Gereift, aber nicht vom alten Eisen

Die Schriftstellerin Susanne Scholl im Portrait
  Madamewien.at, Susanne Scholl, Roman, Residenz Verlag, leselust

Über die Hausarbeit muss in dieser speziellen WG nicht gestritten werden, denn Rada kümmert sich darum. Dennoch fliegen manchmal die Fetzen zwischen den vier Damen des Hauses, wenn es um Politik, Familie oder Sexualität geht.

Es ist ursprünglich die (zu groß gewordene) Wohnung der Witwe Ella. Ihre Schwester Maggie kehrt nach vielen Jahren im Ausland alleinstehend nach Wien zurück. Rada war die rumänische Pflegerin von Ellas Mann und blieb nach dessen Tod gleich da.

Nachbarin Luise, deren eigene Wünsche nie eine Rolle spielten, wurde von ihrem Ehemann nach vielen Jahren Heim und Herd vor die Tür gesetzt und ebenfalls aufgenommen. Nun leben sie zusammen, raufen sich zusammen, streiten und versöhnen sich, verkraften gemeinsam Verluste und freuen sich über Familienglück.

Autorin Susanne Scholl ist Gründungsmitglied der Protestbewegung „Omas gegen rechts“, die sich gegen die vor Kurzem abgesetzte türkis-blaue Österreichische Bundesregierung formierte und für viele Demonstrationsneulinge einen sicheren Hafen bot.

Ihre Erfahrungen aus dem Inneren einer Organisation mit vielen Omas sind stark in den Roman „Die Damen des Hauses“ eingeflossen. Deshalb liefert dieser nicht nur Klischees, sondern auch wohltuende Kontrapunkte zum Bild des (Frauen-)Lebens im fortgeschrittenen Alter abseits vom harmonischen Dauer-Kaffeekränzchen mit Stricknadeln.

Gerade in der Zeit vor dem Wahltermin Ende September kann man beim Lesen diese Zeit noch einmal Revue passieren lassen. In den ersten vier Kapiteln werden die vier Damen mit wichtigen biografischen Bezugspunkten und auch in der Interaktion miteinander eingeführt. Dabei mutet Susanne Scholl einem viele Namen von Kindern, Neffen, Geliebten, Partnern, Freunden etc. zu, nicht mehr alle aktuell, nicht mehr alle am Leben, aber man kommt bald hinein.

Die Schlagabtäusche sind oft in direkter Rede formuliert, weswegen man die rüstigen Damen im Geiste bald sehen und hören kann. Und was kann man aus dem Buch mitnehmen? Alt werden ist nichts für Feiglinge! Aber auch: Es ist nie zu spät sich zu engagieren, die Meinung zu ändern und jemandem zu helfen. Omas brauchen sich vor nichts fürchten.


Die Damen des Hauses 
von Susanne Scholl

Residenz Verlag 2019
245Seiten
Euro 22

 

Astrid Kuffner
Astrid ist Wienerin, Working Mum, Wählerin, wählerisch, mag Menschen, Worte und Wale.

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