Wegsperren ist keine Inklusion

Inklusion ist in aller Munde, verkommt aber zum sinnentleerten Buzzword, das ganz viel Bereitschaft suggeriert.

Um es mit Leben zu erfüllen, brauchen wir in Österreich konkrete Maßnahmen, weniger Bevormundung und viel mehr Geldmittel.

Wie kann es sein, dass beim Erdenken von Konzepten die Betroffenen gar nicht zu Wort kommen?

Die UN-Konvention über Rechte von Menschen mit Behinderungen wurde 2006 von Österreich unterschrieben. Doch 2023 sind Sonderschulen, Behindertenwerkstätten, Heime mit Einzelbetten und unverschließbarer Tür, auch Sterilisation und „Licht ins Dunkel“ mit der Tränendrüsen-Gala noch Realität. Menschen mit Lernschwierigkeiten und Behinderungen bekommen für tägliche Arbeit ein Taschengeld, sie werden von der Schule geschickt, wenn sie gerade am meisten profitieren würden. Betriebe kaufen sich frei von der Pflicht, jedem Menschen eine Chance zu geben.

Kein Wunder, dass Fachausschüsse, die die Umsetzung der UN-Konvention prüfen, keine guten Zeugnisse ausstellen Der Kapitalismus ist nicht darauf ausgerichtet, ein gutes Leben für alle zu bieten. Wer nicht funktioniert und beiträgt, ist leider nicht dabei. Hannah Wahl legt den Finger in diese Wunde und ihre Streitschrift „Radikale Inklusion“ im Leykam Verlag vor. Es lässt sich der Eindruck nicht vermeiden, dass behindertengerecht ganz einfach menschengerecht heißen könnte. Abgesehen davon, dass jeder und jede plötzlich zu den Ausgeschlossenen dazugehören könnte.

Wer sich nicht vorstellen kann, wie der Alltag in Österreich für Menschen mit Behinderungen und oder Lernschwierigkeiten aussieht, dem empfiehlt MadameWien ein Abo von andererseits.org. Und hier ist für wirklich alle verständlich die Zusammenfassung des Plädoyers in einfacher Sprache.


Radikale Inklusion. Ein Plädoyer für Gerechtigkeit
von Hannah Wahl
Leykam Verlag
128 Seiten
14,50 Euro


Beitragsbild: © Minitta Kandlbauer

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