Überlebensbericht aus den NS-Vernichtungslagern

Verleger Albert C. Eibl hat sich auf das Verlegen (zu Unrecht) vergessener Bücher spezialisiert. Im dvb-Verlag hat er 2021 den 1955 erstmals erschienenen Überlebensbericht von Carl Laszlo herausgebracht.

Laszlo, ungarischer Jude, wurde 1944 als 20-jähriger mit seiner Familie aus Pécs nach Auschwitz deportiert. 45 seiner Familienmitglieder wurden sofort nach der Ankunft in den Gaskammern ermordet. Gleich das erste Kapitel dreht sich um den Lagerarzt Mengele und wie er die „Selektion“ vornimmt.

Laszlo war eine durchaus schillernde Figur im Nachkriegs-Basel: er überlebte als Schreiber und durch die wahnwitzige Kombination aus Glück, Zufall und Menschlichkeit im richtigen Moment, studierte Psychoanalyse, war Galerist, Verleger, Kunstsammler, Nachtmensch und Dramatiker. Als Überlebender bezeichnete er sich gern als Sieger über die Nazis.

Schon im Titel legt er die Perfidie der Nazischergen offen, verschickten sie doch an die Angehörigen von Verhafteten einige Zeit Karten mit Vordruck, Unterschrift und dem Stempel „Am Waldsee“. Ferien waren die Lageraufenthalte schon gar nicht. Laszlo selbst begegnen wir auch in der Figur Aliego, einem Alter Ego. Ein weiteres erschütterndes Dokument über ein System, das viel zu lange ungestört arbeiten konnte – mitten in Europa. Zurecht dem Vergessen entrissen.


Ferien am Waldsee. Erinnerungen eines Überlebenden
von Carl Laszlo
dvb Verlag
160 Seiten
22 Euro


Beitragsbild: © Dave Hoefler

Nini Tschavoll
Nini schreibt, fotografiert und bloggt digital.
Mag aber auch analog noch immer.
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