Einzigartige Einblicke in dunkle Wiener Ecken

Es gibt immer noch mehr über die Heimatstadt, die Sprache, die Menschen, die Geschichte und ihre Verbindungen zur Gegenwart zu erfahren. Die letzte Entdeckung: Das Wort „Krimineser“ für Kleinkriminelle, Lumpen und Strizzis leitet sich von der Krim ab, einem vormaligen Elendsquartier im heutigen Döbling. So steht es im Buch „Dunkle Ecken“ von Höhlenforscher Robert Bouchal und Historiker Johannes Sachslehner.

Die beiden nehmen uns mit in Bunker, Verliese, Tatorte, Keller, Hinterzimmer, Nervenheilanstalten und andere unbeleuchtete Ecken von Wien. Sie lüften Geheimnisse abseits von Gemütlichkeit und Walzerseligkeit. Teils bieten die beiden Autoren unwiederbringliche Einblicke vor der Zerstörung eines Ortes, teils sind die Schauplätze für die Öffentlichkeit nicht einfach zugänglich. In manchen Kellern finden sie nur Staub auf Weinflaschen, hinter anderen Türen klebt Blut an der Wand und Elend liegt in der Luft.

Wir begegnen auf dem Weg Persönlichkeiten wie Sozialdemokratin Käthe Leichter, Widerstandskämpferin Katherina Smudits, Oberst Alfred Redl oder Schauspieler Alexander Giradi. Wir erfahren, wer aller in einer Nervenheilanstalt untergebracht und behandelt wurde und wie Ignaz Semmelweis vermutlich zu Tode kam. Es entpuppen sich Lebensverhältnisse und Liebesverhältnisse, Infrastrukturen und Grausamkeiten.

Auch geografisch kommt man in der Stadt herum: vom Gestapo Hauptquartier im Hotel Métropole am Morzinplatz, über Schloss Neugebäude und das Arsenal bis zum jüdischen Friedhof in Währing oder dem Schlachthof in St. Marx. Man bekommt Lust auf Google Earth Luftbilder und Lokalaugenscheine, wo diese möglich sind. Ein abgerundetes Bild der Stadt – inklusive Dark Side of Vienna.


Dunkles Wien.
Orte des Schreckens und des Verbrechens
von Robert Bouchal und Johannes Sachslehner

Styria Verlag
192 Seiten
27 Euro


 

Beitragsbild: Jacek Dylag/unsplash

Astrid ist Wienerin, Working Mum, Wählerin, wählerisch, mag Menschen, Worte und Wale.

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