Alles gut?!

„Warum geht es mir so gut und so viele andere Menschen auf der Welt haben nicht einmal das Notwendigste zum Leben?“ Diese Frage steht am Beginn des Buches „Alles gut?!“, erschienen bei Kremayr & Scheriau. Andreas Sator stellte sie sich bereits als Jugendlicher, während er die Bücher von Jean Ziegler verschlang. Viele Kinder stellen sie ihren Eltern – etwa demnächst zum Martinsfest: Mama, warum gibt es arme Menschen?

Mit 29 Jahren legt der Wirtschaftsjournalist (Der Standard) und erfolgreiche Podcaster (Erklär’ mir die Welt) nun ein Buch vor, in dem er sich dieser und anderen drängenden Fragen stellt. Er kneift nicht die Augen zu und macht weiter wie gewohnt.

Er trägt die Ergebnisse intensiver Recherchen, die Conclusio aus zahllosen Gesprächen mit ausgewählten ExpertInnen (u.a. mit dabei die diesjährigen NobelpreisträgerInnen für Wirtschaft) und seine eigenen Schlüsse zusammen und bereitet sie in verständlicher Sprache auf. Dabei geriert  sich Sator nicht als asketischer Bessermacher und Influencer. Er redet über seine Gewissensbisse, die eigenen Limits und wie er versucht, sein eigenes Verhalten zu ändern. Am Ende jedes Kapitels fasst er seine Erkenntnisse kurz zusammen, wie er das auch in seinem Podcast „Erklär’ mir“ tut. Zu allen Antworten und auch den Limits seines Buches gibt Andreas Sator weitere Lesetipps (z.B. Jared Diamond, Hans Rosling und Martín Caparrós).

Der Einstieg erfolgt über das griffige und lebensnahe Thema Kleidung/Mode und die Frage: Beim Einkauf die Welt retten? Wobei es wahrhaft größere Shopaholics gibt als den Autor selbst. Antwort-Spoiler: Es ist kompliziert... Von dort geht es in die Tiefe: Warum ist Österreich so reich, seit wann und auf wessen Kosten? Was sind die Folgen von Kolonialismus, der Erbsünde Europas? Andreas Sator findet Antworten in Studien über Inseln.

Er beleuchtet die Trennung der Kontinente und Staatenbildung ebenso, wie die Ursprünge der Landwirtschaft im heutigen Irak und die ignorante Idee, einen ganzen Kontinent mit Lineal und Zirkel unter sich aufzuteilen. Welche Startschwierigkeiten hat Subsahara-Afrika und was ist der Pistolen-SklavInnen Kreislauf? Was wäre mit einem Marshallplan und was bedeutet es, keine Meerzugang zu haben? Wo war es und was war früher wirklich besser? Es ist interessant zu lesen, wie das mit der Sklaverei begann. Auch MadameWien ist nun besser über das Ende der Geschichte „informiert“. Die Abschaffung der Sklaverei, der heroische Kampf der Nord- gegen die Südstaaten der USA ist einfach so viel einfacher in Filme zu verpacken... Wie hilft und spendet man richtig? Was tun gegen den Klimawandel? Und was gegen extreme Armut? Was bringt Fair Trade und was bringt Entwicklungshilfe? Andreas Sator drückt sich nicht um Antworten.

Es ist ein anschauliches und ermutigendes Buch. Im Tonfall findet der Autor die richtige Balance zwischen wirklich bedrohlichen Fakten, um die heute lebende Menschen sich nicht herumdrücken dürfen, und den titelgebenden optimistischen Antworten für eine gerechte Welt. Danke dafür! Eine dicke Empfehlung, auch für den Podcast!


Andreas Sator
Alles gut?!
Unangenehme Fragen & optimistische Antworten für eine gerechte Welt
Kremayr & Scheriau 2019
206 Seiten
22 Euro


Beitragsfoto: Matthias Cremer

Astrid Kuffner
Astrid ist Wienerin, Working Mum, Wählerin, wählerisch, mag Menschen, Worte und Wale.

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