Homo urbanus

Lisa Oberzaucher, Verhaltensbiologin und leidenschaftliche Wissenschaftskommunikatorin, hat mit „Homo urbanus“ eine handliche Betriebsanleitung für den Menschen in der Stadt geschrieben. Das Taschenbuch, erschienen bei Springer, ist leicht zu lesen, sehr gut in viele kurze Kapitel gegliedert und hat an jedem Kapitelende eine „Take home message“ in einem Satz. Die erste Erkenntnis streift Madamewien.at bereits im ersten Kapitel, wo erklärt wird, woher der Spruch „Stadtluft macht frei“ eigentlich kommt. Das Buch ist für jeden Menschen interessant, der etwas über seine Vorlieben erfahren oder den Lebensraum Stadt gestalten möchte. Die Entwicklungsgeschichte des Menschen ist nämlich nicht abzuschütteln.

Die Evolution ist aber nicht als ewige Ausrede zu sehen, sondern eher als Betriebsanleitung und Entscheidungshilfe. Welchen Sitzplatz bevorzugen wir auf einer Piazza, in der Bar oder in der Straßenbahn? Was bringt eine Pflanze auf dem Schreibtisch? Wie kann in der Büroküche Fairness in der Kaffee-Kassa gefördert werden? Warum kommen Leopardenprint und Schlangenoptik immer wieder in Mode?

Überall hier hilft der Blick in die Vergangenheit. Da immer mehr Menschen den urbanen Lebensraum besiedeln, blickt Oberzaucher in die Zukunft der Städte. Sie beleuchtet Forschungsergebnisse (z.B. aus den Wohnbauten in Alt Erlaa), die uns helfen werden, mit Territorien, Stress, Nachbarschaft, Verdichtung und sozialer Komplexität umzugehen. Ein kluges Sachbuch, gänzlich barrierefrei mit Literaturliste und Sachwortverzeichnis.


Homo urbanus
Ein evolutionsbiologischer Blick in die Zukunft der Städte

Elisabeth Oberzaucher

Springer Verlag 2017
259 Seiten
12,99 EUR

 

Astrid Kuffner
Astrid ist Wienerin, Working Mum, Wählerin, wählerisch, mag Menschen, Worte und Wale.

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