Der Doppelgänger

Ein Schelmenstück und eine etwas andere Perspektive auf die Reagan-Ära bietet „Der Präsident“ von Clemens Berger. Der Präsident der Vereinigten Staaten war erst Bademeister und Schauspieler, er warb für Zigaretten und als er bereits an Alzheimer erkrankt war, zierte seine Tochter das Cover von Playboy. Aber das nur nebenbei. Während der achtjährigen Reagan-Ära war in Österreich Kurt Waldheim Präsident, der auf der Watchlist stand und nicht in die USA einreisen durfte.

Der Klimawandel bereitete einigen Wissenschaftlern bereits Sorgen. Gorbatschow bahnte die Perestroika an. Doch keine Sorge: Der Präsident ist keine langweilige historische Abhandlung, sondern dreht sich um Julius Imre, amerikanisiert Jay Immer, der nach einem Attentat auf Ronald Reagan als dessen Body-Double Werbeauftritte, Eröffnungen und Foto-Shootings wahrnimmt.

Den Job bei der Agentur verschafft ihm seine Frau Lucy, ohne dass er davon weiß. Julius Eltern wanderten aus Oberwart im Burgenland nach Brooklyn aus. Jay Immer kämpfte im 2. Weltkrieg gegen Hitler und arbeitet vor dem Doppelgänger-Engagement als Polizist. Mal leidet er darunter, Reagan ähnlich zu sehen, mal nützt er es für sich. Doch immer öfter ist der Doppelgänger mit der Politik des Originals nicht einverstanden. Er wird aufgefordert, sein Gesicht in den Dienst einer anderen Politik zu stellen. Und das tut der andere Reagan dann auch.


Der Präsident
von Clemens Berger

Residenz Verlag
320 Seiten
24 Euro


© Beitragsbild: Katharina Susewind

Astrid ist Wienerin, Working Mum, Wählerin, wählerisch, mag Menschen, Worte und Wale.

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Clemens Berger beschreibt den Weg des Burgenländers Julius Imre, der es bis zum Double eines amerikanischen Präsidenten brachte.

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