Erinnerungen einer Tochter

Sarah Biasini ist Romy Schneiders Tochter. Am Tag, an dem das Grab ihrer Mutter geschändet wird, beginnt sie, sich intensiv mit deren Tod auseinander zu setzen.

Was man ihr als Vierjährige ersparen wollte, kann sie nun als erwachsene Frau im kleinsten Kreis nachholen: Der Grabstein wird neu gesetzt und sie begräbt ihre Mutter ein zweites Mal. Diesmal kann sie sich verabschieden.

Kurz darauf wird sie, nach vielen erfolglosen in vitro-Versuchen, auf natürlichem Weg schwanger. Drei Wochen vor der Geburt ihrer eigenen Tochter beginnt Sarah Biasini, ihrem noch ungeborenen Kind zu schreiben. Sie selbst hat kaum Erinnerungen an ihre Mutter, nur private Fotos und Erzählungen zeugen von einer viel zu kurzen Beziehung. In Rückblenden erzählt sie, wie sie in ihrer Kindheit und Jugend die Filme der Mutter auf VHS Kassetten sah. Wie sie sich fragte, wieviel ihre Mutter von sich selbst einbrachte, wenn sie Marianne (Der Swimmingpool) oder Hélène (Die Dinge des Lebens) verkörperte.

Über die junge Romy Schneider in den Sissy-Filmen musste sie als Kind lachen, doch später interessiert sie sich mehr für die Zeit, als die Mutter den Vater, Daniel Biasini, kennen lernte. Schmerzhaft ist auch der Verlust ihres Halbbruders David Biasini, der als Kind tragisch verunglückte, was ihre Mutter nicht verwand.

„Mama ist gegangen, um bei David zu sein“, erklärt ihr der Vater nach dem Tod Romys. Heute hat sie für sich die Worte gefunden, die sie als Kind nicht hörte  - und sie stellt sich ihnen. Sie sagt dann etwa: „Ich kenne den Tod gut, und niemand kann ihn so gut kennen wie ich. (…) Ich war Zeuge, ich habe ihn erlebt.“

Sarah Biasini schreibt berührend und gefühlvoll von ihrem alten Leben für ein neues Leben, ihre kleine Tochter. Sie soll über ihre Mutter Bescheid wissen. Anders, als es ihr selbst vergönnt war.


Die Schönheit des Himmels
von Sarah Biasini
Zsolnay 2021
192 Seiten
22 Euro


Beitragsbild: © Patrice Normand

Nini Tschavoll
Nini schreibt, fotografiert und bloggt digital.
Mag aber auch analog noch immer.
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