Die elefantastische Angie

Angie Rattay (c) Stefan Knittel
Angie Rattay fotografiert von Stefan Knittel

Name Angie Rattay, geboren 1977 in Wien, aufgewachsen in Wien-Donaustadt, lebt in Wien-Neubau, Beruf(ung) Umweltaktivistin, Netzwerkerin und Grafikdesignerin


Sie habe ein Gedächtnis wie eine Elefantin, sagt Angie Rattay und beweist es auch gleich, indem sie sich an ein Treffen vor fast 10 Jahren erinnert, bei den allerersten „ERDgesprächen“, Freda Meissner-Blau war dabei und Michael Braungart und es war überhaupt eine ganz aufregende Sache. Die ERDgespräche, das Netzwerk-Event, das alle jene zusammenbringt, die sich für die Zukunft des Planeten interessieren und engagieren.

„Es ist vermutlich“, sagt Angie Rattay, „die größte Öko-Veranstaltung im deutschsprachigen Raum, die zum Großteil mit ehrenamtlicher Arbeit bewältigt wird.“ Mittlerweile sind die ERDgespräche 10 Jahre alt, am 27. April treffen sich wieder Vortragende, Interessierte, Ökopioniere und Aktivisten aus aller Welt und diskutieren, hören zu, tauschen sich aus. Waren es 2008 noch 135 Leute, sind es mittlerweile über 900, die sich zu den ERDgesprächen einfinden.

Diese Entwicklung war weder abzusehen noch geplant, während Angie Rattay in der Grafikklasse der Angewandten studierte.
Doch ihr Diplomprojekt gab für all das, was danach kommen sollte, den Anstoß. 

Die „Gebrauchsinformation für den Planeten Erde“, eine Box, ähnlich einer Tablettenschachtel, die im Stil von Beipackzettel Informationen zur Benutzung des Planeten enthält. Für diese erhielt Angie Rattay neben einigen Auszeichnungen (wie dem reddot design award oder dem european design award) auch jede Menge Aufmerksamkeit und Anerkennung, positive Nebenwirkungen, sozusagen.

„Ich wollte das, was ich als Grafikerin lerne, immer dazu nutzen, Gutes zu tun“, sagt sie, „nicht, um Dinge an Menschen zu verkaufen, die das gar nicht brauchen, für Geld, das sie gar nicht haben.“

Vielmehr wollte sie Botschaften vermitteln. Ihre Gebrauchsinformation schlug, kaum erschienen, hohe Wellen. Hunderte Anfragen kamen – von „ganz normalen Leuten“, wie sie erzählt. Punks, alleinerziehende Mamas, LehrerInnen, SeniorInnen, Medien- und Filmleute oder auch der heutige Bundespräsident, der die heurigen ERDgespräche eröffnen wird.

Die Auflage von 10.000 Stück war gegen freie Spenden unter die Leute gebracht, das Geld, das sie einbrachte, wurde zum Grundstock des Vereins „Neongreen Network“, unter dessen Dach die ERDgespräche organisiert werden. Der Verein, der hauptsächlich von engagierten Freiwilligen getragen wird, hat seine Basis in Angie Rattays Wohnbüro in der Zollergasse, Wien-Neubau. Hierher wurde sie zufällig gespült.

„Auf die Idee wär ich nie gekommen, ich bin ja ein echtes Gemeindebaukind aus dem 22. Bezirk.“ Warum auch immer – sie scheint hier jedenfalls angekommen zu sein, in der gemütlichen Wohnung mit Dachschrägen, wo selbst entworfene Palettenmöbel und ständig neue Ideen, Pläne und Visionen entstehen.

All dies umringt von jeder Menge Bücher und, Angies Leidenschaft, Landkarten, Pflanzen und asiatischen Gottheiten wie dem indischen Elefantengott Ganesha zum Auf-den-Finger-stecken, Bildern und Skulpturen von Elefanten (das mit den Elefanten, das hat sich irgendwie so entwickelt).

Und natürlich lebt und arbeitet sie hier mit ihrem Lebensgefährten Adam, der nicht nur Teil von Neongreen Network, sondern auch Greenpeace-Aktivist, Enkelsohn von Grünen-Mitgründerin Freda Meissner-Blau und Herrchen des gemeinsamen Hundes Mike ist.

Rattay Angie fotografiert von Stefan Knittel

Mit Mike an der selbst gebastelten Leine geht Angie eine Runde um den Block, der Glaserer unten am Eck ist ihr Vermieter und die Blumenläden in ihrem Grätzel kennen und lieben sie als Stammkundin.

Sie grüßt den Othmar, Inhaber vom „St. Josef“, dem „besten Bio-Laden der Stadt“, der ihrem Verein Neongreen auch schon einmal den Kartoffelkeller auf der anderen Straßenseite als Lagerraum zur Verfügung gestellt hat.

Erfinderisch ist sie, die Frau mit dem elefantastischen Gedächtnis, und immer voller Ideen. Ein Pop-up-Park ist ihr nächster Plan, Anfang Juli, in der Mondscheingasse. Gleich nach den ERDgesprächen mitsamt Rahmenprogramm geht sie das an.

Was liest du im Moment? „Don't Trust, Don't Fear, Dont't Beg“ von Ben Stewart.

Welchen Film hast du zuletzt gesehen? „The Ivory Game“ auf Netflix.

Dein Lieblingsfilm? Ich liebe Star Wars. Und Superhero-Filme wie Batman oder Superman.

Was läuft gerade auf deiner Playlist? „Tok Tok Tok“

Für welchen Verein schlägt dein Herz? Natürlich für meinen Verein Neongreen Network.

Dein Lieblingslokal? Brunchen am liebsten im Café Siebenstern, Mittagessen im St. Josef und Abendessen im Tian Bistro: Der Spittelburger ist der beste Burger der Stadt.

Wie entspannst du am besten? Auf dem Sofa liegen, einen Film schauen, in der Natur.

Deine liebsten Shoppingadressen? Die Blumenläden im Grätzel, und für mich als Do-it-yourself-Queen natürlich der Petzolt, Ecke Burggasse/Neubaugasse.

Was findest du an Wien inspirierend? Wien ist klein genug, um etwas zu bewegen, eine Community aufzubauen und zugleich groß genug, um einen Impact zu haben. Wien hat einen starken Magnetismus auf viele Menschen, das spüre ich bei den Vortragenden, die wir zu den ERDgesprächen einladen.

Die 10. ERDgespräche fanden am  27. 4. 2017 im  Museumsquartier in der Halle E statt.

neongreen.net

 

 

Stefan Knittel
Stefan besitzt keinen Blitz, dafür hat er den Blick fürs Wesentliche. Meistens fotografiert der Wiener Fotograf Menschen, die etwas zu erzählen haben. Er liebt Tageslicht, Fahrradfahren und den Wienerwald.
Ursel Nendzig
Ursel ist gelernte Wienerin (was man ihr aber nicht anhört) und auch nach vielen Jahren noch frisch verliebt in ihre Stadt. Mit ihrer Familie lebt sie in Liesing. Hier schreibt sie Reportagen, Kolumnen und Bücher. Und sammelt Einkaufszettel fremder Menschen.

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