Mit der Zeitmaschine durch die Allneunziger

Vanja (die Jüngste), ihr Bruder Marko und Kasandra aus dem Belgrader Stadtviertel Banovo brdo schlagen sich so durch.

Bei den meisten Highscores ihres Viertels können sie nicht mitspucken: bei der Markenkleidung, bei der Wohnadresse, beim Rauchen, beim Prügeln, beim „die-richtigen-Menschen-kennen“.

Wobei: Fluchen und Verfluchen kann Kasandra wie ein Einser. Sie geraten in eine Zeitmaschine. Ähnlich wie bei „Zurück in die Zukunft“ ist die heikelste Aufgabe, sich so zu verhalten, dass sich nur die richtigen Dinge in der Zukunft ändern. Sie müssen einen Porsche und einen goldenen Krokodil-Medaillon zusammenführen, um in ihre Wunschzeit zu reisen. Denn wer will noch einmal erleben, was aus eigener Anschauung bereits bekannt ist? Etwa die massive Geldentwertung, Embargokuchen oder Bombenalarm.

Barbi Marković hat ein ganzes Spiel rund um das Buch konzipiert. Sie seziert, was recht konkrete Erinnerungen ihrer Generation sind. Mit viel Subtext, einigem Überdrüber und dazwischen Tragikomik. Wer kennt noch die Diesler?


Die verschissene Zeit
von Barbi Marković
Residenz Verlag
304 Seiten
24 Euro


Beitragsbild: © Apollonia Theresa Bitzan

Astrid Kuffner
Astrid ist Wienerin, Working Mum, Wählerin, wählerisch, mag Menschen, Worte und Wale.
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