Terra incognita mit Haupstadt Tirana

Schon beim Lesen des Vorworts hat MadameWien sehr viel über Albanien gelernt. Und euch wird es ähnlich gehen. Warum wissen wir so wenig über dieses europäische Land? Das liegt wohl nicht zuletzt an Langzeitdiktator Enver Hodxa, der es paranoid abschottete wie sich selbst.

Albanien blickt zudem auf die jahrelange Besetzung durch verschiedene Nachbarstaaten, drei Religionen, eine zunächst verbotene eigene Sprache und eine starke Diaspora, dazu die stete Nennung in Zusammenhang mit Armut, Auswanderung, Drogenschmuggel, dem Konfliktgebiet Kosovo.

Franziska Tschinderle nimmt uns in ihrer noch einmal erweiterten Reportagesammlung mitten hinein. Sie beherrscht, was gehaltvolle und gleichzeitig leichtfüßige Texte ausmacht: Zeit, Erfahrung, Beobachtungsgabe, Verdichtung, Hintergrundwissen. Sie spricht mit vielen verschiedenen Menschen, ordnet ein, macht Lust und ist seit Jahren auf diese Region spezialisiert.

Nach der Lektüre werden Blloku, der einzige europäische Referenzfluss, der Lotterieaufstand, touristische Hotspots, Europaeuphorie und zentrale politische Figuren einfach so hängen geblieben sein. Und ihr werdet genauso gespannt auf die Entwicklung des Landes zwischen Bergen und Meer sein wie MadameWien.

Albanien. Aus der Isolation in eine europäische Zukunft
von Franziska Tschinderle
Czernin Verlag
231 Seiten
23 Euro

Beitragsfoto: Christoph Liebentritt

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