Zwischen Selbstbestimmung und Hexenprozess

Sophie Reyer ist Spezialistin für das Innenleben längst verstorbener Frauen, wie etwa Jeanne D’Arc.

Sie versetzt uns zurück ins Wachsen, Wirken, Widerstand und Wollen von eigenständigen Frauen aus drei Epochen und verknüpft sie mit einer Ich-Erzählerin.

Walpurga Hausmännin war eine Hebamme im 16. Jahrhundert, die als Hexe verfolgt wurde und über die vermutlich am wenigsten individuell bekannt ist. Wer sich mit Kräutern auskannte, nachts unterwegs war und Frauen in Notlagen half, hatte damals keine guten Karten.

Charlotte-Rose de Caumont de La Force, eine adelige Schriftstellerin im 17. Jahrhundert, verfasste den Vorläufer des Märchens ‘Rapunzel’. Schreiben durfte sie natürlich nicht, sondern als Gesellschaftsdame bei Hof unterhalten, unterwürfig sein, still und Hochzeitsverschubmasse.

Dritte im Bunde ist Susanne Wenger, geboren 1915 in Graz, deren Kunst bei den Nazis als „entartet“ galt, und die nach dem Zweiten Weltkrieg in Nigeria als Künstlerin und Yoruba-Priesterin wirkte.

Reyer destilliert aus den drei Biografien Gemeinsamkeiten heraus und legt so offen, was „widerständige Weiber“ zwischen Vergangenheit und Gegenwart verbindet. Elfen, weise Frauen, Ammen und Tratschweiber inklusive.


Hexensommer. Eine Dissoziation in drei Leben
von Sophie Reyer
edition Keiper
292 Seiten
25,95 Euro


 

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