Wunderwesen unter Wasser

Es wäre nicht weiter verwunderlich, hätte die Autorin auch ihren Nachnamen auf ihr bevorzugtes Forschungsobjekt zugeschnitten. Helen Scales (fish scales sind Fischschuppen) kennt und bewundert Fische.

Warum, wird bereits im Prolog des Buches klar. Schon auf diesen wenigen Seiten umreißt die Meeresbiologin sagenhafte Fähigkeiten von Fischen.

Am Beginn jedes Kapitels steht eine Sage aus aller Welt, die mit Fischen zu tun hat und eine schwarz-weiß illustrierte Tafel mit den Wasserwesen.

Siehe da, es gibt ein Aschenputtel-Märchen aus der Tang-Dynastie mit Fisch.

Die passionierte Forscherin taucht ab und nimmt die LeserInnen mit auf eine Reise in die Unterwasserwelt. Sie verfolgt die vielen Äste des Arten-Stammbaums zum Ursprung hinunter, erklärt wie ein Schwarm funktioniert, wie sich Fische orientieren und kommunizieren (von wegen stumm), sucht nach Erklärungen für ihre Farbmuster und führt in verschiedene Forschungsprojekte ein (mit Mikrofonen, Sendern und Go Pro-Kameras).

Sie lenkt die Aufmerksamkeit auf weitere Frauen in der Fischforschung wie Lotte Baierl (verheiratet Lotte Hass), Marie Fish und Eugenie Clark. Natürlich beschäftigt sie sich länger mit Haien. Sie widmet ein Kapitel den giftigen Fischen, eines jenen, die Stromschläge erteilen können, und eines auch dem Fischfutter. Helen Scales erklärt die vielen physikalischen Notwendigkeiten und organischen Anpassungen, die der Lebensraum Wasser erfordert bei Farbe, Form, Fortbewegung, Jagdverhalten, Paarung etc. .

Zwischen Schmunzeln und Staunen saugen wir bereitwillig Fakten und Zusammenhänge ein, welche die Erzählerin liefert: pupsende Heringe, Fische als Leuchtmittel im Grubenschacht, dass der Sand der Malediven eigentlich Fischkacke ist, der Clownfisch "Nemo" genauso konstruiert wie "Bambi", die Raffinessen im Beauty Salon Putzerfisch, wo man als Weibchen beginnt und sich zum männlichen Figaro hochdient.

Zuletzt fordert Helen Scales konsequenterweise eine Erweiterung des Intelligenzbegriffs sowie Artenschutz und Tierschutz ein. Nach dem Blick in Scales literarisches Aquarium werden Sie auch Guppys und Goldfische mit anderen Augen sehen. Eine große Leseempfehlung – besonders für NaturfreundInnen.


Im Auge des Schwarms
Von Fischen, dem Meer und dem Leben
von Helen Scales
folio Verlag 2019
357 Seiten
25 Euro


Beitragsbild: © Ria Mishaal

Astrid ist Wienerin, Working Mum, Wählerin, wählerisch, mag Menschen, Worte und Wale.

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Helen Scales ist Fischfreundin und taucht mit uns ab in die Tiefen der Meere.

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