Danke Johanna!

Johanna Dohnal fotografiert von Elfie Semotan

DIE DOHNAL
Frauenministerin / Feministin / Visionärin


Ein Film von Sabine Derflinger
Plan C Filmproduktion/Derflinger Filmproduktion 2020


Dass die aktuelle Ministerin für Frauen und Integration, Susanne Raab (Jahrgang 1984), sich nicht als Feministin versteht, hat sie bereits gesagt. Man wird sie an ihren Taten messen. Und sie wird, wie alle PolitikerInnen seit 1995 mit Frauenthemen im Portfolio, an Johanna Dohnal (Jahrgang 1939) gemessen werden, der ersten Staatssekretärin für Frauenfragen und späteren Ministerin (1979-1995). Zum zehnten Todestag hat Regisseurin Sabine Derflinger ein wunderbares filmisches Portrait gestaltet: “DIE DOHNAL Frauenministerin / Feministin / Visionärin”.

Rund 40 Menschen sprechen im Film über jene Frau, die viel ausgehalten und viel vorangebracht hat für Frauen in Österreich. Zu Wort kommen ihre Tochter, ihre Witwe und ihre Enkelin. Der Chauffeur, die Kabinettsmitarbeiterinnen, politische WegbegleiterInnen, mehrere Generationen SPÖ-Politikerinnen und Feministinnen. Maria Rauch-Kallat erinnert sich an gemeinsam geschlagene Verhandlungen trotz Parteiunterschieden. Brigitte Ederer, Yasmo, Lena Jäger, Alice Schwarzer oder Elfie Semotan, von der auch das Foto auf dem Filmplakat stammt, kommen ebenfalls zu Wort.

“Die Dohnal” ist ein sprechender Titel. Für die einen war sie ein Feindbild, für die anderen eine Ermöglicherin. Bescheiden und klug, unermüdlich, menschlich, klar in ihren Ansagen, stark in der Argumentation. Sie wehrte sich strikt gegen Rollenklischees, war eine vehemente Verfechterin der beruflichen und finanziellen Eigenständigkeit von Frauen. Sie war DAMES-Kettenraucherin, geduldige Zuhörerin mit viel eigener Lebenserfahrung als lediges Kind, Hacklerin, Mutter, Großmutter, Ehefrau.

Ihre Meilensteine und Stolpersteine werden noch einmal lebendig und nachvollziehbar: Frauenvolksbegehren, Gewaltschutzgesetz, Frauenhäuser, Quote, Arbeitszeitverkürzung, Vergewaltigung in der Ehe, Kinderbetreuungseinrichtungen, Klischees in Kinderbüchern, you name it. Für ZuseherInnen wird offenkundig: Wie Frauen heute in Österreich leben, hat viel mit Johanna Dohnal zu tun, auch wenn es noch genug zu tun gibt.

Informative TV-Momente aus der Zeit als Politikerin wechseln sich mit den aktuellen Interviews ab. Alice Schwarzer nennt Johanna Dohnal ein Phänomen, Johanna-Helen Dohnal weiß, dass ihre Oma ebenso oft beschimpft wie bedankt wurde und dass heute viele Männer vom Feminismus profitieren. Ihre Witwe Annemarie Aufreiter servierte Kamillentee, wenn Johanna wegen der heftigen Geschichten in der Servicstelle oder heftiger persönlicher Angriffe kotzen musste. Sie versteht, warum ihre Partnerin die Beziehung nie verheimlichte, aber auch nicht öffentlich deklarierte.

Das Paar empfing regelmäßig Gäste zum gemeinsamen Essen und Singen. Ex-Politikerin Maria Rauch-Kallat bezeichnet es als Eigentor von Vranitzky (SPÖ) und Busek (ÖVP), dass sie 1993/94 zusammen mit Johanna Dohnal in eine Arbeitsgruppe berufen wurde und mit ihr gemeinsam große Verschlechterungen für Frauen verhindern konnte. Die beiden sprachen sich in den Klopausen ab.

Der Film beginnt und endet mit Dohnals Demontage im Frühjahr 1995 durch den damaligen Bundeskanzler Franz Vranitzky, die sie sehr getroffen hat. Es sind die perfiden Details, nachvollziehbar auch anhand der persönlichen Notizen der Politikerin, die erkennen lassen, wie nahe ihr die Situation ging. Während sie ihr Werk abschließen wollte und ihren Rücktritt für November 1995 anbot, erfuhr sie von ihrer Absetzung aus einem Nachrichtenmagazin.

Johanna Dohnal ist dem Mann, der sie als Staatssekretärin für Frauenfragen 1979 in die Regierung geholt hat, mit diesem Film zuvor gekommen. Über die jungen Jahre von Bruno Kreisky, den Sonnenkönig der SPÖ, wird gerade ein Film vorbereitet. Eine schöne Anekdote. MadameWien empfiehlt: Zum Valentinstag ins Kino gehen und vor dem Badezimmerspiegel Die Hälfte des Himmels von Gustav aka Eva Jantschitsch trällern.

“Aus taktischen Gründen leise zu treten, hat sich noch immer als Fehler erwiesen.”
Johanna Dohnal  (*1939 - †2010)


zum Trailer

ab 14. Februar im Kino.

Astrid Kuffner
Astrid ist Wienerin, Working Mum, Wählerin, wählerisch, mag Menschen, Worte und Wale.
Nini Tschavoll
Nini fotografiert, schreibt und bloggt digital.
Mag aber auch analog noch immer.

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