Würdigung des Semmering

Wolfgang Kos, ehemaliger Direktor des Wien Museums, beschäftigt sich nicht das erste Mal mit DER Sommerfrische Destination des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, die gerade wieder aus einem Dornröschenschlaf zu erwachen scheint. Rasch wird klar, worin die Unterschiede zwischen „Semmering“ und „der Semmering“ bestehen, welchen Ruf, weit über schnöde Gemeindegrenzen hinaus die Landschaft in den Voralpen genoss.

„Der Semmering. Eine exzentrische Landschaft“ aus dem Residenz Verlag holt mit leichter und informativer Hand EinsteigerInnen und Fortgeschrittene im Thema ab.

Rund 35 Kapitel, angenehm lesbar, schön gestaltet und thematisch gefasst, erzählen facettenreich von Anfang an. Den ersten Gästen und vom Bau der Semmeringbahn, erdacht von Carl Ritter von Ghega, ausgeführt von 15.000 bis 20.000 ArbeiterInnen, von Tourismusgeschichte, vom Wiener Stamm-Publikum und den Gepflogenheiten der Sommerfrische über mehrere Jahrzehnte. Von Aufstieg und Fall, Glanz und Kehrseiten des heute als UNESCO Weltkulturerbe geführten Gesamtkunstwerks.

In nur sechs Jahren Bauzeit (1848 bis 1954) entstand die Trasse der Gebirgsbahn, eine Ingenieursleistung, die bedeutete sich jeden Tag auf noch Unbekanntes einzustellen. Man fragt sich, warum es 150 Jahre später so lange braucht, den Basistunnel unter der lieblichen Landschaft durchzugraben. Zwei Stunden von Wien entfernt entstand eine Landschaftsinszenierung und in ihr eine Inszenierung der Wiener Gesellschaft außerhalb von Wien.

Wolfgang Kos schaut mit uns in die Grand Hotels und die privaten Villen, er erzählt von bekannten Persönlichkeiten und welche Funktion der Semmering in ihrem Leben einnahm. Von der Vertreibung jüdischer Familien und Verfall, von Engstirnigkeit und Großherzigkeit. Ein Vergnügen, das man auch in Etappen genießen kann. Ein Buch, das man auch stückweise je nach Gusto zur Hand nimmt.

 

Der Semmering. Eine exzentrische Landschaft.
von Wolfgang Kos

Residenz Verlag 2021
256 Seiten
34 Euro


Beitragsbild: © Magdalena Baszuck

Astrid Kuffner
Astrid ist Wienerin, Working Mum, Wählerin, wählerisch, mag Menschen, Worte und Wale.
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