, Working Mum, Wählerin, wählerisch, mag Menschen, Worte und Wale.

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In Arezu Weitholz' Roman Beinahe Alaska begibt sich eine ruhesuchende Fotografin auf ein Kreuzfahrtschiff.

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