Tell toll erzählt aus 20 Perspektiven

Hand aufs Herz: Wer weiß mehr von Wilhelm Tell, als dass der Mann mit der Armbrust einen Apfel auf einem Scheitel teilte und Schweizer war?

Gepaart mit dem diffusen Verdacht, dass der Landvogt nie beliebt, Wildern verboten und das Leben als Bergbauer im 14. Jahrhundert hart war.

Mit etwa diesem Vorwissen setzte sich MadameWien mit „Tell“ von Joachim B. Schmidt auf die Couch. Und legte das Buch erst wieder aus der Hand, als es zu Ende war.

Durch den Kunstgriff die Saga des Schweizer Nationalhelden aus der Perspektive verschiedener Menschen fortlaufend zu erzählen, wird es zu einem atemlos spannenden Stück. Der Habsbuger Landvogt Gessler erzählt ebenso, wie Wilhelm Tell, der Dorfpfarrer, die Großmutter, der Sohn, auf dessen Scheitel der Apfel platziert wurde oder der Brutalinski Harras. Die Beteiligten bekommen so Motive und Tiefe, ihre Beziehungen werden beleuchtet.

Der Stoff wirkt so weniger heroisch, ist nicht zitabel („durch diese hohle Gasse muss er kommen“) wie im Theaterstück von Friedrich Schiller, aber eben auch unmittelbarer und berührender. So nah kommen einem Nationalhelden nicht so schnell. „The Revenant in den Alpen und Game of Thrones in Altdorf“ so beschreibt es der Klappentext.


Tell
von Joachim B. Schmidt
Diogenes Verlag
288 Seiten
23,70 Euro


Beitragsbild: © Eva Schram/Diogenes Verlag

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