Rose Royal

Rose ist nicht royal, sie ist real. Sie ist eine Frau, die schon ein Leben gelebt hat, eines das nicht selten fordernd war. Und sie ist noch immer eine schöne Frau, obwohl dieses fast 50 jährige Leben Spuren in ihrem Gesicht zurück gelassen hat.

Besonders gerne schlägt sie sich die Nächte in der Bar Royal um die Ohren. Eine Bar, die nicht herunter gekommen, aber auch nicht fancy ist. Die Möbel sind aus den Siebzigern, das Klo sauber und voll mit Aufklebern.

Sie sitzt dort gerne am Tresen, denn es herrscht immer Feierabendstimmung. Und Fred der Barkeeper sowie die Zeitung und das Bier, das er ihr serviert, lösen bei ihr das Gefühl von Zuhause aus.

Rose Royal

Rose stört sich nicht weiter daran, dass sie „jenes schwierige Alter" erreicht hat, in dem sich die verbliebene Frische und das Funkeln im Alltag aufzulösen scheint. Eine uneitle Frau, die sich ihrer Vorzüge durchaus bewußt ist.

Eines Abends stürzt ein Mann mit seiner tödlich verletzten Hündin in den Armen ins Lokal und stört die vertraute Szenerie. Das Tier ist sichtlich nicht mehr zu retten, nach einer Schrecksekunde weiß Rose als erste Rat und handelt, um das Tier zu erlösen.

Als sich der Mann zwei Tage später bei ihr meldet, nimmt ihr Leben die Wende, die sie sich immer gewünscht hat. Luc scheint der perfekte Mann für sie zu sein, die beiden matchen in (fast) allem.

Roses Vergangenheit wird immer wieder angedeutet und man darf erahnen, dass ihre früheren Beziehungen zum ‘starken Geschlecht‘ nicht unproblematisch waren. Dennoch, „an ihrem Umgang mit Männern sah man, sie konnte sich zur Wehr setzen“, heißt es einmal.

Der Roman ist kühl und knapp geschrieben, ähnlich einem ‚Revolver-Roman‘, an den das suboptimale Cover ein wenig erinnert. Doch es geht um mehr, tief hinein in den Kampf der Geschlechter. Nicolas Mathieu ist ein atemberaubendes Drama gelungen. Die knapp hundert Seiten lesen sich wie im Sog, eine Empfehlung!

Rose Royal
von Nicolas Mathehieu
Hanser Berlin, 2020
18,50 Euro

 

© Beitragsbild: Bertrand Jamot

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