Welkendes Wellnessparadies

Nationalpark Neusiedlersee

Der Neusiedlersee, auch Meer der Wiener genannt, ist in vielerlei Hinsicht besonders. Flach, trüb, salzig, ohne natürlichen Abfluss, in der letzten Eiszeit nicht vergletschert, an einem Zugkorridor gelegen, Teil eines binationalen Nationalparks, um nur ein paar zu nennen.

Der Wasserspiegel von Österreichs einzigem Steppensee sinkt, die Lacken rundum fallen trocken und die Schlagzeilen überschlagen sich.

Ist der See noch zu retten? Was müsste getan werden? Von wem?

Zuletzt ist der See 1865 ausgetrocknet. Damals freute man sich über das Ackerland, doch heute hängen viele Menschen von der Touristik Infrastruktur, der gezähmten Natur und dem Wasserspender ab. Einen seriösen Debattenbeitrag legt nun der Sammelband. „Das Ende des Neusiedler Sees? Eine Region in der Klimakrise. Herausforderungen, Perspektiven, Lösungen“ im Residenz Verlag vor.

Der Neusiedler See ist ein prächtiges Beispiel dafür, wie mit technischem Aufwand eine menschliche Ideal-Vorstellung umgesetzt wird. Das Heulen und Zähneknirschen beginnt, wenn die Nebenwirkungen eintreten. Viele Jahre wurde in Österreich und Ungarn viel dafür getan, um eine „fatale sumpfige Niederung“ trocken zu legen. Und ganz nebenbei von einer extensiven auf eine intensive Landwirtschaft umzusteigen, die Natur zum Anschauen zu schützen, aber auch tausende Gäste zum Wassersporteln und Wein trinken zu empfangen. Jetzt, wo das Ökosystem austrocknet, befeuert vom großen menschgemachten Megaphänomen Klimaerwärmung... siehe oben.

Die gute Nachricht vorweg: Es kann etwas unternommen werden und eine klimafitte Zukunftsregion entstehen. Aber dazu braucht es ein vereintes Vorgehen in beiden Ländern, es braucht Geld, rasche Entscheidungen und radikale Veränderungen in Kombination. Weiter wie bisher wird nicht funktionieren. „Einfache Lösungen“, wie den See mit Donauwasser fluten, wird weitere unerwünschte Nebenwirkungen produzieren. Manche Maßnahmen sind altbewährt, andere klingen unspektakulär, aber abwarten ist keine Option: Hecken gegen den Wind, angepasste Sorten, den Pegel des Einser-Kanals anheben, den Grundwasserspiegel stabilisieren, extensive Landwirtschaft, kontrolliertes Schilf abbrennen...

In vielen gut lesbaren Fachbeiträgen, untermauert mit Karten, Diagrammen und Zahlen, wird Natur und Geschichte des Sees vorgestellt und gleichsam seziert. Nach und nach fügen sich Teile des Lösungsbildes zusammen. Aufgelockert wird das Panorama mit Stimmen vom See: Schilfhandwerker, Paradeiserkaiser, Berufsfischer, Winzer. Wer den See liebt, und das tun ja viele, wird sich engagieren wollen. Und sollte das auch tun.


Das Ende des Neusiedler Sees? Eine Region in der Klimakrise. Herausforderungen, Perspektiven, Lösungen.
herausgegeben von Christian Janisch, Alois Lang und Bibi Watzek
Residenz Verlag
269 Seiten
35 Euro

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