Feminismus gibt’s nur unbequem

Das ist natürlich ein bisschen polemisch, aber im Buch von Beate Hausbichler „Der verkaufte Feminismus“ erklingt eine Warnung immer wieder: Markttauglicher Feminismus ist keiner. Ihre zweite Diagnose: als Frau gleich gestellt zu werden wird weg von gesetzlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen hin zur individuellen Frau delegiert.

Und wenn wir sonst nix optimieren müssen, dann wenigstens unsere Einstellung. Wer sich nur genug anstrengt und alle Tipps beherzigt, bekommt das hin.

Der internationale Frauenkampftag am 8. März ist gerade wieder durchs Land gezogen mit seinen unvermeidlichen Shopping-Angeboten, Schokotafeln und Blumenspenden

Irgendwie ist großen Markenartikelunternehmen gesickert, dass die Hälfte der Bevölkerung weiblich und daher eine recht große Zielgruppe ist. Auch wenn sich in den Führungsetagen nichts bewegt, kann man immer noch starke, selbstbewusste Frauen ins Zentrum von Kampagnen stellen, um mehr zu verkaufen (Fem-Washing).

Alles geht sich aus: von Body Positivity bis Hygieneartikel & Bodylotion, von Körperbehaarung bis Konsumkredit. Wer hat noch einmal die stark bearbeiteten Bilder in die Werbewelt gedrückt und schickt kaum je Frauen mit Größe 40 auf den Laufsteg? Wer gendert Waren, die gar keine unterschiedlichen Editionen brauchen, z.B. Lego oder Kugelschreiber?

Firmen lassen es mit ihren Kampagnen so aussehen, als wäre Feminismus ein abgeschlossenes Projekt und das Problem gelöst. „Ein feministischer Anstrich, ein kommerzieller Nutzen und die Individualisierung eines Problems: Das sind die Zutaten für einen neoliberalen Feminismus, der keiner Politik, keinem Konzern auf die Füße tritt. Er ist zwar sehr präsent und klingt schon mal kämpferisch, viel mehr aber auch nicht“. Und selbst wenn der Blick auf ein wichtiges Thema gerichtet wird, fängt schon das Rumgedeute an, wer denn nun wirklich was dazu sagen darf und kann. Gerne wird dann jenen eine Bühne geboten, die kein Problem haben. Und über Zahlen diskutiert, statt über die notwendigen Schlüsse und politischen Konsequenzen daraus.

In drei Kapiteln seziert die langjährige dieStandard-Autorin Beate Hausbichler markttauglichen Feminismus: die pseudofeministische Warenwelt, Feminismus in Medien auf Quote und Klicks optimiert, und markttaugliche Frauennetzwerke. Sie schreibt über aktuelle Werbekampagnen, Popkultur (Gilmore Girls), Social Media Kampagnen (#Metoo) und Netzwerke (The Wing) und richtet dabei den Blick auf jene, die nicht mitgenommen, eingeladen oder repräsentiert werden. Das ist nicht immer angenehm zu lesen. Denn wer hat noch nie einen starken Oberarm oder ein Daumen hoch unter ein Social Media Posting gesetzt? Wir gehen doch alle gerne mit unseren Erfolgsstorys hausieren.

So verkommt „Feminismus zur Lebensberatung, zu einem Werkzeugkasten für ein individuell glücklicheres Leben. Doch es ging bei der Frauenbewegung nie um Glück. Es geht um gerechtere Lebensbedingungen für alle“. Beate Hausbichler lädt mit ihrem Buch dazu ein, unbequem zu bleiben. Die Ochsentour zu machen und uns in der blinkenden Unterhaltungswelt und von sozialen Medien nicht ablenken zu lassen. Wenn frau auf den letzten Seiten schon eher verzweifelt ist, wie denn nun Feminismus breitenwirksam gemacht werden könnte, lobt Hausbichler tatsächlich eine Organisation: Das Frauenvolksbegehren 2.0.


Der verkaufte Feminismus.
Wie aus einer politischen Bewegung ein profitables Label wurde
von Beate Hausbichler

Residenz Verlag
224 Seiten
22 Euro

Nini Tschavoll
Nini schreibt, fotografiert und bloggt digital.
Mag aber auch analog noch immer.
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