Hunde riechen mehr als Menschen

Der Titel des neuen Buches von Rachel Elliott „Bären füttern verboten“, erschienen bei mare, führt auf die falsche Fährte. MadameWien konnte kein passendes Sprichwort finden, es ist aber wohl in Richtung innerer Dämonen zu verstehen.

Jedenfalls kommt kein einziger Bär vor und die Handlung spielt auch nicht in Kanada. Der größte Teil des Plots spielt im erfundenen Ort St. Ives in England, an Klippen und Meer.

Dafür bekommen die zwei Hunde Stuart und Otto eine Stimme, auch Otter und ein Hängebauchschwein spielen eine Rolle und mit Verstorbenen werden ausführliche Dialoge geführt.

Gleich zu Beginn stirbt Andy in einem Bett im Kaufhaus beim Probeliegen. Später stirbt die Mutter von Sidney und Jason, die Ehefrau von Howard. Der Rest der Handlung spielt drei Jahrzehnte später und dreht sich um die Hinterbliebenen und welchen Lauf ihr Leben genommen hat.

Die Autorin ist ausgebildete Psychotherapeutin und weiß um die untergründigen Verläufe von (unausgesprochenen) Kränkungen, Verlusten, Schuldgefühlen und Enttäuschungen. Witwer, Waisen, die ungeliebte Ehefrau, nicht gelebte Leben und enttäuschte junge Menschen in der Bewertungs-Gesellschaft bevölkern die Geschichte.

Ihre Wege kreuzen sich als die 47-jährige Freerunnerin Sydney Smith von einem Dach springt und mit einigen Promille zuviel und jeder Menge Schuldgefühlen ihr anvisiertes Ziel verfehlt. Trotz der tragischen Ausgangslage ist es das Werk heiter-versöhnlich. Denn am Ende wird alles gut, ganz ohne Plattitüden.


Bären füttern verboten
von Rachel Elliott
Aus dem Englischen von Claudia Feldmann
mare 2020
336 Seiten
22,70 Euro

 

Beitragsbild: Mimi Hart

Astrid ist Wienerin, Working Mum, Wählerin, wählerisch, mag Menschen, Worte und Wale.

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