Wunden statt Wunder

Goran Ferčec, geboren 1978 in Kroatien nahe der ungarischen Grenze, legt mit „Wunder wird es hier keine geben“ (Residenz Verlag) seinen ersten Roman vor.

Autorin Mascha Dabić hat ihn ins Deutsche übersetzt und lässt uns so an einem sprachlich ungewöhnlichen Bericht über die Folgen des Krieges in Ex-Jugoslawien teilhaben.

Das Denken, der Körper, die Seele und die Sprache der Hauptfigur Bender sind offenkundig verheert.

Bender heißt anders, aber dieser Name steht auf dem Türschild seiner Wohnung in der Stadt. Und Namen, das lernen wir, sind wichtig. Sie ermöglichen eine grobe Unterscheidung in Freund und Feind. Wunder wird es im ehemaligen Kriegsgebiet außerhalb der Metropolen bis auf weiteres nicht geben. Vielmehr Landminen, verlassene Dörfer, verwilderte Hunde und ebensolche Menschen.

Einer davon ist Benders Vater, den der Sohn nach einer recht zähen ersten Buchhälfte, in der sich der Junior nicht richtig aufraffen kann, besucht. Die Mutter ist nämlich verschwunden. Vermutlich ist die Verfasstheit der Hauptfigur total verständlich, aber über sein Schicksal wird man nicht richtig aufgeklärt. Es bleibt ein Eindruck zwischen Verfolgungswahn, Depression und Verwahrlosung.

Auf dem Klappentext wird ein existenzialistisches Meisterwerk angekündigt. Und ja: Die Figuren existieren, aber eben nicht viel mehr. Im Zusammenspiel mit dem Vater und der rätselhaften jungen Zugbekanntschaft gewinnt die Lektüre an Schwung- es braucht aber Durchhaltevermögen. Insgesamt sehr deprimierend, denn Kriegsfolgen sind nicht heiter. Vielleicht emotional besser anschlussfähig und wiedererkennbar für Menschen, die unmittelbar vom Krieg betroffen waren und noch sind


Wunder wird es hier keine geben
von Goran Ferčec
Residenz Verlag
284 Seiten
22 Euro


Beitragsbild: © Matija Ferlin

Astrid Kuffner
Astrid ist Wienerin, Working Mum, Wählerin, wählerisch, mag Menschen, Worte und Wale.
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