Schnelle Pionierin auf zwei Rädern

Cenzi (Creszentia) Flendrovsky (1872–1900) war eine Rennradpionierin aus Wien. 1898 tritt sie beim 1. Internationalen Damenrennen Deutschlands in Berlin an.
1900 stirbt sie an den Folgen eines Fahrradunfalls nach einer Dreisitzer-Ausfahrt. In Nachrufen wird Cenzi als Rennfahrerin gehuldigt, die »eine Renntechnik besaß, wie man sie bei keiner anderen findet«. An ihrem Begräbnistag führt ein öffentlicher Trauerzug von ihrem Wohnhaus durch den Wiener Bezirk Favoriten.

Die Historikern Petra Sturm ließ die Rennrad-Pionierin Cenzi Flendrovsky nicht mehr los, seit sie ihr aus einer Radzeitschrift aus dem Jahr 1889 entgegenblickte. Eine junge Frau am Rennrad, die sich im Wien der Jahrhundertwende über die für Frauen geziemlichen Regeln hinweg setzte. Eine junge Frau, die sich vielleicht auch um die gesellschaftlichen Konventionen nicht allzu viel scherte, als sie beim Fahrradfahren die damals gebräuchlichen engen Mieder und die langen schweren Röcke ablegte. Wenn überhaupt, hatten Damen in der Zeit der Wiener Moderne sogenannte Bicycle-Kostüme zu tragen, man kann sich heutzutage gut bequemere Sportkleidung vorstellen.

Im Alter von 24 Jahren tritt Cenzi einem Radfahr-Verein bei. Das Vereinsleben dort gefällt ihr besser als jeder Tanzabend, denn Cenzi will vor allem eines: in die Pedale treten und an Rennen teilnehmen. Ihr erster großer öffentlicher Auftritt im Winter-Velodrom der Stadt Wien wird ein voller Erfolg. Preisgeld gibt es für Frauen freilich keines, das bleibt den Männer vorbehalten. Doch davon lassen sich Cenzi und ihre Radschwestern im Geiste nicht beirren.

1897 ist ihr erstes richtiges Radsportjahr, Cenzis Wettkampf-Kalender ist voll. Doch der Gegenwind der Radsportfunktionäre wird immer heftiger, manche sprechen bereits von Damenwettfahrten als „einem jämmerlichen Schauspiel, das nichts auf dem Rennplatz verloren hat“. Auch männliche Journalisten tragen dazu bei, die sportlichen Leistungen der Radfahrerinnen herabzuwürdigen. Dass dies in eine Sackgasse für den Frauenradsport führte, ist an der Geschichte ablesbar: ab 1900 wurden Frauenradrennen in Deutschland und Österreich für viele Jahrzehnte verboten. Cenzi starb in diesem Jahr im Alter von 28 Jahren an den Folgen eines Radunfalls, wohlgemerkt nicht bei einem Rennen.

Die von Petra Sturm recherchierte Geschichte von Cenzi Flendrovsky basiert auf Fakten. Die Fragen, die sich in der Heldinnengeschichte nicht vollständig klären ließen, hat sie mit historischen Einordnungen und ein wenig Fiktion spannend nacherzählt.

Ein großartig gemachtes Gothic Novel, gezeichnet von Jorghi Poll!


Cenzi
von Petra Sturm und Jorghi Poll
Edition Atelier Wien, 2023
20 Euro


Beitragsfoto: © Jorghi Poll

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