Die Kinder hören Pink Floyd

Alexander Gorkow Autor Foto / copyright: Alessandra Schellnegger Bitte achten Sie bei jeder Veröffentlichung auf die Namensnennung der Fotografin - Danke!

Muss man Pink Floyd lieben um dieses Buch gut zu finden?

Es ist auf jeden Fall kein Nachteil, die Musik der Band zumindest zu mögen. Denn im letzten Drittel des Romans „Und die Kinder hören Pink Floyd“ von Alexander Gorkow verdichten sich die Ausschnitte mit Liedertexten und Songtexten, was bei echten Floydianern umgehend den inneren Plattenspieler/Kassettenrekorder startet.

Der Epilog handelt fast ausschliesslich vom Umgang des gegen Ende des Buches erwachsenen Protagonisten mit der britischen Band Pink Floyd. Für das im Buch beschriebene Interview mit deren Bassisten Roger Waters bekam Gorkow sogar den deutschen Journalistenpreis.

Aber zu weit vorgegriffen, die Handlung dreht sich großteils nicht um Pink Floyd. Die britischen „Kämpfer gegen das Establishment“, so die Schwester des Erzählers, sorgen nur für die konstante musikalische Begleitung. So wie sich Pink Floyd in den 1970ern entwickelten, wird auch der „Junge“ groß. Gemeinsam mit dem Kind 1, seiner herzkranken und von ihm bewunderten älteren Schwester, samt Mutter und Vater in einem Dorf nahe der grossen Rheinstädte.

Dabei erfahren wir von den Skurrilitäten und den damals geltenden Maßstäben des Lebens am Dorf - und seiner Bewohner*innen. Etwa verwundert man sich über die zu dieser Zeit geltenden Berufsbezeichnungen („Fräulein Lehrerin“), die Errungenschaften des guten Lebens (Einbauküche, Citroen DS!) und freut sich über den Vater, der körperliche Züchtigungen gegen seinen Sohn nicht nur nicht hinnehmen will, sondern sogar zurückschlägt.

Das Buch ist auch eine liebevolle Hommage an das eigene Aufwachsen in einer intakten Mutter-Vater-Geschwister-Idylle, trotz aller Vorhöllen, denen man als Zehnjähriger, introvertierten Stotterer ausgesetzt ist. Diese Familie wiederholt sich zwar und redet auch mal aneinander vorbei, aber oftmals gibt es Grundkonsens in den Diskussionen. Beim einen oder anderem Dialog macht es richtig Spass, von aussen zuzuhören.

Der Roman liest sich leicht und lässt auch jene Leser*innen, die nicht in den 1970ern groß wurden, das Lebensgefühl nachempfinden. Dass für viele Adoleszenten dieser Zeit die Musik ein unverzichtbarer, Halt gebender Bestandteil des Aufwachsens war, wird wunderbar nachgezeichnet.

Am witzigsten und genialsten wird das Buch immer dann, wenn der Zehnjährige beobachtet und sich wundert -  und auf seine Weise versucht, zu verstehen und einzuordnen. Gerade diese Passagen machen das Buch empfehlenswert – auch wenn man kein eingeschworener Pink Floyd-Fan ist.


Die Kinder hören Pink Floyd
von Alexander Gorkow
Kiepenhauer und Witsch Verlag 2021
192 Seiten
20 Euro


Gelesen (und mitgesummt) von Willi Schäfer.

Beitragsbild: © Allesandra Schellnegger

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