Wiener Wörter

Wiener Fiaker fotografiert von Lukas Ilgner

MadameWien mag den Wiener Dialekt in all seinen Facetten. Die Madame möchte zwar festhalten, dass sie auf ein gewisses Niveau doch einen Wert legt, aber die Wiener Wörter gehören nun einmal zur Stadt wie die Panier zum Wiener Schnitzel. Deswegen bietet die Madame hier Platz für Notiz-Zetterl aller Art. Damit vor lauter amerikanischem Fernsehen mit deutscher Synchronisation nicht alles in Vergessenheit gerät.

Wie sagte schon Friedrich Torberg: "Deutsch ist die gemeinsame Sprache, die Deutsche und Österreicher trennt." 

Dem möchte die Madame ein wenig entgegenwirken und bittet um Zusendung origineller Begriffe. Am besten gleich mit Übersetzung ins Deitsche Deutsche.
Viel Spaß damit!

 

Mailüfterl, das: eine leichte, noch frische aber doch schon laue Brise, die im Mai bei Schönwetter durch die Stadt weht.

Internationale Bekanntheit erlangte das Wort in folgendem Zusammenhang:
Mailüfterl war der erste, vollständig mit Transistoren arbeitende Computer auf dem europäischen Festland. Die offizielle Bezeichnung lautete Binär dezimaler Volltransistor-Rechenautomat. Vorgestellt wurde er im Mai 1958. Das Mailüfterl wurde ab 1955 an der TU Wien von Heinz Zemanek gebaut.

Der Erbauer spielte hinsichtlich der Benennung in einem Zitat auf die in den USA in Betrieb genommenen Röhrenrechner an: „Wenn es auch nicht die rasante Rechengeschwindigkeit amerikanischer Modelle erreichen kann, die Wirbelwind  oder Taifun heißen, so wird es doch für ein Wiener ‚Mailüfterl‘ reichen.“

Narrenkastl, das

Immer in Zusammenhang mit schauen: Ins Narrenkastl schauen.
den Blick schweifen lassen, ohne einen Punkt zu fixiern; Löcher in die Luft starren, geistesabwesend schauen.

 

 

Ein unverzichtbarer Dreierpack

Gfrett, das: mühevolle Tätigkeit, die am Ende hoffentlich doch zum erwünschten Ergebnis führt, Komplikation. Von fretten: sich aufreiben, sich wund reiben, abmühen.
Redensart: Es is a Gfrett!

Gfrast, das: nerviges Kind, aber auch Erwachsener (liebevoll oder böse gemeint), auch etwas, das nicht funktioniert (wertloses Zeug), heimtückischer, bösartiger Mensch.
Redensart: So a Gfrastsackl!

Gfries, das: Gesicht oder Person, eigentlich nie nett gemeint, 
Redensart: I kann die Gfrieser nimma seh’n.

 

 

scharwenzeln: sich beliebt machen, sich einschmeicheln, sich anschmeißen, sich anwanzen, in den Hintern kriechen, sich anbiedern, schwänzeln (landschaftlich).

Redensart: "Um aan umadumscharwenzeln." (Sich bei jemandem einschmeicheln, nach Beachtung suchen.)

 

Strotter, der:  Jemand, der in Abfällen herumstöbert, um Verwertbares zu finden. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurden damit Personen assoziiert, die im Untergrund lebten. Zuweilen auch als Synonym für Vagabund verwendet.

Die Strottern

 

gnädige Frau, die:  sehr höfliche und charmante Anrede für eine Dame. Kommt besonders gut zur Geltung mit näselndem "Schönbrunner Deutsch".
Der gekonnte Kuss auf den Handrücken wird vom Herrn nur angedeutet.

 

Gspusi, das: lose Liebesbeziehung zwischen zwei Menschen. Herkunft lat. sponsa: „Verlobte“.

Redensart: „Der hat a Gspusi mit der feschen Katz’.“ (Er hat ein Verhältnis oder ein Techtelmechtel mit einer hübschen Frau.)

 

Gschisti-gschasti , das: Umstände, Getue, Aufhebens, Unsinn.

Redensart: „Måch do um de Gschicht ned so a Gschisti-gschasti!“ (Mach doch um die Geschichte nicht so ein Aufhebens!)
Tschechisch: "cisté" bedeutet rein oder pur,  "šašek" heißt Clown oder Narr. Die wörtliche Übersetzung lautet demnach: "Saubere Narren" oder "Pure Clowns"

 

Bauxerl, das: herziges kleines Kind.

 

Pflasterhirsch, der: Zugpferd eines kleinen Fuhrwerks in der Stadt; manchmal wurde auch das gesamte Fuhrwerk so genannt. Mit Pflaster ist das Kopfsteinpflaster in der Innenstadt gemeint.

 

Spompanadeln, die: Unsinn, Widerrede, Umstände, Schwierigkeiten, Sperenzchen, (unnütze) Spielereien, meist als Verneinung gebraucht.

Redensart: „Moch kane Spompanadeln!“ (Mach keine Schwierigkeiten!)

 

hudeln: übereilt, zu schnell handeln, schlampig oder oberflächlich arbeiten
Grundbedeutung: zerfetzen, ein Hudel ist ein Fetzen oder Lumpen.
 
Redensart: „Nur ned hudeln.“ (Immer mit der Ruhe).
oder „Vom Hudeln kumman schiache Kinder!“ 

 

Krawallschani, der: Unruhestifter, Radaubruder.
"Krawall" bedeutet gegen die öffentliche Ordnung gerichtete Unruhe, Störung oder Lärm.
Der "Schani" ist ein guter Freund oder ein Handlanger, früher auch ein Diener.

 

Haftlmacher, der: genauer, sorgfältiger Mensch. Abgeleitet vom früheren Beruf des Haftlmachers, der Ösen und Haken für Kleider herzustellen hatte.
Gebräuchliche Redewendung: „Du musst aufpassen wie a Haftlmacher!“ (Mach das bitte sehr sorgfältig!)

 

Drahdiwaberl, das: Kinderspielzeug, kleine Puppe, die sich um die Achse dreht.

Redensart: „Ich hab so viel Arbeit, ich komm mir vor wie a Drahdiwaberl.“ (Mir kommt vor, ich komm mit meiner Arbeit nicht voran.)
Wiener Band: Drahdiwaberl.

 

abgebrannt sein: pleite, ohne finanzielle Mittel sein.

Redensart: „Ich bin obränd wiara a Luster.“ (Jemand ist „abgebrannt wie die Kerzen eines Lusters“, also pleite.)

 

Powidl, der: meist ohne Zucker dick eingekochtes Zwetschgen- oder Pflaumenmus. Beliebt als Brotaufstrich oder als  Fülle für Mehlspeisen.

Redensart: " Des is mir powidl." (Das ist mir egal.)



Quellen:
„Sprechen Sie Wienerisch von Adaxl bis Zwutschkerl“ von Peter Wehle. Ueberreuter Verlag 1980
echtwien.at
duden.at
https://de.wikipedia.org

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.