Wenn die Wahrheit ans Licht kommt

Raffaella Romagnolo schreibt im Nachwort, dass sie nach ihrem letzten Roman Masnà, der einen langen Atem brauchte, etwas schreiben wollte, das im Hier und Jetzt spielt.

Und so ein unmittelbares, gegenwärtiges, (ein)dringliches Werk ist ihr mit „Dieses ganze Leben“ gelungen.

MadameWien hat die 265 Seiten in einem Zug gelesen.April, Mai, Juni- nur drei Monate umfasst die Handlung.

Paola, Tochter aus sehr wohlhabendem Haus, erfüllt das Rich-Kid-Klischee, was die umgebende Dingwelt und Ausstattung betrifft. Aber eben nur an der Oberfläche.

Innen ist sie eine Wahrheitsfanatikerin, eine Menschenkennerin und eine Literaturliebhaberin. Die Sechzehnjährige findet sich hässlich (zu groß, zu fett, mit Pferdegesicht) und wird in der Schule gemobbt. Die schöne Fassade ihres Zuhauses bröckelt mächtig in diesem Sommer. Der Teenager will endlich wissen, was gespielt wird. Woher kommt der sagenhafte Reichtum? War der Dottore wirklich so ein Wohltäter, wie sein Nachruf behauptet? Was ist mit dem Gärtner? Und was ist mit ihrem Bruder Riccardo?

Die Mutter scheint sich außer Haus am wohlsten zu fühlen, der Vater arbeitet viel und schließt sich Zuhause gerne im Arbeitszimmer ein, die Oma ist kaufsüchtig. Aber alle haben immer einen guten Ratschlag für Paola parat. Mit ihrem jüngeren Bruder, der im Rollstuhl sitzt und manche Dinge wohl nie lernen wird, tritt Paola kleine Fluchten an. Nicht in den Golfclub, oder zum Shoppen. Sondern direkt in das Sozialwohnungsviertel, das ihre Mutter hasst. Dort wohnt Schulkollege Antonio, der sich für Paola ernsthaft zu interessieren scheint...

Große Leseempfehlung!


Dieses ganze Leben
von Raffaella Romagnolo

Diogenes Verlag
267 Seiten
22, 70 Euro

Astrid Kuffner
Astrid ist Wienerin, Working Mum, Wählerin, wählerisch, mag Menschen, Worte und Wale.

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