Die Vögel zwitschern’s von den Dächern

Adam Ernst fotografiert von Nini Tschavoll

Name Adam Ernst, geboren 1978 in Szombathely (Steinamanger/Ungarn), Beruf Geschäftsführer von Goldkehlchen, wohnt in Währing


Schauplatz Sydney, Australien. Adam und Eva, die nie ein Paar waren, sitzen in einem hippen Café mit Blick auf die berühmte Sidney Opera. Vor ihnen stehen zwei Gläser mit kühlem Apfel-Cider. Nein, das ist keine Neufassung der Schöpfungs-, sondern der Beginn einer österreichischen Erfolgsgeschichte.

Noch bevor die beiden von Australia nach Austria zurückkehren, beschließen sie, das köstliche Getränk auch in Österreich salonfähig zu machen. Mit ihrem Goldkehlchen Cider sind Adam Ernst und seine Geschäftspartnerin Eva Wildsperger mittlerweile weit über die Grenzen der Stadt bekannt.

Im Alter von zwei Jahren zog Adam Ernst mit seinen Eltern nach Mödling, wo er zweisprachig aufwuchs. Nach der Matura studierte er Theater-, Film- und Medien­wissenschaften. Immer wieder zog es ihn in die Ferne, Auslands­aufenthalte von Berlin bis Australien folgten, bevor er sich 2011 schließlich in Wien niederließ. Das Cider-Imperium lenkt Adam Ernst von Wien Währing aus, mittlerweile wohnt er auch hier.

Mit seinem Grätzel ist er längst vertraut, ein Lieblingsort ist der Kutschkermarkt, wo er sehr gerne einkauft. Besonders der Bauernmarkt am Wochenende hat es ihm angetan. Hier kommen niederösterreichische Bauern nach Wien und verkaufen ihre Produkte direkt am Markt. Im Winter ist die Auswahl naturgemäß überschaubar, im Sommer wird es hingegen richtig bunt.

Der nunmehrige Marketingexperte hat als CEO von Goldkehlchen seinen Traumberuf und in Wien seinen Lebensmittelpunkt gefunden. Demnächst will er mit einem neuen Getränk wieder einen Coup landen und damit den österreichischen Markt erobern. Logo und Design der Cider-Flaschen sind äußerst gelungen und haben mit der edlen goldenen Prägung hohen Wieder­erkennungs­wert. Das Getränk selbst, das es in mehreren Fruchtsorten gibt, ist erfrischend, nicht zu süß, nicht zu herb. Die Äpfel kommen aus Markt Hartmannsdorf, wo auch abgefüllt wird.

Für was in Wien kannst du dich noch besonders begeistern? Ich kann mich wahnsinnig für den Sommer in Wien begeistern, weil es hier so viele Freizeitmöglichkeiten gibt. Das findest du in keiner anderen Großstadt der Welt. Von der Donauinsel angefangen bis hin zur Heurigen­kultur oder zu den an die Stadt grenzenden Wäldern. Man ist in Wien keinem Konsumzwang ausgesetzt, wie in anderen Städten. Viele Angebote sind kostenlos. Als Währinger muss ich natürlich den Türkenschanzpark erwähnen: ein Picknick dort mit Freunden, was gibt es Schöneres?

Auf der anderen Seite begeistern mich auch Orte in Wien, die trotz der Schnelllebigkeit und des ständigen Wandels immer ihre Identität bewahrt haben. Etwa der Böhmische Prater im 10. Bezirk, ein Geheimtipp. Sehr cheesy, weil alles alt und verstaubt wirkt, aber das macht gerade den Charme dort aus. Er passt irgendwie nirgends mehr dazu, hat aber trotzdem seine Berechtigung.

Du lebst und arbeitest im 18. Bezirk. Die U6 in einem Satz? Ausnahmezustand! (lacht) Ich habe mal eine Watsch'n bekommen in der U6. Ein Typ hat mich einfach so geohrfeigt! Ich habe ihn gefragt, ob er deppert ist, er schwieg sich aus. Die Situation war peinlich, die Leute starrten und keiner sagte etwas. Als ich ausstieg, hat er mir plötzlich seine Hand hingestreckt und sich entschuldigt. Auch das ist Wien.

Wien ist Musik. Was läuft gerade auf deiner Playlist? Ich streame Musik aus dem Internet, meistens Radiosender aus der ganzen Welt. Sunday-Chill-Out-Musik ist sehr angenehm beim Aufräumen. Das läuft bei mir im Hintergrund und bringt positive Stimmung ins Wochenende.

Wien ist Genuss. Wo in Wien isst du am liebsten? Im Am Nordpol!  Ja, der liegt in Wien in der Nordwestbahnstraße. Dort servieren asiatische Eigentümer böhmische Küche. Eine sehr interessante Kombination mit beständiger Qualität. Diese Liwanzen mit dem Sauerrahm und dem Powidl drauf – so richtig fett und gut! Nur das WC ist eigen, es erinnert mich irgendwie an die Bahnhofshalle in Bukarest.

Wo trinkt man in Wien den besten Kaffee? Den gibt’s in der Kaffeeküche im Jonasreindl. Der Kaffee kommt aus Graz von Tribeka. Die Grazer haben viel drauf,  was Kaffee betrifft! Und dann hat in der ehemaligen Anker-Filiale letztes Jahr die Cafebrennerei Franze aufgemacht, wo Nicholas und sein Team richtig guten Kaffee und süße Köstlichkeiten machen. 

Adam Ernst gustiert bei Frau Pöhl am Kutschkermarkt

Du wohnst gerne schön. Wo kaufst du ein? Ein Besuch bei Simon und seiner Frau im The Room mitten im 18. lohnt sich immer. Die beiden handeln mit allerhand Schönem aus den 60ern. Sie sind sehr freundlich und immer zu einem Plausch aufgelegt.

Was erlebt man nur in Wiener Nächten? Ich war bei der Gräfin am Naschmarkt vor ein paar Jahren. Nach einer durchzechten Nacht servierte der Kellner unsere halbleeren Biere ab, schüttete sie zusammen und trank sie in einem Zug aus. Das war irgendwie seltsam, da haben wir geschaut, übernachtig wie wir waren.

Welchen historischen Wiener bewunderst du? Hans Hass. Ich habe ihn früher öfter in Wien beim Spazieren mit seiner Frau Lotte gesehen. Er war der bedeutendste österreichische Meeresbiologe, also der österreichische Jacques Cousteau. Er hat uns mit seinen Filmen die Faszination der Meere nähergebracht. Und das als Bürger des Binnenlandes Österreich. Ich bin selbst leidenschaftlicher Taucher, sein Wirken hat mich schon immer fasziniert.

Von Unterwasser zu Überwasser: Welchen Film hast du zuletzt gesehen? Ich arbeite mich gerade wieder durch die Welt von Herr der Ringe. Zuletzt habe ich mir das Spin-off Der Hobbit reingezogen. Mir hat das Ganze ja nie gefallen, zu viele Kampfszenen. Aber ich will der Trilogie noch eine Chance geben, mal sehen, ob der Funke doch noch überspringt bei mir.

Welcher Film geht hingegen immer? Vor allem die alten Filme von Pedro Almodóvar. Mich faszinieren seine Figuren, die lustig, tragisch und interessant zugleich sind. Diese Werke haben schon fast musealen Wert, weil heute Filme in dieser Art nicht mehr produziert werden.

Was liest du aktuell? Spanische Kurzgeschichten, ich möchte mein Spanisch verbessern.

Was fehlt in Wien? Das Meer, daran werden wir aber wohl wenig ändern können!

 

Christoph Grabuschnig
Christoph ist Exil-Steirer und pendelt täglich zwischen 3. und 5. Bezirk. Mit seiner winzigen Küche verbindet ihn eine Art Hassliebe, nichts desto trotz läuft sein Herd immer auf vollen Touren. Er arbeitet an einem Kochbuch mit den besten Rezepten seiner entzückenden Oma und erkundet Wien gerne mit dem Fokus auf lukullische Genüsse.

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